2012 hätte das Jahr von Taylor Kitsch werden können, ja sollen. Stattdessen wird Mr Kitsch am Ende wahrscheinlich froh sein, wenn er nicht vollends den Bach runter geht und demnächst nur noch Direct to DVD Filme in Bulgarien oder Moldawien dreht. Während andere aufstrebende Jungschausüieler mit gerade mal ein bis zwei potentiellen Blockbustern aufwarten, in denen sie auch noch möglichst Massenkompatibel in Szene gesetzt werden, kam Taylor Kitsch gleich mit DREI absoluten Blockbusteraspiranten innerhalb von vier Monaten in die US-Kinos. Und jeder einzelne von ihnen floppte auf's Übelste.In dieser Kritik widmen wir uns John Carter.
John Carter ist eine Pulp-Roman-Reihe aus dem Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Hierbei handelt es sich um einen US-Bürgerkriegsveteranen, der durch eine Verkettung von Umständen auf dem Mars landet und dort allerlei Abenteuer erlebt. Im Laufe der Jahrzehnte gab es zwar immer wieder Bestrebungen John Carter auf die große Leinwand zu bringen, doch eine Verfilmung hätte zu jeder Zeit jegliches Budget gesprengt.
So kam es wie es leider kommen musste. Andere Verfilmungen bedienten sich im Laufe der Zeit immer wieder der reichlichen John Carter Mythologie und wurden selbst zu Popkulturphänomenen, John Carter, die Inspirationsquelle all jener Werke geriet in Vergessenheit. Werke wie Flash Gordon (alles seit der Serie aus den 1930ern und 1940ern), Star Wars (insbesondere Star Wars!!!), sogar Avatar bedienen sich freimütig an John Carter - die Idee mit dem „Mein Geist wird in einen anderen Körper übertragen, während ich noch schlafe/ruhe" beispielsweise, wurde 100 Jahre vor Matrix oder Avatar auf's wunderbarste eingefangen.Und spätestens wenn am Ende auch noch ein wunderschöner Verweis auf den alten Sci-Fi-Klassiker Die Zeitmaschine mit Rod Taylor vonstatten geht und der Film auf dem schönstmöglichen Höhepunkt endet, dann ist es um den Zuschauer, der all die alten Filme kennt, geschehen.
Sicherlich, John Carter ist kein Film für die heutige jugendliche Masse, eher für die, die tatsächlich mit Star Wars, Krieg der Eispiraten, Buck Rogers, Kampfstern Galactica (die alte Serie), Flash Gordon usw aufgewachsen sind. Denn der Wiedererkennungswert, die schöne klassische Inszenierung, gemischt mit der neuen Inszenierung eines Andrew Stanton (seines Zeichens einer der renommiertesten Pixar-Regisseure) beschert einem schon wohlige Schauer.Was ist also der Grund für John Carters Misserfolg, hat Taylor Kitsch irgend etwas damit zu tun?
Taylor Kitsch wirkt schon wie ein Normalo, was ihn im Zusammenhang mit seiner Abentuer also nur noch sympathischer macht, an ihm liegt es damit also nicht.
Und nun noch zu Taylor Kitsch: Ähnlich wie in den beiden anderen Filmen des Sommers 2012, die auch floppten, liefert er hier eine absolut leinwandfüllende Präsenz aus und es wäre wirklich schade, wenn er demnächst keine großen Rollen mehr bekäme, verständlich sicherlich, aber schade allemal. Denn er hat von den ganzen neuen Akteuren, mit das meiste Charisma, steckt solche Schlaftabletten wie Taylor Lautner, Robert Pattinson oder wie sonst sie auch immer heißen mögen, locker in die Tasche. Erinnert von seinem Charisma her ein bisschen an den jungen Jeff Bridges, der seinerzeits auch mit Tron und Starman einen Riesenflop nach dem anderen landete.
Würde ich mir einen weiteren John Carter wünschen? Nur wenn er wieder mit den gleichen Akteuren wäre und auch wieder von Andrew Stanton, denn die Macher wissen ganz genau, was sie machen. Wird es das geben? Wahrscheinlich nicht. Ist das schlimm?Wenn man ihm als Abenteuerfilm 7 Punkte attestieren würde, wäre das wahrscheinlich objektiv gesehen richtig. Denn selbst Star Wars würde ich nicht mehr geben. Aber subjektiv gesehen, gerade weil er an die ganz großen Filme des Genres erinnert, auch an die teilweise epischen Meisterwerke, würde er daher vielleicht sogar 9 Punkte einheimsen. Daher gehe ich mal den Mittelweg und verleihe ihm 8 Punkte.