Wes Anderson hat sich wieder als Filmkünstler ausgelebt und einmal mehr etwas Einzigartiges erschaffen. Filme, so wie sie Wes Anderson dreht, kann niemand sonst drehen. Seine Liebe zum Detail ist geradezu euphorisch und seine traumhaften Kamerafahrten und Blickwinkel sind ein Genuss. Auch hier darf man keinesfalls zu lange wegschauen; man könnte ja etwas Lustiges oder Sinnbildendes verpassen.
Neben vielen skurrilen Charakteren, die allesamt von absoluten Topdarstellern wie Bill Murray, Bruce Willis, Tilda Swinton, Jason Schwartzman, Frances McDormand und Edward Norton verkörpert werden, bietet er diesmal vor allem zwei unglaublich starke Kinderdarsteller auf. Für mich sind Kara Hayward und Jared Gilman die größten Entdeckungen seit Chloe Grace Moretz. Hayward ist ein hochinteressantes Mädchen, welches optisch an eine junge Lana Del Rey erinnert, und Gilman amüsiert mit seinem Mundwinkelzucken und dem meist emotionslosen Blick von Anfang bis Ende. Beide harmonieren prächtig und spielen die verliebten Suzy und Sam überragend. Als überraschendes I-Tüpfelchen erlebt man später zudem einen weiteren Hollywoodstar in einer bislang unerwähnten Nebenrolle.
Der für mich beste Regisseur unter der Sonne hat sich sogar etwas weiterentwickelt und bettet die für ihn typischen wunderbar kuriosen Szenarios diesmal in eine sehr dominante Liebesgeschichte in den 60er Jahren ein. Das macht er so gut, dass er in meinen Augen sogar einen Klassiker wie "My Girl" toppt. Das Thema kindlicher Pläne wie von Zuhause weglaufen, Abenteuer erleben, die große Liebe finden und den Eltern einen Spiegel vorhalten ist wirklich treffend umgesetzt und bietet neben jeder Menge Lacher auch ein paar ernsthafte und desperate Momente. Trotzdem ist der Film mehr fantasievolle Komödie als pädagogische Dramödie, was der fantasievollen Erzählweise ingesamt gut tut. So habe ich es zum Beispiel noch nie gesehen, dass der Erzähler als kurzzeitig sogar auf die Handlung einwirkender Charakter in der Geschichte selbst mitspielt. Es sind diese kleinen, aber unglaublich feinen Momente, die mir diesen Regisseur fernab seiner überragenden Filmkunst derart sympathisch machen.