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Ich hätte es eigentlich besser wissen müssen. Ein Film, der damit hausieren geht, daß er den höchsten Bodycount ever in einem Slasherfilm beinhaltet (was ihm angeblich sogar einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde bescherte), kann einfach nichts taugen. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, und so rechnete ich optimistisch veranlagter Einfaltspinsel mit kurzweilig-blutiger, anspruchslos-rasanter Unterhaltung für zwischendurch. Wenn in den 97 Minuten dieser "Joe Castro Experience" sage und schreibe 155 Pappnasen abnibbeln, dann sollte das doch ganz spaßig sein, und kein ärgerlicher Totalausfall. Dachte ich.

Nun, ich dachte falsch, was den verbliebenen Rest Hoffnung veranlaßte, spontan Selbstmord zu begehen. Erst mal möchte ich Zweifel über den beworbenen Bodycount anmelden; es mag schon sein, daß sich insgesamt 155 Menschen von der Bühne dieser Low-Budget-Produktion verabschieden, jedoch ist das oft nur zu erahnen. Ist es wirklich legitim, schlecht animierte, im Hintergrund herumzappelnde, aufgespießte Typen in den offiziellen Bodycount zu inkludieren? Und welcher bösartige Teufel hat den Texaner Joe Castro geritten, als er auf die glorreiche Idee kam, CGI als exzessives Stilmittel beim Großteil der On-Screen-Morde einzusetzen? Fragen über Fragen, auf die wir keine Antwort haben. Das Ergebnis ist jedenfalls, freundlich formuliert, gewöhnungsbedürftig. Abgesehen davon, daß die meisten Blutszenen mit Realismus nichts am Hut haben, sind sie zum Teil so dermaßen artifiziell gestaltet, daß man sich als Zuschauer veräppelt fühlt. In den besseren Momenten sieht das so aus, als wäre ein billiger Gore-Effekt mit einer recht nett gemalten Graphic Novel zu einer garstigen Einheit verschmolzen. Und die weniger gelungenen Sequenzen erinnern frappant an hingerotzte Horror Games aus den Neunzigern. Un-faß-bar, ich traute kaum meinen Augen!

Nun aber zum Film an sich. The Summer of Massacre ist eine Anthologie und besteht aus vier eigenständigen Geschichten. In Rampage läuft ein halbtotes Verbrechensopfer Amok, während sich in Lump ein häßlicher Hermaphrodit (gespielt von Nick "Chromeskull" Principe) an seinen Peinigern rächt. Der Son of the Boogyman feiert ein unerwünschtes Wiedersehen mit seinem Daddy, und in Burn müssen einige Teenies feststellen, daß an einer lokalen Legende mehr dran ist als sie dachten. Die Handlung der einzelnen Episoden ist bestenfalls rudimentär vorhanden und dient lediglich als blutroter Faden, mit dem die vielen Morde mehr schlecht als recht verknüpft sind. Zugegeben, die diversen Killer gehen recht kreativ und abwechslungsreich zu Werke, aber das ändert nichts an der Tatsache, daß hier ohne Sinn und Verstand gemetzelt wird. Was zählt, ist einzig und allein Quantität. Guts & Gore, Splatter & More. Spannung? Atmosphäre? Charme? Trash-Feeling? Unterhaltungswert? Fünf mal klare Fehlanzeige. Darüber hinaus ist das alles so verkrampft und verbissen humorlos, daß es regelrecht abtörnt; ich konnte jedenfalls weder einen Funken beabsichtigen Humor noch irgendwelche ironischen Brechungen entdecken. Daß nicht nur die tränenden Augen des Zusehers, sondern auch dessen unschuldige Ohren bombardiert werden, ist eine kleine aber fiese Draufgabe von Foltermeister Castro; der nervtötende, beinahe Nonstop dahindudelnde "Soundtrack" sorgt für Schmerzen ganz anderer Art.

Wer an wüstem, cartooneskem Computer-Gesplattere Gefallen findet, kann ja mal einen Blick auf The Summer of Massacre riskieren. Denn abgesehen davon bietet dieses reichlich öde Machwerk nur noch eines: ein Wiedersehen mit der ehemaligen Scream Queen Brinke Stevens (The Slumber Party Massacre). The Summer of Massacre ist das wohl langweiligste Gemetzel seit Andreas Schnaas' Violent Shit. A Joe Castro Experience? Vielleicht. Definitiv jedoch eine Erfahrung, auf die ich gut und gerne verzichten hätte können. Schade um die schöne Zeit.

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