Matt Weston (Ryan Reynolds) ist ein frisch nach dem College angeworbener CIA-Agent, der sich als Hausmeister eines konspirativen Hotels auf seinem Posten in Südafrika ziemlich unterfordert fühlt. Die monatelange, gut bezahlte Langeweile endet schlagartig mit der Ankunft eines "Gastes": Tobin Frost (Denzel Washington), ein ehemaliger CIA-Agent und inzwischen freiberuflicher Informationsbeschaffer (sehr zum Nachteil seiner ehemaligen Dienstgeber) muß verhört, d.h. gefoltert werden. Frost verfügt über Informationen inform eines Mikrochips, den er sich kurz zuvor mit einer Spritze unter die Haut gejagt hat und hat sich freiwillig (via US-Botschaft Kapstadt) in die Hände der CIA begeben, nachdem sein Informant kurz nach der Übergabe eine Kugel in den Kopf bekam und er selbst nur knapp einem Killerkommando entkommen konnte. Kurz nachdem das Waterboarding begonnen hat, stürmt jenes Killerkommando das Hotel des Geheimdienstes, dessen Existenz/Lage es eigentlich gar nicht kennen kann - mit knapper Not entkommt Hausmeister Weston zusammen mit Frost und eine lange Jagd beginnt...
Was sich nach ausgefeiltem Agententhriller anhört, wird in der Folge fast schon zu einem Road-Movie, da sich die Protagonisten Reynolds und Washington ständig auf der Flucht befinden. Mit reichlich Geballer gelingt ihnen ein ums andere Mal die Flucht, und zwischendurch erfährt man häppchenweise aus dem CIA-Hauptquartier aktuelle Lagebeurteilungen. Dies alles klingt sehr konventionell und ist es auch, dennoch wird Safe House durch die gute Aufteilung von Action- und ruhigeren Info-szenen niemals langweilig. Bald wird klar, daß es einen Maulwurf in der obersten Führungsetage geben muß - wer dies allerdings ist und warum, wird erst zum Schluß bekannt. Zuvor versteht es der Film, dem Zuseher Westons ambivalente Perspektive zu vermitteln - soll er wie befohlen untertauchen oder den inzwischen geflohenen Frost doch noch auf eigene Faust weitersuchen? Unverkennbar auch der 90er-Jahre-Zuschnitt inform der Autoverfolgungsjagden, toll was so ein alter 7er-BMW aushält, Ronin oder auch die Bourne-Identität lassen grüßen. Sehenswert auch die Jagd quer durch ein volles Fußballstadion inklusive Schußwechsel mit der südafrikanischen Polizei - hier wurde der Drehort auch tatsächlich ins Skript eingebunden, sehr interessant.
Die Figur des Matt Weston macht im Laufe von Safe House einen Reifungsprozess durch - zunächst ein unterforderter Sonnyboy, muß Weston schon bald die Risiken seines gewählten Berufs in aller Härte kennenlernen. Stets am Limit gefordert bewahrt er sich sein anfängliches Zweifeln und Hinterfragen und wird somit zu einer Integrationsfigur par excellence - keine Frage, daß er am Ende gewinnen wird, wie und mit wem auch immer. Auf der anderen Seite haben wir den erfahrenen, abgebrühten ex-Agenten Frost, der jederzeit, selbst mit Handschellen gefesselt, Herr der Lage zu sein scheint. Sein Auftreten ist deutlich weniger actionlastig, dafür zeigen seine subtilen Anmerkungen umso mehr Wirkung, z.B. seine Vorbereitung auf das Waterboarding ("Ihr müßt 600er Handtücher nehmen"). Er befolgt so etwas wie einen Agenten-Ehrenkodex und läßt Weston am Leben, selbst als er Gelegenheit hat, ihn zu erschiessen. Später wird er dann sogar zum Mitspieler Westons - Gegenspieler war er ohnehin nie. Die Rolle des (auch physisch) Bösen spielt hier Fares Fares, den man aus späteren Verfilmungen der Jussi Adler-Olsen-Trilogie als verständnisvollen, intelligenten Kommissars-Assistenten Assad kennt - hier jedoch spielt der Libanese einen krummnasigen Killer, wie er direkt aus 96 hours - Taken gecastet sein könnte. In weiteren Nebenrollen sind u.a. Robert Patrick (Terminator II) und Brendan Gleeson zu sehen; als Westons Freundin Ana (mit leider viel zu wenig Screentime) agiert die wunderschöne Nora Arnezeder.
Sehr zu gefallen wußte die dezent eingesetzte Einbettung diverser Geheimdienst-Praktiken wie beispielsweise das unvermeidliche Waterboarding, das Beseitigen von Zeugen, selbst wenn sie in den eigenen Reihen gestanden haben sowie das planmäßige Lügen und Beschönigen im Abschlußbericht. Der Umstand, daß der Film seinen Ursprung in einem Safe House nimmt und dies sogar titelgebend wird, kann man als leisen Protest des schwedisch-Chilenischen Regisseurs Daniél Espinosa werten, der seine Akteure ziemlich unverhohlen außerhalb jeder rechtsstaatlichen Norm agieren läßt. Ein Safe House ist eine konspirative Wohnung, unterhalten ausschließlich zu dem Zweck, einen rechtsfreien Raum innerhalb des Territoriums eines fremden Staates zu haben, um dessen dort zuständige Judikative und Exekutive auszuschließen. Hier kann nach Belieben gefoltert und gemordet werden, niemand weiß davon, weder offiziell noch inoffiziell. Im Film haben die Vereinigten Staaten in Kapstadt/Südafrika gleich ein ganzes Hotel angemietet zu diesem Zweck - daß diese Safe Houses nicht nur ein Hirngespinst sind, haben einige ganz wenige dokumentierte Fälle in der Folge der 9/11-Anschläge bewiesen. Gleichwohl darf angenommen werden, daß dergleichen Einrichtungen von allen weltweit operierenden Geheimdiensten unterhalten werden.
Vor diesem Hintergrund ist Safe House ein temporeicher konventioneller Agententhriller, der über die gesamten 105 Minuten Spielzeit kaum Längen aber auch wenig Innovationen oder Überraschungen aufweist und dennoch für gute Unterhaltung sorgt. 8 Punkte.