Review

Der sechste Streich der Halloween-Saga hat, und das ist das Traurige bei Betrachtung des fertigen Endprodukts, durchaus das Potential gehabt, die Serie aus dem kreativen Tief zu holen, in das sie nach dem ersten Teil geraten ist oder zumindest den akzeptablen roten Faden, den die letzten beiden Teile geknüpft hatten, originell weiterzuspinnen. Das wird jedoch letztendlich wieder zugunsten einer klischeehaften Standard-Stalk'n-Slash-Jagd mit Good'ol'Michael verschenkt, wegen denen die Kritik auch immer berechtigt Hohn und Spott über die Nachfolger ausgoß.

Dabei ist die Prämisse vielversprechend: Endete der fünfte Teil, der perfekt an den vierten anschloß, mit einem mysteriösen offenen Ende, daß viele Fragen offen ließ, wird der Reigen hier Jahre später an genau demselben Punkt wieder aufgenommen. Die offenen Fragen nach Michaels Verbleib, der Identität des schwarzen Mannes und dem Schicksal von Jamie werden hier wieder eingebracht.
Dazu ein sichtlich gealterter Dr.Loomis, der sich ein letztes Mal auf die Jagd begibt und als Überraschung die Figur des Tommy Doyle, der uns im legendären ersten Teil als 25 Pfund Gebabysittetes noch derbe auf den Sack ging und nach dem damaligen Schock jetzt auf die Rückkehr des Unheimlichen wartet.

Eigentlich bombig, was man daraus machen könnte, vor allem als die Teenage Jamie auch noch ein Kind entbindet und damit den Satz aus einer Institution macht, in der sie seit sechs Jahren eingesperrt war. Kesseltreiben auf Michael; ein Höhepunkt, auf dem all diese Charaktere zusammentreffen, eine Atmosphäre der Bedrohung.

Was aber macht Drehbuchautor Daniel Farrands aus diesen Möglichkeiten? Nichts!
Jamie wird gleich zu Beginn dahingehäckselt, woraufhin das Baby auf dramaturgisch völlig unmögliche Weise beim lieben Tommy landet, der skriptgemäß nie dort ist, wo er eigentlich sein müßte, obwohl er sich doch so gut vorbereitet hat. Pleasence' Loomis ist kläglich unterfordert und trägt zum Geschehen so gut wie nichts bei und die neue Figur des Dr.Wynn bleibt einfach in der Luft hängen. Als blassen Ersatz dann noch Kusine Kara und ihr neuestes Blag, die sich auch weiterhin komplett idiotisch verhalten, so lange der Film dauert.

Als Ersatz für fehlende Qualität gibt es wieder einmal reichlich neue Strodes, die jetzt en famille im alten Myers-Haus nächtigen und deswegen auch der Reihe nach dahingemetzelt wird, weil dem Autor sonst nichts eingefallen ist. Das geht einher mit den üblichen Warnungen, Mißverständnissen und großspurigen Charakteren, die dann auch sympathiegemäß weggeschnetzelt werden, auch wenn das schon im vierten Teil keinen mehr interessierte. Dabei laufen alle wie gewöhnlich um ihr Leben, werden aber von Zeitlupen-Michael trotzdem eingeholt, weil er als einziger offenbar das Buch gelesen hat.
Spannungstechnisch scheint Regisseur-Niete Chappelle auch nur einen Trick zu kennen, nämlich Michaels Silhouette bzw. sein Spiegelbild bei allem möglichen Gelegenheiten auftauchen zu lassen, bis das keinen Schock, sondern ein anstrengendes Stöhnen verursacht. Als schnuckeliges Extra gibt es noch die Billighorrortotsünde, ständig im Hintergrund ein Gewitter krachen zu lassen.

So rumpelt und hackt sich der Film durch seine schmale Laufzeit und kann sich lediglich auf die Fahnen schreiben, ein wenig an der Blut- und Gewaltspirale gedreht zu haben.
Die Auflösung um die Sekte und den schwarzen Mann versinkt schließlich im finalen Metzelwirrwarr samt dem üblichen faden Höhepunkt, bei dem man nur diesen Film gesehen haben muß, um zu wissen, daß es das auch diesmal nicht gewesen ist. Warum fiel eigentlich niemand mal ein Michael-Abgang ein, der zumindest Zweifel an seinem Weiterleben offenließ? Der Einfachheit halber macht er sich hier auch ohne Maske anschließend aus dem Staub, noch ehe die Enttäuschung über so viel vertane Chancen den Zuschauer überwältigt hat.

So bleibt wieder nur ein Malen-nach-Zahlen-Slasher, der seinen mystischen Hintergrund nicht zu entfalten weiß und sonst nur bekannte Bilder bietet. Wäre es ein Unikat, könnte das alles noch als belangloses, minderwertiges Spannungskino durchgehen, doch der Inhalt hier ist so abgelutscht und fade, daß man vor Ärger während des Films ein komplett besseres Drehbuch entwerfen könnte.

Das können wirklich nur Splatterfans und Vollständigkeitsfanatiker genießen - allen übrigen bleibt nur der Ärger über die verschwendete Zeit. Und Donald Pleasence hätten wir einen besseren Abgang gewünscht. (3/10)

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