Nachdem Daniel Espinosa mit „Easy Money“ auf sich aufmerksam gemacht hatte, folgte der Ruf nach Hollywood mit „Safe House“, einem modischen Actionthriller der mittleren Budgetklasse.
Das titelgebende Safe House wird von Matt Weston (Ryan Reynolds) geführt, ein junger CIA-Agent, der auf Action aus ist – und sie bald kriegen soll, ähnlich wie sein Kollege in „From Paris with Love“. Weston gehört zu den Jungspunden des Actionkinos, hat einen Job und eine Freundin, hat also das, was sich die alten Kämpen in dem Genre immer wünschen, die dafür genug Abenteuer bestanden haben – also das, worauf Weston wiederum brennt.
Ein älterer Recke ist Tobin Frost (Denzel Washington), ehemalige CIA-Kampfsau, mittlerweile Freelancer und potentieller Landesverräter. Nach einem Treffen in Kapstadt, bei dem er einen Mikrochip mit Geheiminformationen erhält, sein Kontaktmann aber in einem Hinterhalt stirbt, begibt sich Frost in amerikanische Hände, auf der Flucht vor seinen Verfolgern. Frost ist die Fortführung von Washingtons bisherigen Actionrollen, der verschmitzte, aber nie klamaukig komische Profi, ein Held der Arbeiterklasse, wenn auch mit zweifelhaftem Ruf.
Frost wird in Westons Safe House untergebracht, doch schon bald darauf trabt ein Killerkommando an und eliminiert die herbei geschickten Bewacher. Frost und Weston überleben und fliehen, wobei Frost gänzlich entkommen möchte, Weston hingegen den Gefangenen in seiner Obhut behalten und dadurch glänzen…
Es mag etwas gehässig, aber nicht illegitim sein zu fragen, warum man junges Talent aus Europa ankarrt, in Richtung eigene Handschrift dann wenig los ist. Stattdessen ist „Safe House“ ein Agententhriller im Bourne-meets-Tony-Scott-Stil, was sich sowohl in der Figurenzeichnung als auch der Inszenierung bemerkbar macht. Agentenprofis, die sich nur auf Muskelkraft, sondern auch auf ihren Einfallsreichtum und ihre Kenntnis moderner Technik verlassen, hetzen durch eine Videoclipoptik, wobei Musik nur dezent eingesetzt wird, gerade in den Actionszenen, in den Schlag-, Schuss- und Crashgeräusche die Tonspur dominieren. Doch die gewählten Vorbilder sind nicht die schlechtesten, im Gegenteil, frei nach dem Motto „Besser gut kopiert als schlecht selbst gemacht“ ist „Safe House“ ein stilvoller Actionthriller der neueren Schule.
Was den Plot angeht, so hätte dem Film etwas mehr Originalität nicht schlecht zu Gesicht gestanden, denn nicht nur steckt der obligatorische Verräter in der eigenen Behörde dahinter, wie schnell feststeht, sondern es bleiben eigentlich auch nur zwei Figuren übrig, die es sein könnten. Zudem könnte man den Plot von „Safe House“ bequem in 90 anstatt in 110 Minuten erzählen, auch wenn das Gebotene bekannte Standards durchaus kurzweilig aufkocht und von der Dynamik seiner Figuren lebt: Wenn der alteingesessene Frost dem jungen und leicht naiven Weston das Agentenbusiness näherbringt und die beiden immer mit- anstatt gegeneinander arbeiten, dann hat der Film den Charme eines gelungenen Genrestückes, egal wie bekannt die Puzzleteile sind.
Ebenfalls erfreulich ist die Tatsache, dass „Safe House“ in seinen dosiert eingesetzten Actionszenen ordentlich Druck hat. Auf die bleihaltige Erstürmung des Unterschlupfs folgt eine blechenschadenreiche Autojagd im Stil der Bourne-Reihe, weitere Scharmützel und Verfolgungsjagden gleicher Bauart folgen. Neben der erwähnten Autojagd sticht zum einen die Jagd um die Hütten heraus, zum anderen der brutale, realistische und sehr harte Zweikampf zwischen Weston und einem ähnlich geschulten, aber auch ähnlich unerfahrenen Gegner gegen Ende des Films. In den Actionszenen arbeitet der Film auch schön mit den Erfahrungshorizonten der Helden: Während Frost tatsächlich ein gewiefter, überlegener Agent wie Jason Bourne ist, so muss sich Weston als Rookie wesentlich mehr anstrengen, ist auf die Hilfe seines Mentors wider Willen angewiesen.
Denzel Washington spielt als besagter Mentor dann auch cool seine derzeitige Paraderolle runter, während Ryan Reynolds abermals beweist, dass man ihn lieber nicht unterschätzt: Er sorgt dafür, dass der junge CIA-Agent mehr als nur ein reines Abziehbild ist. In den Nebenrollen agieren Brendan Gleeson, Vera Farmiga und Sam Shepard als übergeordnete CIA-Beamte und veredeln den Supportcast, Robert Patrick schaut ebenfalls vorbei, geht aber leider schnell drauf.
„Safe House“ ist grundsolide Actionthrillerkost nach bewährtem Strickmuster, ein schöner Snack für Freunde der stilbildenden Agententrilogie und Filmen wie „Enemy of the State“, der von seinen Hauptfiguren und -darstellern getragen wird. Der etwas einfallslose 08/15-Plot, den man auch kürzer hätte fassen können, trübt das Vergnügen aber leider ein wenig.