Im Jahr 1883 hält der junge Edgar Rice Borroughs (Daryl Sabara) das Buch seines überraschend verstorbenen Onkels John Carter (Taylor Kitsch) in seinen Händen, dass dieser ihm vermacht hatte. Begierig beginnt er darin dessen abenteuerliche Erlebnisse zu lesen und die eigentliche Handlung beginnt.
Den Autor der Romanvorlage selbst auftreten zu lassen, ihn am Ende sogar aktiv am Geschehen teilhaben zu lassen, ist ein origineller Einfall, der sich darin deutlich von der eigentlichen Handlung abhebt. Dieser Fakt ist allerdings dem durch "Tarzan" bekannt gewordenen Borroughs nicht anzulasten, dessen Saga über "John Carter vom Mars", von ihm 1912 begonnen, stilbildend für viele Science-Fiction und Fantasy-Stories wurde. Entsprechend existieren in dem Film, der auf dem Inhalt des ersten Buches der Reihe "Die Prinzessin vom Mars" basiert, eine Vielzahl bekannter Elemente.
Als der vom Bürgerkrieg demoralisierte, ehemalige Captain der Nordstaaten, John Carter, zuerst von Soldaten der Südstaaten gefangen genommen wird, dann auf der Flucht noch an eine Gruppe Indianer gerät, versteckt er sich in einer Höhle. Zuerst glaubt er sich am Ziel, als er dort Gold entdeckt, doch dann materialisiert sich plötzlich ein Mann, dem er ein Medaillon entreißt und das Wort "Barsoom" nachspricht, bevor er unmittelbar darauf in eine Wüstenlandschaft deportiert wird.
Die Macher um Regisseur Andrew Stanton leisten sich zwar einige Freiheiten im Bezug zur Romanvorlage, indem sie etwa auf die Atmosphärenfabrik verzichten oder die Bevölkerung des "Barsoom" (auf der Erde bekannt als "Mars") etwas übersichtlicher gestalten, aber die Entwicklung der Story verläuft sonst nach den üblichen Regeln - bekannt aus vielen Science-Fiction-Filmen von "Stargate" bis "Avatar". Kaum hat sich John Carter damit vertraut gemacht, dass er auf Grund der geringeren Schwerkraft sehr weit und hoch springen kann, gerät er in die Gefangenschaft der grünhäutigen Ureinwohner, gut an der gewöhnungsbedürftigen Optik und den archaischen Lebensformen zu erkennen.
Das es auf dem Mars auch eine hoch entwickelte, dem Menschen sehr ähnliche Rasse gibt, hatte schon der Beginn des Films verdeutlicht, allerdings stehen sich schon sehr lange zwei verfeindete Gruppierungen gegenüber - die friedliche Bevölkerung von Helium, vertreten durch Prinzessin Dejah Thoris (Lynn Collins) und ihrem Vater (Ciaran Hinds), und den Kriegern von Zadonga, angeführt von Sab Than (Dominic West). Zusätzlich mischt noch Matai Shang (Mark Strong) mit, quasi der Oberpriester des Planeten, der eigene Ziele verfolgt und dafür Sab Than mit einer überlegenen Waffe ausrüstet. Damit droht er Helium zu vernichten, außer der König gibt ihm Prinzessin Dejah zur Frau.
Wem diese Konstellation vertraut vorkommt, hat recht. Auch John Carter nimmt sowohl optisch, als auch handelnd zunehmend Züge eines "Mars-Tarzan" an, der sich in eine Vielzahl von Schlachten stürzen und Kämpfe in der Arena bestehen muss, dabei sich ganz ohne Lianen durch die Lüfte schwingend - das er dabei mehrfach die Dame seines Herzens retten darf, steht außer Zweifel. Das Geschehen bleibt zudem - ganz im Sinne seiner Entstehungszeit - ernsthaft und im Gestus konservativ, dabei aber pathetisch zurückhaltend - John Carter ist ein Kämpfer, aber kein Krieger.
Wer an einer solchen Story und an der futuristischen Optik inmitten einer Wüstenlandschaft keine Freude hat, wird "John Carter - zwischen den Welten" nur wenig abgewinnen können. Freunde des Genres werden hingegen auf ihre Kosten kommen, auch wenn viele Elemente schon in anderen Filmen vorgekommen sind. Taylor Kitsch ist ein Sympathieträger, das Paar Carter und Dejah wirkt glaubwürdig, es gibt eine Vielzahl sehr guter Nebendarsteller und die Story wird klar strukturiert und straff erzählt - optisch durchaus beeindruckend, wenn auch nicht innovativ. Eben vertraut, wie der gesamte Film - nur auf das konvertierte 3D kann man getrost verzichten (7,5/10).