Alle Jahre wieder, pünktlich in den ersten Tagen sind die Filme speziell für das Chinesische Neujahr wieder Usus für die Produzenten und Pflicht für die Zuschauer. Die lange Tradition der He Sui Pian wird momentan am Besten durch die All's Well Ends Well - Reihe verkörpert, die schon Anfang der Neunziger ihre Auferwartung machte und nach einer zwischenzeitlichen Pause ab 2009 erneut und verstärkt in das Bewusstsein geriert. Damals im Neubeginn eher die Überraschung schlechthin, hat man sich mittlerweile mit dem vierten Abkömmling in Folge zum Allgemeinplatz der Erwartung und des Erfolges gewandelt, verkörpert man zwar weiterhin die universelle Tradition als Abart der Romantischen Komödie, bewegt sich zeitlich aber zumindest von der Star-Besetzung her mitten in der populärmedialen Aktualität. Eine Mischung aus Weltenflucht und Gegenwartsaufnahme. Random Bits of New Year's Fluff:
Eine neue Website namens Baoxi.com verspricht den Männern in der Runde als Gegenleistung für Dienste an die Frauen am Ende der Erfüllung jeweils eine Umarmung. Dabei handelt es sich allerdings nicht um sexuelle Befriedigung, wie anfangs vielmals von den Herren angenommen, sondern um berufliche oder persönliche Zuwendungen, die aus der Not und dem Mangel an Freundschaft in der heutigen Gesellschaft geboren werden. So sucht die Fotografin Julie Sun [ Kelly Chan ], Protegé des berühmten Shalala [ Ronald Cheng ], ein neues Talent für ihre bevorstehende Kollektion und findet diesen per Annonce im Bauarbeiter Peng Kin [ Louis Koo ]. Der erfolglose Background-Sänger Carl Tam [ Donnie Yen ] soll sich vorübergehend als schwerreicher Freund der ebenso gescheiterten Sängerin Chelsia Song [ Sandra Ng ] vor ihrer ehemaligen Bandkollegin Daphne Wong [ Crystal Tin ] aufspielen. Die durch ein bevorstehendes Erbe zünftige Millionärin Cecilia Chen [ Yang Mi ] sucht mit Hilfe des Ersatzvaters Richard [ Raymond Wong ], der von seiner eigenen Tochter Carmen [ Karena Ng ] geschnitten wird, aus drei heiratswilligen Kandidaten den perfekten Ehemann für sich aus. Und die eher traurige Gestalt des Schriftstellers Hugo [ Chapman To ], der zwar immens erfolgreiche Liebesromane verfasst, sich aber aufgrund des damit nicht mithalten könnenden Aussehens vor der Öffentlichkeit versteckt, soll der blinden und verwaisten Balletttänzerin Carmaine [ Lynn Hung ] für einige Zeit die wahre Liebe vorspielen.
Regie führt dabei wie schon im letztjährigen Vorgänger All's Well Ends Well 2011 (2011) Chan Hing-kar; mit der verlässlichste Experte für die humoristisch aufgelockerten, aber doch eifrig auf die Belange zwischen Mann und Frau und deren Begehren und Nöte zielenden Geschichten. Auch hier wird sofort der Standpunkt der ach so deutlichen Unterscheidung zwischen den Geschlechtern gelegt, noch im Vorspann, während einer Plansequenz die Voraussetzungen für weiteres Ungemach der beteiligten Parteien und ihr schlussendliches Zusammenkommen trotz aller Widrigkeiten bereitgestellt. Das tiefe Seufzen ob dieser Belanglosigkeit bleibt dabei großteils Gott sei Dank aus, wird das Folgende, abgesehen von kleineren Details doch schon mit vergleichsweise scherzhaften Ansinnen und nicht den großen Liebesschwüren und anderlei emotionalen Peinlichkeiten formiert.
Dafür ist das Geschehen auch zu widersinnig von Ära und Realität. Ungewohnt für die mittlerweile siebenteilige Saga gibt man sich im Alternativ- und chinesischem Originaltitel den Verweis als Remake, hat man mit dem (produktionsfremden) Namensvetter The Eighth Happiness (1988) aber vom Sinn her nichts zu tun; selbst die bemühte Schiene der Achtziger Jahre Nostalgie wird nebensächlich und mehr schlecht als recht bedient. Geteilt in etwa vier getrennt voneinander ablaufenden Episoden, die sich erst am Ende und dann nur zum "Kung Hei Fat Choy " Gruß an das Publikum überschneiden, wird vielmehr eine farbenkräftige, durchaus mit Bezügen der Wirklichkeit spielenden, aber dennoch in der märchenhaften Fantasie gesetzte Welt initialisiert. Ausdrucksreich vom Beruf – nahezu alle Personen sind Künstler in der einen oder der anderen Form – und darübergehend auch vom Lebensstil her, abstrakt im Gestus, bis in die (gerade bei den Männern unmöglichen und unechten Perücken)Frisuren und den überbunt gestalteten Kleidern und Anzügen stilisiert, wird eher eine Abart des Hier und Jetzt statt dem trostlosen Einerlei des Alltags gezeigt. Typischerweise für Filmemacher Chan und seiner Adjütantin Janet Chun und ihrem Blick eher über die Dinge hinweg als in sie hinein, sieht das idealistisch gut aus, hat vor allem einige interessante Anregungen in Architektur und Dekoration zu bieten und liefert formell und materiell immerhin den perfekt gedeckten Tisch. Ein scheinbar reichhaltiges Menü, in den einzelnen Gängen besser aussehend als schmeckend und manchmal auch ziemlich generell.
Denn mindestens eine der vier Anekdoten ist unnötig bis, wenn auch nicht vom Ansatz her, aber in der Ausführung reichlich daneben. Wenn bei den anderen Paarungen die Träume nach Mehr und einer Verbesserung im Leben, mitsamt dem Finden des perfekten Gegenüber im begleitenden Hintergrund stehen, ist das Histörchen vom hässlichen Schriftsteller und der blinden (und seltsamerweise auch überaus hilflos bis infantil personifizierten) Tänzerin bei dieser Neuanordnung von Lug und Trug und später gar dem Verschleiern des "visually impaired" vor den Kollegen doch von eher eigentümlichen Wesen. Mit Abstand auch die mit (dort störender) Ernsthaftigkeit behandelte Geschichte, was bei jedem Wechsel dorthin einen Bruch in den Rest der recht albern bestückten, wenn auch kindisch affektierten, spät dann noch mit Moral und Selbstbestätigung hantierenden Handlung hinein reißt.
Ansonsten herrscht der kleine, harmlose, sicherlich nicht wirklich durchdachte, aber auch Niemanden wehtun wollende Scherz vor; vor allem das Blamieren der Herren der Gesellschaft in lustigen Posen und ebensolcher Aufmachung. Wie auch im Vorgänger ist das Begleiten der liebessüchtigen Gockel und ihre Gemeinschaft untereinander, speziell die Bauarbeitertruppe um Louis Koo (der mit der Matratze unterm Arm zum ersten Date marschiert) am Wohligsten temperiert. Und wie auch zuvor trägt die Vereinigung von Donnie Yen und Sandra Ng noch mit am Meisten zum Verzeihen und Gutheißen dieser großen Nebensächlichkeit von Ablenkung bei. Man sieht sich wieder, im nächsten Jahr.