Taylor Kitsch spielt den Kriegsveteranen John Carter, der sich als Goldgräber versucht. Als er in einen Konflikt zwischen einigen Polizisten und einem Indianerstamm gerät, flüchtet er sich in eine Höhle und findet sich nach einem Kampf mit einem merkwürdigen Fremden auf dem Mars wieder. Dort wird er zum zweiten Mal in seinem Leben in einen Krieg hineingezogen.
Nun hat “John Carter“, dessen Abenteuer von “Tarzan“-Schöpfer Edgar Rice Burroughs verfasst wurden, also nach rund hundert Jahren doch noch seinen Weg auf die Leinwand gefunden und das sogar in 3D. Man ging mit einem hohen Budget ans Werk und überlies Andrew Stanton, der bisher durch die drei Pixar-Animationsfilme “Das große Krabbeln“, “Findet Nemo“ und “Wall-E“ ausgesprochen positiv in Erscheinung treten konnte, die Regie. Leider kann dieser mit dem Realfilm nicht ganz an seine drei vorherigen Werke anknüpfen.
“John Carter“ beeindruckt vor allem durch seine opulenten und abwechslungsreichen Kulissen. Die Marslandschaften bieten einiges fürs Auge und das gilt auch für die Ausstattung und die Animation der Marsbewohner. Überhaupt glänzt “John Carter“ vor allem durch seine berauschende Optik, so können sich auch die hervorragend designten Fahr- und Flugzeuge auf dem Mars sehen lassen, was auch für die Action-Sequenzen gilt. Aber gute Bilder allein reichen nicht aus, um einen mehr als zweistündigen Film packend zu gestalten, auch wenn die 3D-Inszenierung hier und da zusätzlich für gute optische Eindrücke sorgt.
Stanton erzählt die Geschichte derweil zwar durchaus gelungen, lässt nicht allzu viele Längen aufkommen, letztlich mangelt es aber ein wenig an Stringenz. Es gibt zu viele Settings, zu viele Schauplätze, so ist der Fantasy-Trip hier und da nicht so zielstrebig, wie er sein müsste, um wirklich mitreißen zu können. Zudem fällt das Geschehen hier und da ein wenig zu kalkulierbar aus. Zwar sorgen ein paar amüsante Szenen, Nebenfiguren und Sidekicks ab und an für etwas Kurzweil, um “John Carter“ aber über das Mittelmaß hinaus hieven zu können, hätte man sich früher entscheiden müssen, in welche Richtung sich der Film orientieren soll.
Für Sci-fi-Bombastkino gibt es zu wenig Action-Szenen; die, die es zu sehen gibt, sind zwar sehr gut geworden und haben ebenfalls hervorragende Schauwerte, aber es sind zu wenige für den geneigten Zuschauer. Ein wirklich großer Fantasyfilm ist “John Carter“ aber leider auch nicht geworden, dafür sind die Charaktere zu oberflächlich und die Story nicht packend genug, eben weil sie letztlich sehr stark an altbekannten Handlungsbahnen orientiert ist und die Figuren über weite Strecken von einer Station zur nächsten Hetzen, ohne in Verschnaufpausen echte Emotion zuzulassen. So bleibt zumindest ein gutes Finale, das dann mal mit wirklich gelungenen Wendungen glänzt und für den einen oder anderen Fehler, für aufgesetzte Emotionen und ähnliches, ein wenig entschädigt.
Darstellerisch gibt es nichts zu bemängeln, Taylor Kitsch zeigt in der Hauptrolle eine routinierte Leistung und bringt durchaus die Ausstrahlung des Helden mit. Auch im restlichen Cast findet sich letztlich keine Fehlbesetzung, besonders Mark Strong, der mittlerweile zum gefühlten hundertsten Mal den Schurken gibt, überzeugt in eben dieser Rolle.
Fazit:
“John Carter“ überzeugt mit opulenten Bildern, sehenswerten Kulissen und guten Effekten, zudem wird die Geschichte zu keinem Zeitpunkt wirklich langweilig. Aber eben auch nicht richtig spannend, weil die Akteure von einem Ort zum nächsten eilen, wobei keine echte Dramatik aufkommt. Da die Action-Szenen dabei aber auch recht rar gesät sind, bietet “John Carter“ weder packenden Fantasy-Stoff, noch Sci-fi-Bombastkino. Vermutlich ist der Film, der dennoch als solide bezeichnet werden kann, auch deswegen gefloppt, weil er jeden Geschmack ein wenig bedient, aber keinen richtig.
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