Meiner Meinung nach ist „Halloween 6: the Curse of Michael Myers“ (neben Teil 2) die wohl beste Fortsetzung von John Carpenters Klassiker, weil der Film von der Geschichte her neue Ansätze und Ideen in die Reihe einfügt (vor allem wer den „Producer´s Cut“ kennt, wird das bestätigt finden), während Verbindungen zu den Vorgängerfilmen gepflegt und ausgebaut werden. Leider verstarb „Dr.Loomis“-Darsteller Donald Pleasence kurz vor Ende der Dreharbeiten, so dass Regisseur Joe Chapelle etliche Szenen umschneiden musste, doch trotz einiger daraus entstandenen Nachteile in Sachen Storyaufbau und Schlusswendung (in der Originalfassung wird das keltische „Zeichen des Bösen“ beispielsweise am Ende noch auf Loomis übertragen), kann das Gesamtbild trotzdem durch die effektive Inszenierung und gute Einbindung in den Gesamtkontext unterhalten.
Die Story setzt 5 Jahre nach dem Vorgängerfilm ein: Die inzwischen hochschwangere Jamie (Lauries Tochter) befindet sich noch immer in der Gewalt des geheimnisvollen Kults. Nach der erfolgreichen Entbindung soll ihr Sohn von den Mitgliedern geopfert werden, doch Jamie gelingt mit ihm die Flucht und kann eine Nachricht an einen Radiosender weitergeben, die sowohl von Dr.Loomis (Donald Pleasence) als auch von Tommy Doyle (dem Jungen aus Teil 1, auf den Laurie aufpassen sollte – hier dargestellt von Paul Rudd) gehört wird. Um das Kind zurück zu holen, schickt der Führer des Kults Michael Myers (welcher sich seit der Befreiung aus dem Gefängnis in seiner Obhut befand) hinter Jamie her, der sie auch recht schnell aufspüren und töten kann – doch das Kind hat sie vorher noch in Sicherheit bringen können…
Tommy, der sich gleich nach dem Hören der Nachricht auf die Suche gemacht hat, findet schließlich das Baby und nimmt es mit zu sich nach Haddonfield, wo er gegenüber des Strode-Hauses lebt und die darin neu eingezogene Familie beobachtet, da er davon überzeugt ist, dass Michael noch am Leben sei und eines Tages zurückkehren wird. Zusammen mit Kara Strode (einer Verwandten von Laurie, die nun zusammen mit ihren Eltern, Geschwistern und ihrem Sohn Danny in jenem schicksalhaften Haus wohnt) sowie Dr.Loomis, der sich auf Drängen seines Kollegen Dr.Wynn (Mitchell Ryan) gerade wieder mit dem Fall Myers zu beschäftigen begonnen hat, versucht Tommy nun im folgenden, das Kind (= die letzte direkte Person der Blutlinie) vor Michael und den Mitgliedern des Kults zu verteidigen…
An Halloween, an dem sich die Bewohner von Haddonfield aus dem Schatten der Vergangenheit um die ganzen Morde zu lösen versuchen (u.a. mit einer Live-Radioshow), kehrt Michael schließlich an jenen Ort zurück, an dem alles begann. Ein blutgetränkter Tag beginnt, an dem auch viele Rätsel ihre Auflösung finden…
Gleich die erste Szene weist die Richtung des Films: Die effektvolle Inszenierung von Regisseur Chapelle („Phantoms“) kombiniert eine Musikuntermalung, die das von Carpenter komponierte Thema gekonnt variiert, mit gelungenen Soundeffekten, schnellen Zwischenschnitten (die Bruchteile einer Sekunde lang aufblitzen) und einer modernen Bildästhetik (bläulicher Ausleuchtung inklusive). Leider hat man dabei nicht auf klischeebehaftete Stilmittel wie die „Szenen unterstreichenden“ Blitze verzichtet. Das Produktionsdesign ist nicht mehr so billig wie etwa in Teil 5, aber auch nicht so glatt wie im Nachfolger „H20“. Die vielen graphisch gezeigten Morde (aufgespießte, halb abgerissene oder durch Stromschläge explodierende Köpfe und Körper inklusive) lassen diesen Film außerdem zu dem härtesten und in diesem Bereich konsequentesten der Reihe werden.
Den Machern gelingt es tatsächlich, über weite Strecken Spannung und Atmosphäre zu erzeugen – zwar nicht in der düster-bedrohlichen Art des Originals, doch in einer den Gewohnheiten des modernen Horror- und Slasher-Genres angepassten Form.
