Als ich letzte Woche den Found Footage-Film "Evidence" sah, dachte ich niemals, dass dieser Streifen in Sachen Wackelkamera noch getoppt werden könnte. "V/H/S" setzt dennoch einen drauf, denn nicht nur hier meine ich manchmal meiner Waschmaschine beim Schleudergang zuzuschauen, nein, auch die Handkamera-Qualität ist dermaßen unter aller Sau (ist ja schließlich zu Videokassetten-Zeiten abgedreht worden), dass diese Kombination von Wackel und sau mieser Qualität das Zusehen zur absoluten Qual macht. Erstmal soviel dazu, damit man weiß, auf was man sich einlässt. Die Augen werden definitiv so viel bluten, dass der Sehgenuss wirklich an der absoluten Schmerzgrenze liegt.
Von der Inhaltsangabe, dass vier Bad Guys ein VHS-Tape in einer Villa klauen sollen und dabei seltsame Filme sehen, konnte ich nicht erkennen, denn auch wenn dieses Grundgerüst nach und nach weitererzählt wird, werden dazwischen fünf Kurzgeschichten gehauen, dessen Übergang man höchstens daran erkennt, dass neue Schauspieler in einer anderen Location mitspielen (vorausgesetzt, dass man bei der bescheidenen Qualität neue Schauspieler erkennt).
Also ich habe eine geschlagene halbe Stunde gebraucht, um festzustellen, dass da schon zwei Episoden gleichzeitig laufen, da der eine Typ mit dem Schnurres wieder da ist. Meine erste Vermutungen, dass von den vier Bad Guys nur ein anderer Moment auf Tape aufgenommen wurde, war also falsch. Somit ging die erste Episode schon mal komplett flöten und berührte mich auch nicht sonderlich (bis auf einen fiesen Knochenbruch), da ich noch damit beschäftigt war, die einzelnen Szenen zuzuordnen.
Ganz ehrlich: Ich ringte zu diesem Zeitpunkt mit mir selbst, ob ich den Film wieder aus dem Player nehmen sollte. "V/H/S" war bis dahin teilweise unansehbar.
Gut, da ich ja scheinbar der einzige bin, der nicht die hellste Kerze auf der Torte ist, konnte ich zumindest die anderen Kurzgeschichten mitverfolgen, bei denen wenigstens die beiden letzten mit etwas schärferen Kameras aufgenommen worden sind (wobei die nervtötende Wackelkamera hingegen dennoch präsent war). Natürlich, ich streite es gar nicht ab, jede Episode hat einen straffen, düsteren Handlungsstrang und ein Ende, das mehr oder weniger überrascht und zugegebenerweise passen die Bildausreißer bzw. Blöcke, Verzerrungen oder eben alles, was die Bildqualität noch weiter nach unten drückt, in den meisten Szenen auf einmal.
Dennoch rechtfertigt das nicht, dass hier mehrere Regisseure es wirklich auf die Spitze treiben, dem Zuschauer solch ein Gewackele als Film zu verkaufen. Audiovisuell dürfte "V/H/S" der absolute Tiefpunkt gewesen sein, obwohl ich dieses Genre eigentlich gut finde.
Positiv zu Gute halten muss ich dem Film, dass er mich mit seinen Geschichten tatsächlich etwas verstört hat (aufgrund der Wendungen und drastischen Splattereinlagen).
Genau diese Wirkung wollte man mit diesem Film erreichen, so dass er nicht die 1er-Bewertung bekommt.
Aber nie im Leben würde ich mir wieder diese 120 Minuten lange Achterbahnfahrt des visuellen Grauens anschauen. Never.
Für Leute, die den Rollladen bis zur Unterkante Bordstein ziehen können und den Bong auf dem Tisch stehen haben, dürfte "V/H/S" ein gefundenes Leckerli sein. Ich kenne es ja noch selber von vor über 15 Jahren, bekifft Filme zu schauen und mit THC im Kopp alles etwas anders wahrnehmen, als Leute, die nur ein Wasser beim Filmeschauen trinken. Ich will dennoch nicht jeden unter "Generalverdacht" stellen, der diesen Film gut findet.
"V/H/S" ist ein wahrer Folterfilm für die Augen und wenn man damit klarkommt (und das dürften nur die allerwenigsten sein), kann man fünf gute bis sehr gute Kurzgeschichten miterleben, die gut durchdacht sind und verstörend wirken.
3/10