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Unter dem Begriff "Safe House" versteht das CIA einen geheimen Ort, an dem sie ungestört "Gäste" betreuen können. Äußerlich unauffällig, befindet sich im Inneren neueste Technik, um sich gegen Angriffe von außen zu schützen und Verhöre durchführen zu können. Da im Ernstfall ein zeitnaher Zugriff notwendig ist, betreibt das CIA weltweit entsprechend ausgestattete Häuser oder Wohnungen, die jeweils von einem ihrer Agenten betreut werden.

Was vordergründig nach einem spannenden Job klingt, ist tatsächlich ein reiner Druckposten, auf den sich Matt Weston (Ryan Reynolds) seit einem Jahr abgeschoben sieht. Zwar führt er im südafrikanischen Kapstadt ein angenehmes Leben, zudem glücklich liiert mit Ana (Nora Arnezeder), der er natürlich nichts von seiner wahren Profession erzählt hat, aber von seinem Vorgesetzten David Barlow (Brendan Gleeson) wird der ehrgeizige Matt ständig nur vertröstet.

Angesichts dieser Konstellation bedarf es keiner hellseherischen Kräfte, um zwei Dinge vorauszusehen - Matt wird bald Besuch bekommen und das Titel gebende "Safe House" ist alles mögliche, nur nicht sicher. Das liegt vor allem daran, dass es sich bei Matt's erstem "Gast" um keinen geringeren als den ehemaligen CIA-Agenten und inzwischen als selbstständigen Spion tätigen Tobin Frost (Denzel Washington) handelt, der seit mehr als 10 Jahren vom CIA gesucht wird. Wenn ein solcher Profi gezwungen wird, das Konsulat der USA in Kapstadt aufzusuchen, um sich zu retten, ist es nahe liegend, dass für seine Verfolger ein "Safe House" auch keine große Hürde ist.

Der schwedische Regisseur Daniel Espinosa macht in seinem ersten US-Film kein Geheimnis daraus, dass die Verhörspezialisten nicht erst lange herumreden, bevor sie zu foltern beginnen, weshalb das plötzliche Eindringen seiner Verfolger für Frost auch eine positive Seite hat, denn Matt bleibt nichts anderes übrig, als mit seinem "Gast" vor der Übermacht zu fliehen. Aber die Flucht stellt sich als äußerst schwierig heraus, denn die Häscher wissen scheinbar immer, wohin sich die Beiden begeben. Offensichtlich befindet sich ein Maulwurf in der Zentrale des CIA, der auch den Standort des "Safe House" verraten hatte.

Wer irgendetwas neues von "Safe House" erwartet, wird enttäuscht werden. Espinosa orientiert sich in seinem inszenatorischen Stil an Tony Scott, verwendet dessen Wackelkamera aber zielgerichtet und nicht übertrieben, so das die Actionszenen zwar beschleunigt, aber übersichtlich bleiben. Auch die Story kann nicht wirklich überraschen, ist zwar kritisch gegenüber den Methoden des CIA, wird aber zum Schluss wieder gewohnt idealistisch, genauso wie die Lösung letztlich im üblichen Rahmen bleibt.

Doch trotz dieser bekannten Versatzstücke, wirkt "Safe House" erfrischend altmodisch, denn dank einer atmosphärisch dichten Inszenierung, ständigen Szenenwechseln, einem sehr gut aufgelegten Denzel Washington, einer Vielzahl ausgezeichneter Nebendarsteller und nicht zuletzt einer kompromisslosen Härte, gelingt lange Zeit ein stimmiger Actionfilm. Vor allem die Szenen am Fußball-Stadion oder in der Wellblech-Siedlung am Rande Kapstadts sind äußerst spannend.

Auch wenn das Ende leider einige typische Elemente wieder aus verborgen gehofften Schubladen hervorholt, bleibt doch der gute Gesamteindruck eines klassischen, geradlinigen Actionfilms bestehen. (7/10).

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