Die Verbindungen zu den Vorgängerfilmen sind allgegenwärtig – sie reichen von Charakteren (Jamie, Loomis, Tommy, dem „schwarzen Mann“) über Motiven (dem keltischen Kult, Tommys Trauma wegen der Ereignisse als er 8 war) bis hin zu Orten (Haddonfield, dem Strode-Haus, Smith´s Grove Hospital). Zusätzlich gibt es auch eine Reihe von (Insider-) Anspielungen: „Mrs.Blakenship“ wird beispielsweise bereits in Teil 3 erwähnt, Karas Eltern tragen die Vornamen der Schöpfer der Reihe „John“ Carpenter und „Debra“ Hill. Die Faszination der Menschen und Medien um Michael wird zum ersten Mal in Form der Radioshow verarbeitet (in „Resurrection“ wird dieser Aspekt ja mit dem Internet-Ereignis fortgeführt).
Man erfährt zudem, warum Michael wirklich tötet: Er ist nicht nur einfach „das Böse“ in Menschengestalt, sondern löscht eine bestimmte Blutlinie auf Basis eines keltischen (Druiden-) Mythos aus – eine Rolle, die stellvertretend für andere, schlimmere Ereignisse steht (weshalb der Kult darauf aus ist, alles zu steuern und in den Bahnen zu halten) und zudem noch übertragen werden kann (eine Erklärung für Dannys Visionen). Diese Informationen sind zwar etwas abstrus und verlassen die eingeschlagenen Pfade der Reihe, doch sie erweitern die Handlung um eine interessante Facette (obwohl der Kult in den nachfolgenden Teilen keine Erwähnung mehr findet). Der „Producer´s Cut“ geht sogar noch weiter – dessen „Deleted Scenes“ sind übrigens im Internet zu finden (beispielsweise unter „http://www.halloweenflash.com/HALLOWEEN6FLASHCLIPS.shtml“ oder „http://www.angelfire.com/film/jc-halloween/downloads.html“) und bilden eine interessante Ergänzung zur vorliegenden Version.
Die darstellerischen Leistungen sind leider bestenfalls nur durchschnittlich: Paul Rudd („Clueless“), Marianne Hagan („Perfume“) und Mitch Ryan („Lethal Weapon“) spielen zwar nicht schlecht, ragen aber auch nicht heraus – und Donald Pleasence („Escape from New York“) ist hier bereits stark vom Alter gezeichnet, so dass die wenigen Szenen, die nach seinem Tod verwendet werden konnten, eher Nebenrollen-Charakter erfüllen und keinem Vergleich mit dem „Loomis“ aus den ersten Filmen standhalten. Michael Myers (in den Credits übrigens nur als „the Shape“ geführt) wird, wie in Teil 4, von Stuntman George P.Wilbur dargestellt – zwar als gewissen- und emotionslose Tötungsmaschine, doch noch immer mit einer reflexionsunfähigen Perspektive auf sein Handeln: Diese fast kindliche Art tritt in einer der ersten Szenen offen zutage, als Michael eines seiner Opfer (die Frau, die Jamie zur Flucht verhilft) noch mit einer seltsamen Faszination beim Ableben betrachtet.
Neben dem teilweise etwas abstrusen und unübersichtlichen Storyverlauf folgt der Film im Endeffekt jedoch dem bekannten und stringenten Muster: Michael versucht sein angepeiltes Opfer aufzuspüren und geht dabei über Leichen, während die Gegenseite zuerst flieht und letztendlich zurückschlägt.
Der Tod eines Darstellers während der Dreharbeiten sowie damit verbundene Umstrukturierungen nehmen meist nie positiven Einfluss auf das Endergebnis, was man in diesem Fall dem Endresultat leider in Teilen ansehen kann. Der (ebenfalls unvollständige) „Producer´s Cut“ ist zwar etwas besser und lässt die eigentlich angedachte Version erkennen, doch diese Ansätze können ohne einer vollständigen Veröffentlichung ja nicht in die Bewertung mit einbezogen werden…
Fazit: „Halloween 6“ wirkt in der vorliegenden Fassung zwar etwas abstrus, ist aber eine sehr konsequente und brutale Fortsetzung mit interessanten neuen Ansätzen und erfreulich erkennbaren Verbindungen zu den Vorgängerfilmen … 7 von 10.