Neben den „Bloodsport“-Filmen gehört die „No Retreat, No Surrender“-Reihe zu den populärsten Martial Arts Filmen, ein Subgenre das durch zahlreiche Eastern in den 80’ern auch den Weg über den großen Teich schaffte. Ein Manko dieser zumeist als billige Massenware für den Videothekenmarkt konzipierten Streifen ist die miese Ausstattung gepaart mit untalentierten Darstellern in den Hauptrollen die oft nicht einmal in den Actionszenen überzeugen konnten, siehe etwa die kläglichen Versuche von Michael Dudikoff als „American Fighter“ durchzugehen. Doch auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel, wie etwa einige brauchbare Filme mit Jean-Claude van Damme oder Steven Seagal beweisen.
Leider konnte im zweiten Teil der „No Retreat, No Surrender“-Reihe nicht auf einen zugkräftigen und charismatischen Fighter wie Van Damme zurückgegriffen werden, da dieser zur selben Zeit seinen ersten großen Hit „Bloodsport“ drehte und erst für den dritten Teil wieder zur Verfügung stand. Somit mussten sich die Produzenten mit dem völlig unbekannten Hauptdarsteller Loren Avedon zufrieden geben. Ihm zur Seite steht mit Cynthia Rothrock immerhin eine namenhafte Darstellerin, im Übrigen die einzige westliche Frau die sich im Martial Arts Film behaupten konnte und auch in Hongkong bei einigen sehr bekannten Produktionen wie „Above the Law“ mitwirkte. Die einzige Konstante zum Vorgänger neben dem Titel ist der Regisseur und Choreograph Corey Yuen Kwai, ohne Frage einer der besten Choreographen was Kampfsport angeht und maßgeblich beteiligt am durchschlagenden Erfolg des Hongkong-Actionkinos.
Trotz amerikanischer Beteiligung an der Produktion spielt der Film ausschließlich in Asien, zuerst in Thailand später in Kambodscha. Die Sets sind für eine B-Movie Produktion wie diese durchaus abwechslungsreich, wobei sich das Geschehen nach dem Auftakt in Bangkok später in die Wälder verlagert. Bei der inhaltlichen Gestaltung zeigten sich die Macher hingegen weniger kreativ, obwohl man zumindest zu Gute halten muss, das man versucht hat etwas vom üblichen Tournament-Wettstreit weg zukommen. Stattdessen reitet „No Retreat, No Surrender 2“ aber auf einer anderen seinerzeit populären Filmwelle mit, der des Vietnamkriegfilms.
Der junge Amerikaner Scott Wydle (Loren Avedon) kommt nach Thailand um seine Verlobte Su Lin nach dem Studium wiederzusehen. Nach einem gemeinsamen Dinner und einer kleinen Einführung in asiatische Speisen, wird er von dubiösen Schlägern aufgesucht die ihm nach dem Leben trachten. Mit Müh und Not kann er sich behaupten, seine Freundin wird allerdings gekidnappt. Über seinen alten Kumpel Max (Max Thyler) erfährt er von den Geschäften die Su Lins Vater betreibt, denn der ist das eigentliche Ziel der Entführer. Su Lin wird derweil in die Berge Kambodschas verschleppt, wo sich ein streng bewachtes Lager der Sowjets befindet. Scott und Mac begeben sich mit Unterstützung von Terry (Cynthia Rothrock) auf eine riskante Rettungsmission…
Man nehme etwas „Rambo“ und „Missing in Action“ hier, werfe zum Vietkong auch noch ein paar gemeine Russen in den Topf, würze das Ganze mit etwas Kung Fu und fertig ist der Actionklopper. Das es nicht ganz so einfach geht wie das Rezept vermuten lässt, dürfte klar sein und das ist auch das Hauptproblem des Films. Die oben genannten Genrevertreter sind allesamt deutlich besser, wenn auch nicht unbedingt origineller. Somit mutet „No Retreat, No Surrender 2“ vielleicht nicht wie ein weiter Kumitee-Beitrag an, ein weiterer Film der sich mit stereotypen Sowjets und Vietkongs befasst wäre aber auch nicht nötig gewesen. Natürlich wird auch in diesem Fall kein Klischee ausgelassen, wehende Sowjetfahne und Leninbild inklusive, wobei man sich am Ende fragt, was die Russen eigentlich überhaupt für eine Funktion haben außer als Kanonenfutter herzuhalten. Immerhin hat man mit Matthias Hues einen stämmigen Kerl in der Rolle des sowjetischen Oberfieslings, der trotz der üblichen Schwarzweiß-Malerei und arg limitierten Talent als Schauspieler zumindest für einen knackigen Schlußspurt taugt.
