Review
von Con Trai
Grenzgänger zwischen Hobby und Beruf und Berufung, sowie zwischen Langeweile und Aufregung nur auf den zweiten Blick; so stellt sich die hier und nun unter Aufmerksamkeit gezogene Spezies von Land- und Kleinstadtleuten mit ganz besonderer Gesinnung dar. Vogelkundler mit neugierigen Blick, deren strammer Zeitplan keinerlei Müßiggang, sondern vielmehr Entbehren in späten Nacht- und ganz frühen Morgenstunden und dann noch die Konkurrenz unter den Artgenossen erlaubt. Ein Faszinosum, welches für den Außenstehenden eher seltsam bis skurril bis närrisch erscheint, was nicht bloß für die Menschen hier, sondern auch die sich darum drehende Episode "A Rare Bird" als im Grunde auch die zugrundeliegende Spielfilmreihe der Midsomer Murders gilt:
Die proklamierte Entdeckung eines blaugefiederten Wiedehopfes aus dem fernen Uganda im britischen Midsomer durch den Vogelkundler Ralph Ford [ James Dreyfus ] bringt mehr Fluch als Segen in die lokale Vereinigung der "Midsomer-in-the-Marsh Ornithological Society". Vor allem der schwerreiche Präsident Patrick Morgan [ Alex Hanson ] und die heimlich in ihn verliebte Sprechstundenhilfe Olivia Carter [ Amanda Lawrence ] glauben nicht an diese Sichtung; zudem wird wenig später nach einem heftigen Streit Patrick auf brutale Weise am Fluss umgebracht. Ein Schock für dessen schwangere Witwe Nina [ Genevieve O'Reilly ], und Anlass für weitere Ermittlungen von Detective Chief Inspector John Barnaby [ Neil Dudgeon ] samt Detective Sergeant Ben Jones [ Jason Hughes ], die sich schnell auf Ninas zu vertraut wirkenden Arzt Dr Markham [ Nicholas Boulton ] oder auch den feschen Tunichtgut Dave Foxely [ Paul Nicholls ] konzentrieren.
Sowieso und überhaupt scheint es in der fiktiven Grafschaft, basierend einst und längst daher auf den Romanen von Caroline Graham um Inspector Barnaby, immer und ewig um eine kleine Gemeinschaft eigentlich übereinstimmender Interessen, oder gleich dem direkt konträren Gegensatz dazu zu gegen. Hier die Ornithologen unterschiedlicher Ausprägung und Motiven, aber denselben gefiederten Gevatter in Fernrohr, Teleskop oder auch nur akustisch in Fang; manchmal auch gar nicht in Ton und Bild – wobei gerade das Blow Out Motiv in dem komplett mit Mikrophonen verhangen Wald ebenso deutlich zum Tragen kommt wie auch die Handlung von Tschaikowskis Ballett "Schwanensee" direkt zitiert wird –, sondern nur von Hörensagen und Vermutungen geprägt. Dort schon der Rest der Gesellschaft, nicht die Bewahrer, sondern irgendwie Veränderer oder gar Zerstörer dieses ganz persönlichen Glücks, der Natur darin und darumherum oder sonst wie bösen Geschicks. Auch die Gründe für anhaltenden Mord und Totschlag bleiben in der nunmehr 14ten Staffel, die mit diesem Abschluss auch zu Ende, aber natürlich in der nächsten Saison erfolgreich ihren Gang weiter geht, auf immer und ewig dieselben.
Da wären Neid und Missgunst, verbunden mit dem lockenden Geld, aber nicht zwingend weiterem materiellen Gewinn. Da wären die Reize der Frauen, nicht umsonst erinnert die Begebenheit hier zuweilen an die Geschichte um Lady Chatterley's Lover und wäre dafür sogar perfekt besetzt. Auch der Konkurrenzkampf ist groß, wenn auch für Unverständige recht absurd und nicht weiteren Aufhebens wert; zumindest sind weitaus genug Verdächtige, sich verdächtig machende, kein Alibi vorweisen Könnende, eigentlich eine ganze Provinz an schuldig aussehenden Personen mit- und gegeneinander im Konflikt.
Mal gelingt dies Detektivspiel besser, wie gerade geschehen, mal schlechter, mal ist Barnaby ein Arsch vor dem Herren, besonders zu seinem Assistenten, der mal clever und dann wieder nicht und nur der Stichwortgeber ist. Hier wird eher im Team gespielt, sich die Bälle mehr als sonst zugeworfen statt sonst nur in eine Richtung, von oben dem studierten Vorgesetzten aus ehemals Brighton herab zum Untergegeben vom Lande gespielt. Selbst der Witz funktioniert, ob nun scheinbar unfreiwillig, scheinbar albern, mal gesetzt in Wortduellen
oder doch beim Beobachten von Jones' Verlaufen in einem labyrinthischen Bücherladen.
Die Kunst der Serie, die ihren Höhepunkt sicherlich schon hatte, aber auch bereits über ein Jahrzehnt und über Achtzig derlei Variationen läuft, besteht weiterhin im genußvoll überblickenden Handwerk all dieser kriminalistischen Möglichkeiten. Selbst der Wechsel der titelgebenden Hauptrolle des Inspector Barnaby, der darauf auch kurz veränderte Ton zu etwas Spöttigkeit bis Sarkasmus, die ungewohnt grimmige, aber volle Zustimmung erreichende Folge "Echoes of the Dead" modifizierte die Gründzüge des langlebigen Dauerbrenners in seiner kleinen Provinzialität allenfalls wenig bis unmerklich oder gleich gar nicht. Selbst die Szenerie, nunmehr auch schon 15 Jahre ab- und immer wieder neugefilmt, erhascht weiterhin den träumerischen Rundblick, der Ort voll grün und frisch blühender Natur, speziell pittoresker Wald- und (Wald)Seenlandschaften, die mit Gesten voll satter Farb- und Sehkraft gar den spürbaren aufgewärmten Barnaby zur Gemütlichkeit und Wanderlust überfällt.