Review

Der 1999 abgedrehte "American Pie" war eine Hommage an die Tennie-Komödien der 80er-Jahre, die als Hauptthema die Pubertät und vorallem den ersten Sex hatten (Eis am Stil, Porky´s etc). "American Pie" war nicht nur sehr unterhaltsam und zum Schießen komisch, sondern ein Startschuss für zwei weitere Fortsetzungen.

Die Jahre vergingen, vier weitere Ableger ohne Originalbesetzung (außer Eugene Levy) und ohne Kinoauswertung kamen auf den Markt. Allerdings war die Neugier des Publikums gering und lediglich Genre-Freunde hatten mal mehr und mal weniger ihre Freude daran.

Ganze 13 Jahre später, wenn wir die DTV-Veröffentlichungen nicht mitzählen, haben wir 2012  den offiziellen vierten Teil vorliegen. 2010 kamen die ersten Gerüchte auf, dass es ein Wiedersehen der Charaktere geben wird und mit jedem weiteren Schauspieler, der diesem Projekt zusagte, stiegen die Freude und Erwartungen. Selbst Leute wie Chris Klein, Tara Reid, Shannon Elizabeth und Chris Owen (um mal einige zu nennen), die schon damals kein Interesse mehr am dritten Teil zeigten, konnte man überzeugen, in dieser "Reunion" mitzuspielen. Wirklich "sensationell" dieses Ensemble wieder unter ein Dach zu bekommen, war das aber nicht. Irgendwie scheint der "Police Academy"-Fluch auf den Schauspielern zu liegen - denn keiner von ihnen war danach wirklich erfolgreich (bis auf Seann William Scott, dem der weitere Erfolg, wie so manch anderem Star, zu Kopf stieg und schließlich in der Entzugsklinik landete).

Die Story passte man dem Produktionsjahr an: Die fünf Freunde Jim (Jason Biggs), Stifler (Seann William Scott), Oz (Chris Klein), Kevin (Thomas Ian Nicholas) und Finch (Eddie Kay Thomas) treffen sich nach 13 Jahren wieder an ihrer alten High School zum Klassentreffen. Sie haben viel zu reden, jeder hat sich beruflich und privat weiter entwickelt. Nur die Persönlichkeiten des Quintetts sind die gleichen geblieben  und sorgen dementsprechend für Ärger und Chaos in iher alten Heimatstadt.

Der Einstieg ist gelungen, das Ehepaar Jim und Michelle (Alyson Hannigan) darf in bester "American Pie"-Manier für die ersten amüsanten Lacher herhalten, doch danach wird der Film ein Wechselbad der Gefühle. Ein wenig Nostalgie, ein wenig Party, melancholische Momente und auch leider gefühlter Leerlauf und Stillstand bestimmen die Story in den 120 Minuten. Die Gags sind manchmal Volltreffer, gelegentlich  wirken sie peinlich und ab und zu auch zum Fremdschämen. Damit meine ich keinesfalls die Szene, in der Stifler in eine Kühltruhe eine Kackwurst abseilt (sporadischer Fäkalhumor gehört einfach dazu), sondern eher eine alte Weisheit: Man kann mit zwanzig Jahren die Kindheit nicht mehr nachholen. Und mit dreißig Jahren eben auch nicht mehr die Teenagerzeit. Davon scheinen die Drehbuchschreiber allerdings noch nichts gehört zu haben.
So wirkt es beinahe schon abstoßend, wenn sich Stifler permanent  minderjährigen Bräuten anbiedert (hat etwas vom Loddar-Syndrom, bah). Der komplette Handlungsstrang mit Kara (Ali Cobrin) die ihren ersten Sex mit dem verheirateten Jim will, entpuppt sich als Dauernervtöter.
Man hat sich mit der Reunion viel vorgenommen, jedem Charakter wollte man gebührend viel Screentime einräumen, schaffte es aber nicht den Spagat zu treffen, dass man sich über einige wiederkehrende Charaktere freut und andere völlig verheizt werden. Daran ist auch teilweise der innerliche Zwang schuld, man müsse jetzt wieder einen Gag einbauen - ob gelungen oder nicht.

"American Pie - Klassentreffen" ist mit Sicherheit eine gute Komödie. Aber auch nicht mehr als Stangenware. Dieser Film dürfte beim pubertären Publikum gut ankommen. Alle, wie ich, die wie die Hauptdarsteller schon die dreißig Lenze überschritten haben und vor dreizehn Jahren noch richtig "mitfühlen" und mitlachen konnten, dürften den  Film mit gemischten Gefühlen verlassen.

6/10

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