Review

Kontemporärer Trash – THE ASYLUM (17)

2-HEADED SHARK ATTACK

(2-HEADED SHARK ATTACK)

Christopher Ray, USA 2012

In der zweiten Dekade des neuen Jahrtausends widmete sich die allseits eher weniger beliebte kalifornische Schundbude „The Asylum“ sehr intensiv der Sharxploitation – neben ihren berühmt-berüchtigten Mega Shark-Streifen (Mega Shark vs. Giant Octopus, bereits 2009; Mega Shark vs. Crocosaurus, 2010; Mega Shark vs. Mecha Shark, 2014; Mega Shark vs. Colossus, 2015) und einigen losen Produktionen wie Planet of the Sharks oder Ice Sharks (beide 2016) sicherten sich David Michael Latt und seine Leute vor allem mit der sechsteiligen Sharknado-Reihe (2013 bis 2018) weltweit die Aufmerksamkeit der Filmfreunde. Etwas weniger populär ist derweil eine weitere Knorpelfisch-Reihe, die sich mehrköpfigen Haien widmet und mit dem vorliegenden 2-Headed Shark Attack bereits eineinhalb Jahre vor dem Ur-Sharknado relativ harmlos (sprich mit ganzen zwei Köpfen) ihren Anfang nahm ...

Um die Handlung des Steifens wiederzugeben, muss man keine weitschweifige Prosa verfassen (SPOILER bis zum Absatz): Die leicht bekleideten Mitglieder einer Gruppe studierender Nichtsnutze planschen irgendwo im Gebiet der Florida Keys im Wasser (in das sie selbst im Wissen um die drohende Gefahr immer wieder auf die dümmstmögliche Art hineingelangen) oder hampeln auf einem erdbebengefährdeten Atoll herum und werden der Reihe nach vom hungrigen, in der Tat zweiköpfigen und leicht hyperaktiv wirkenden Titelhelden verspeist. Das war’s, und eigentlich ist das auch gar kein Spoiler.

Zunächst mutet 2-Headed Shark Attack allerdings eher wie eine Leistungsschau der Silikon- und Steroid-Industrie an, denn was man dem Zuschauer hier an dickmöpsigen und muskelbepackten Dumpfbacken (und natürlich auch Dumpfbäckinnen, aber ich verwende das generische Maskulinum) als „Studenten“ verkaufen will, spottet jeder Beschreibung (ganz zu schweigen von ihrem „Professor“ ...). Von den meisten wird man allerdings mithilfe steinzeitlicher Tricktechnik recht schnell und auch ziemlich blutig erlöst. Dabei ist „steinzeitlich“ möglicherweise der falsche Begriff – damals könnten die Menschen noch so etwas wie Würde gehabt haben, was man von den Produzenten dieser Zweikopfhaigurke und ihren VFX-„Spezialisten“ nicht behaupten kann. Im Hause Asylum hat man aus der Not längst eine Tugend gemacht und trägt technische Mängel erhobenen Hauptes als eine Art Markenzeichen vor sich her, weshalb der Zuschauer auch hier eine ganze Reihe von CGI-Effekten angeboten bekommt, für die man sich schon in der Pionierzeit der Rechentechnik hätte schämen müssen. Bisweilen wird dabei sogar das firmeneigene Durchschnittsniveau um Längen unterschritten. Verblüffenderweise sieht der Hai in manchen Aufnahmen ziemlich gut aus (man darf ein paar Scheinchen auf Stock Footage wetten), aber ansonsten ist auch er nur grottig, und wenn Wasserspritzer und Wellen hinzukommen, wird es endgültig unterirdisch. Oft wurde auch die Transparenz nicht heruntergeregelt, sodass man alle Bildebenen gleichzeitig sieht. Grandios ist zudem das kleine „Atoll“, auf das sich die „Studenten“ und ihr „Professor“ im Laufe des Geschehens flüchten: Zu Beginn weist es nur flachen Bewuchs auf, aber in späteren Aufnahmen wird es von vier riesigen Palmen geziert, die bei einem erbärmlich in Szene gesetzten „Erdbeben“ auch noch herrlich unbeholfen wackeln. Beschämend ist zu guter Letzt auch noch eine kunterbunte und wiederum halb transparente Explosion, die das jeder Logik und Vernunft Hohn sprechende Finale dieses Films abrundet.

Bei den „Darstellern“ handelt es sich um eine Bande von jungen Leuten, die weitestgehend mit dem Präsentieren von Möpsen und Muskeln ausgelastet sind und sich schon an Dialogen wie „Wir müssen etwas machen!“ – „Genau, wir müssen was machen!“ – „Aber was machen wir denn jetzt?“ die Zähne ausbeißen. Selbst in ihren Reihen gibt es aber noch einen echten Tiefpunkt: Etwas Schlimmeres als Froschgesicht Carmen Electra, die mit wirklich allem maßlos überfordert ist, was über das Räkeln in der Sonne hinausgeht, kann einem kaum noch widerfahren. Man mag es kaum glauben, aber unter den hier herumturnenden Dilettanten macht Hulk Hogans Tochter Brooke noch den eindeutig besten Eindruck – sie wirkt erfrischend mies gelaunt und versucht gar nicht erst, sich an den unbeholfenen bis hysterischen Schauspielversuchen der anderen zu beteiligen. Der Score respektive Soundtrack bringt schließlich das Kunststück fertig, einem schon nach knapp zehn Sekunden mit übelster Partymusik die ersten Nerven zu rauben. Aber auch die später zu ihrem Recht kommenden Eigenbeiträge des Asylum-Stammkomponisten Chris Ridenhour sind nicht gerade hirnschonend.

Auf „The Asylum“ ist also Verlass: 2-Headed Shark Attack liefert genau das, was mit Blick aufs Sujet zu erwarten war – eine bekloppte und gänzlich logikfreie „Story“, strunzdummes, von unfähigen Darstellern gespieltes Personal (gute Nacht, Amerika, wenn das deine Akademiker in spe sein sollten), prall gefüllte Bikinis und Trickeffekte an der Grenze zur offenen Provokation. Für ausgewiesene Trash-Freunde ist das okay, aber um wirklich Aufsehen erregen zu können, hätte es hier schon einer Spur gepflegten Wahnsinns bedurft. Vielleicht hat man das auch im Hause Asylum so gesehen, denn schon bald sollte der erste „Sharknado“ über Leinwände und Bildschirme toben, und überdies war’s bis zur Erkenntnis nicht mehr weit, dass ein Hai auch drei oder noch mehr Köpfe haben könnte ...

(11/19)

Objektiv 3 von 10 Punkten.





Details
Ähnliche Filme