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In den letzten Jahren kam das Genre der Horroranthologie wieder in Mode, woran auch der mit inzwischen Sequels geadelte „V/H/S“ seinen Anteil hatte, der fünf Geschichten nebst Rahmenhandlung als Hommage an das VHS-Zeitalter erzählt. Naja, eigentlich ist es keine Hommage an die VHS, sondern an die seligen Zeiten von „Bitte lächeln“, „America‘s Funniest Home Videos“ und wie der ganze Käse hieß, als jeder verwackelte Eigencamcorder-Aufnahmen einschickte. Genauso sieht das Ganze dann über fast zwei Stunden auch aus und was anfangs noch formell interessant ist, wird mit der Dauer einfach nur noch anstrengend – die Macher versuchen zwar gegenzusteuern, indem spätere Episoden nicht mehr ganz so grobkörnig und verwackelt sind.

Die Rahmenhandlung „Tape 56“ erzählt von einer Gruppe von Einbrechern, die ein bestimmtes VHS-Band stehlen sollen. Am Zielort finden sie den Eigentümer nur tot auf und nach und nach guckt jeweils einer von ihnen eine der Amateur-VHS-Aufnahmen an und geht am Ende dann drauf, was schon mal arg repetitiv ist und selbst als dünne Rahmenhandlung für die fünf Episoden schon reichlich mau. Diese sind im Einzelnen:
„Amateur Night“: Mit Videobrille filmen drei Aufreißer das Geschehen, als sie zwei Mädels angraben und auf ihr Hotelzimmer holen. Dabei erleben sie eine böse Überraschung.
„Second Honeymoon“: Ein Paar verbringt die zweiten Flitterwochen miteinander und filmt das Ganze, was man als Zusammenschnitt der Aufnahmen sieht. Dabei werden sie von einer mysteriösen dritten Person verfolgt.
„Tuesday the 17th“: Hohoho, an welchen Film lehnt sich dieser Titel wohl an? Es geht um eine Gruppe von Youngstern, die im Wald an einen von Legenden umwobenen Killer geht, dessen Aura Bildstörungen auf den VHS-Aufnahmen verursacht, was als nutzloses Gimmick aber mehr nervt als stört, während die Gruppe natürlich fachgerecht von Aushilfsjason entsorgt wird.
„The Sick Thing That Happened to Emily When She Was Younger”: Eine Skype-Session zwischen Emily und ihrem Freund wird aufgezeichnet. Während sie sich unterhalten, turnen mysteriöse Kindergestalten durch Emilys Wohnung.
„10/31/98“: Auf dem Weg zu einer Halloweenparty filmen ein paar Freunde nicht nur, sondern begeben sich auch in ein mysteriöses, verlassenes Haus, dessen Spuk nicht nur ein Halloweenscherz ist.

Leider sind diese Geschichten im Kern oft zu weit identisch (Menschen mit Camcorder begeben sich eine ungewohnte Umgebung, filmen seltsame Dinge und gehen am Ende der Episode drauf), womit sich schnell Langeweile breit macht; allenfalls die Skype-Geschichte ist da noch eine Abwechslung, hat aber bis auf einen netten Twist nichts zu bieten. Auch sonst ist die Qualität der Geschichten schwankend: Die an sich interessante, aber nervtötend umgesetzt Waldgeschichte und die schnarchige Pärchen-Story sind ziemlich in den Sand gesetzt sind und lassen keinerlei Spannung aufkommen, sieht von einem gruseligen Aha-Effekt in „Second Honeymoon“ ab. Die Halloween-Episode hat ein bisschen was, versinkt aber schnell in 08/15-Gerenne und Geschreie nach Schema F. So ragt „Amateur Night“ als einzige Geschichte positiv heraus und erzählt mit wohliger Schadenfreude davon, wie drei Macho-Arschlöcher bekommen, was sie verdienen. Das bietet Raum für nette Make-Up-Effekte am Ende sowie den einen oder anderen gut gesetzten Schock. Das macht „Amateur Night“ zwar immer noch nicht zum Gruselmeisterwerk, setzt die Geschichte aber vom verfahrenen Rest des Films ab.

Trotzdem: Aus der reizvollen Grundidee machen die Regisseure wenig, da die Geschichten zu eintönig und zu repetitiv sind, die Optik irgendwann eher Kopfschmerzen verursacht als den Zuschauer ins Geschehen hineinzuziehen. Dass ausgerechnet die talentierten Horrorfilmer Ti West und Adam Wingard für zwei der schwächeren Episoden verantwortlich zeichnen, verwundert allerdings.

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