Review

Alkoholismus ist neben dem Rauchen das größte Drogenproblem der Masse unserer Zeit. Jeder von uns hat Angehörige, Partner, Freunde oder Bekannte die darunter leiden. Es schädigt nicht nur den Betroffenen selbst in vielfältiger Weise, sondern auch sein Umfeld ist je nach Schwere davon betroffen und die Krankheit zerstört im Laufe der Zeit die meisten sozialen Kontakte bis hin zu dem Leben des Kranken selbst. SMASHED handelt von einem jungen Paar zu deren Lifestyle es gehört sich regelmäßig und gemeinsam zu betrinken. Mary Elizabeth Winstead spielt die kranke Kate sehr intensiv und das ruhige Independent Drama weiß durch seine zurückhaltende, fast dokumentarische Art zu überzeugen.

Kate (Mary Elizabeth Winstead) erkennt als erste, dass man etwas dagegen tun muss, aber da steht ihr zunächst ihr ebenfalls abhängiger Mann Charlie (Aaron Paul) im Weg sowie eine Mutter die es ihr nicht zutraut. Und so folgen wir dem Weg von Kate über die Anonymen Alkoholiker (AA) und ihren Versuchen aus der Abhängigkeit zu entfliehen. SMASHED filmt das ganze recht entspannt und ungezwungen und ohne die Hast jetzt eine bestimmte Story auf den Punkt erzählen zu müssen. Die Filmsprache ist insgesamt sehr behutsam und auf die feinen Zwischentöne ausgelegt und nicht auf den emotionalen Ausbruch und die dramaturgische Übertreibung. Damit entsteht eine gute Portion Realismus und Authentizität, aber auch ein gewisses Diktat der Normalität.

Die gesamte Darstellerriege passt sich hervorragend in dieses Setup ein und Aaron Paul (unter anderem bekannt als Jesse aus der BREAKING BAD Serie) wirkt überzeugend als Pendant zu Kate. Über allem schwebt jedoch Mary Elizabeth Winstead, die gefühlt 90% der Screentime für sich verbuchen kann, und sie vermag auf sehr hohem Niveau der Sucht ein menschliches Gesichts eines kranken Menschen zu geben. Ihr Handeln wirkt zwar in einigen Momenten abstoßend, aber dennoch stets nachvollziehbar und realistisch. Als hervorragend kann auch die Leistung ihrer deutschen Synchronisation dieser nicht einfachen Rolle beschrieben werden auch wenn die allgemeine Übersetzung zeitweise etwas hakt.

Die Mischung aus Drama, Liebesfilm und Komödie mit schwarzem Humor präsentiert anfangs noch die ganze Situation als kleiner Ausbruch aus einem spießbürgerlichen Leben um dann auch langsam aber sicher heftigere Töne bis hin zur existentiellen Bedrohung anklingen zu lassen. Aus der relaxten anti-bürgerlichen Lebensphilosophie wird eine Bedrohung und eine Gefährdung des gesamten sozialen und beruflichen Umfeldes als sie sich im Job als Lehrerin outet. SMASHED hat natürlich auch Grenzen in der Darstellung und kann als "Alkoholismus Drama light" beschrieben werden. Die wirklich drastischen Auswirkungen an Körper, die Auswirkungen beim (kalten) Entzug und fast lebensgefährlich Abstürze werden überwiegend ausgespart, genauso wie die vielschichtige Rolle der AA.

Die ungeschminkte und unaufgeregte Art und Weise wie SMASHED jedoch seine Geschichte entwickelt, entspricht dem Stil eines klassischen Independent Dramas mit einem ebenso entspannten pop-rockigen Indie-Soundtrack, der immer mal wieder für kleine dramaturgische Entlastungen sorgt. SMASHED kann und will längst nicht alle Aspekte dieser Krankheit aufzeigen, aber Regisseur James Ponsoldt gelingt es, eine berührende Geschichte einer ganz normalen Frau aufzuzeigen, die ihre Krankheit überwinden will und mit ihrer neu erarbeiteten Ehrlichkeit mit sich selbst und ihrer Umwelt dann vor neuen Herausforderungen steht.

6,5/10 Whiskey am Morgen....äh,....Punkten

Details
Ähnliche Filme