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"Das ist eine gewaltfreie Rettungsaktion!"

Bei einer Gruppe aus Pfadfindern vermisst Scout Master Ward (Edward Norton) eines Morgens den 12-jährigen Sam Shakausky (Jared Gilman). Dieser ist aus dem Lager geflohen um sich mit seiner gleichaltrigen Brieffreundin Suzy Bishop (Kara Hayward) zu treffen, die er ein Jahr zuvor bei einer Theateraufführung kennenlernte. Gemeinsam wollen sich beide, die sich von ihrer Familie und Freunden nicht verstanden fühlen, in einer Bucht mit einem Zelt niederlassen. Das junge verliebte Pärchen wird allerdings von Sam's Mitpfadfindern und dem Polizisten Captain Sharp (Bruce Willis) verfolgt.

"Moonrise Kingdom" einer Kategorie zuzuordnen ist wohl nicht einfach. Oberflächlich handelt es sich um eine Tragikkomödie. Aber der Film ist so eigen, so anders, so speziell, das machen die ersten Minuten schnell klar.
Mit seinen Kamerafahrten ist der Film etwas ganz Besonderes. Die Schwenks nach oben und unten, links und rechts und kreuz und quer über alle Etagen und Zimmer eines Wohnhauses im Puppenhaus-Stil sind ebenso beeindruckend wie einzigartig. Diese dynamische Kameraführung findet sich auch weit später nach der Titelsequenz wieder.

"Moonrise Kingdom" ist in gewisser Weise Kunst. Die Inneneinrichtungen, Farben, Requisiten und ganzen Kulissen betten sich nie in die naturbelassenen Landschaftsbilder ein. Sie wirken zu grell, zu neu, zu künstlich. Damit definiert der Film seinen ganz eigenen Stil und eine außergewöhnliche Optik.

Aber nicht nur dadurch wirkt die Tragikkomödie etwas sperrig, auch die skurrilen Figuren tragen dazu bei. Wie aus einer alternativen Wirklichkeit wirken die Erwachsenen und Kinder, die einem Rollentausch unterliegen. Bedeutet, dass die Kinder hier erheblich erwachsener und schlauer agieren, als die Erwachsenen.
Die Charaktere sind in ihrer verschrobenen Art amüsant, doch die gefühlte Distanz ist zu groß, dass man sich annähernd ernsthaft für sie zu interessieren vermag. Dies ist insofern fatal, dass nie ein richtiges Spannungsgefühl aufkommen will. Der Kampf gegen autoritäre Bestimmungen, räumliche Grenzen und pubertäre Unsicherheiten gibt ebensowenig an Substanz her.

Der Humor zündet nur ab und an. Viel situative Komik wird zwar angewandt, fühlt sich allerdings sehr kindlich und überraschungsarm an oder ist comichaft überzogen.

Der namhafte Cast, bestehend aus Bruce Willis ("Sin City"-Reihe, "Stirb langsam"-Reihe), Bill Murray ("Ghostbusters"-Reihe, "Und täglich grüßt das Murmeltier"), Edward Norton ("Der unglaubliche Hulk"), Tilda Swinton ("Die Chroniken von Narnia"-Reihe) sowie Harvey Keitel ("From Dusk Till Dawn"), agiert souverän, allerdings ohne Akzente zu setzen. Bestechender sind da schon die Kinderdarsteller

Zuviel künstlerische Spielerei, zu wenig echtes Gefühl. So kann man "Moonrise Kingdom" knapp zusammenfassen. Die 60er-Jahre-Postkartenatmosphäre ist zwar wunderschön anzusehen und manche absurde Idee lädt definitiv zum schmunzeln ein. Der Parabel mangelt es aber eindeutig an einer Spannungskurve und einer Aussage.

5 / 10

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