Sorgte im ersten Teil der Reihe noch ein billiges Bruce Lee Double für Erheiterung, so ist es hier die teilweise etwas hanebüchene Inszenierung der martialischen Stellungskriege im kambodschanischen Busch. Bei der Befreiungsmission werden z.B. Sprengsätze und automatische MG’s versteckt, die dann nacheinander die gesammten Feindverbände ausschalten. Da laufen beispielsweise dutzende Vietkongs in ein provisorisch installiertes Maschinengewehr, ohne auch nur einmal den Verstand zu benutzen um das Mündungsfeuer zu umgehen – soviel Dummheit auf einen Haufen tut wirklich weh. Wenn sich dann der Jungspund Avedon als Ramboverschnitt mit Stirnband und Granatengurt versucht, gibt es auch für Hartgesottene kein Halten mehr. Immerhin sieht die Ballerorgie dank zahlreicher Explosionen zeitweise ganz ordentlich aus, so das zumindest der Showdown nach einem eher lahmen Mittelteil eingefleischte Actionfans milde stimmen dürfte.
Weil man nach „No Retreat, No Surrender“ auch ein gewisses Maß an Martial Arts erwartet, stellt sich natürlich die Frage ob Teil 2 in diesem Punkt zu Gefallen weiß. Im Vergleich zum ersten Teil zieht die Fortsetzung klar den Kürzeren, was in Anbetracht des namhaften Choreographen und Regisseurs Corey Yuen schon etwas ärgerlich ist. Im Vergleich mit anderen Arbeiten Yuens gehört diese hier sicher zu den Schwächsten. Bis auf den Showdown sind eigentlich alle Kampfszenen kaum der Rede der Wert und auf dem Niveau eines x-beliebigen US-Karateschinkens wie sie seinerzeit am Fließband entstanden. Loren Avedon begrenztes Schauspieltalent und kämpferisches Können wir dabei nur allzu deutlich, da man ihm die Rolle des harten Einzelkämpfers einfach nicht abnimmt. Wenn er jemals aktiv Kampfsport betrieben hat, weiß er dies gut vor der Kamera zu verbergen. Der finale Kampf mit Matthias Hues ist die einzige nennenswerte Martial Arts Szene, leider insgesamt zu wenig wenn man die spektakuläre Action mit Van Damme im Vorgänger als Maßstab nimmt. Teil 2 setzt bewusst mehr auf Waffengewalt und Explosionen, weshalb man die Erwartungshaltung in Bezug auf körperbetonte Action etwas herunterschrauben sollte.
Auch wenn mit Cynthia Rothrock (Above the Law, In the Line of Duty 2) eine schlagräftige Frau für den Part des Co-Stars besetzt wurde, versteht es keiner dieses Potential richtig zu nutzen. Dass die professionelle Kampfsportlerin auch vor der Kamera fighten kann, hat sie in einigen sehr gelungenen Hongkong Actionern bewiesen. Hier wird ihr Talent aber wieder einmal verschwendet, bis auf eine kurze Fightsequenz gegen Ende darf sie nur das Dumme Blondchen an der Seite von Loren Avedon und Max Thyler mimen, das am Ende auch noch unnötig drauf geht.
Cynthias Stern war zu dieser Zeit leider schon wieder am Sinken, schade dass sie fortan nur noch in miesen Actiongurken zu sehen war.
Fazit:
„No Retreat, No Surrender 2“ kann dem Vorgänger nicht das Wasser reichen, dafür sind Handlung und Charaktere zu austauschbar. Es fehlt ein starker Charakter wie Jean-Claude van Damme, das wird schnell klar - der Ersatzrusse Matthias Hues ist da nur ein schlechter Ersatz. Was fehlt ist auch der besondere Charme gepaart mit etwas Trash, denn gerade in diesem Punkt konnte sich Teil 1 vom üblichen Gekloppe abheben. Insgesamt also bestenfalls nur Durchschnitt. Mit dem dritten Film der Reihe „Kickboxer“ gings dann glücklicherweise wieder etwas aufwärts.