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Nach seinem US-Debüt "Midnight Meat Train" sind die Erwartungen entsprechend hoch, dass Regisseur Ryûhei Kitamura dieses Niveau mindestens halten kann, doch mit einem Slasher kann man eben nicht das Rad neu erfinden. Allerdings ist es von Vorteil, wenn jenes Rad auf optischer Ebene ein wenig hervorsticht.

Driver (Luke Evans) befindet sich mit seiner Freundin scheinbar auf dem Weg zu neuen Ufern, als sie irgendwo in der Walachei auf eine ortsansässige Bande stoßen, welche das Paar kurzerhand entführt. Dabei entdeckt einer in einem Verschlag des Anhängers die entführte Millionärstochter Emma, während Driver sich binnen kurzer Zeit befreien kann. Offenbar hat sich die Bande mit dem Falschen angelegt...

Auf den einfallslosen Einstieg mit einer vor Panik durch den Wald rennenden Frau hätte Kitamura besser verzichtet, denn sehr viele Erzählungen unterstreichen damit ihre Einfallslosigkeit. Nach der Einführung des Paares, welches während der wenigen Dialoge bereits ein paar ungewöhnliche Eigenheiten erhält, geht es zu den Kriminellen, von denen sich leider niemand in irgendeiner Form abheben kann. So wird der Weg für den namenlosen Antihelden zwar leichter geebnet, doch ein, zwei Sympathieträger wären gewiss nicht verkehrt gewesen.

Als Driver am Unterschlupf der Ganoven seine geheime Ausrüstung anwendet, wähnt man sich schon fast in einer Parodie, denn der coole Unhold ist seinen Gegnern stets einige Schritte voraus und scheint problemlos jeder noch so prekären Situation gewachsen.
Natürlich schlägt er auch einige Male blutig und zuweilen kreativ zu, wodurch sich die FSK genötigt sah, mal eben rund 90 Sekunden zu entfernen. Uncut gibt es zwei Kehlenschnitte, eine Handschelle im Unterkiefer, einen Kopf im Häcksler, ein zerfetztes Gesicht und einen Schuss der ins Auge geht. Die meisten Effekte sind handgemacht und sehen entsprechend überzeugend aus.

Was der Erzählung allerdings ein wenig fehlt, ist die psychologische Tiefe zwischen Driver und der entführten Emma, was sich lediglich in zwei kleinen Flashbacks andeutet. So erscheint Emmas Verhalten im Kreis der Ganoven zuweilen ein wenig befremdlich, obgleich sie offenbar nicht am Stockholm-Syndrom leidet. Auch Hintergründe und Motive des Killers fehlen gänzlich, doch anderweitig fördert dies die Unnahbarkeit seiner Figur.

Das Grundmotiv "Böse gegen noch böser" ist zwar kein unbeschriebenes Blatt, doch mit einigen Überspitzungen und manch unwahrscheinlicher Begebenheit begibt sich Kitamura beinahe an die Schwelle zur Parodie. Luke Evans verkörpert einen charismatischen Killer mit einigen coolen Momenten, während sein Opferklientel ein wenig klischeebeladen daherkommt und im Endeffekt ziemlich austauschbar bleibt.
Dennoch vermag der Streifen aufgrund seiner stimmigen Inszenierung, einschließlich einiger pfiffiger Kameraperspektiven zu überzeugen, die teils blutigen und halbwegs kreativen Morde bewirken ihr Übriges. Genrefans können also bedenkenlos zuschlagen, sollten der Vollständigkeit halber jedoch auf die in Österreich erschienene Fassung zurückgreifen.
7 von 10

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