Review

"An Halloween scheinen sich alle Irren rauszutrauen..."

Oha, die Meinungen zu diesem Teil der Halloween-Saga gehen ja sehr auseinander, größtenteils wird der Film sogar sehr hart in die Kritik genommen. Ich glaube, ich muss da mal eine Lanze brechen...

"In diesem Haus hier leben zu müssen, macht einen verrückt!"

Auch dieser Teil knüpft an seine vorangegangenen an, bedient sich der bekannten Charaktere, versucht aber, die Geschichte um Michael Myers zu erweitern und zu bereichern. So brachte man eine Sekte ins Spiel, die Myers aufnahm und nun versucht, ihn zu kontrollieren. Als ihr Erkennungsmerkmal wählte sie die alte "Thorn"-Rune, die auf ein sich zur Halloween-Zeit zeigendes Sternenbild zurück zu führen ist. Bei den bekannten Charakteren handelt es sich um Dr. Loomis, Tommy aus dem ersten Teil und Jamie (mittlerweile eine junge Frau). Eine neue Familie zog ins alte Myers-Haus, ohne zu wissen, dass es sich um eben jenes handelt. Kaum nähert sich das Halloween-Fest, hört der jüngste Sohn Stimmen wie damals der sechsjährige Michael...

Meiner Meinung nach eine hervorragende und innovative Ausgangssituation für eine Fortsetzung. Leider macht das Endresultat kaum etwas aus seinen Möglichkeiten und hinterlässt einen etwas unbefriedigten Zuschauer - aber ohne, auf ganzer Linie zu enttäuschen, im Gegenteil.

"Mami, der Regen ist rot!"

Der Film startet sehr flott und bietet gleich in den ersten Minuten ungewohnt heftig inszenierte Morde, die sich anschließend auch durch die gesamte Handlung ziehen, so dass der Splatter-Freund positiv überrascht wird. Natürlich geht das etwas zu Ungusten des Spannungsbogens, stimmt mich aber dennoch zufrieden - das hohe Tempo in Verbindung mit kompromissloser Gewaltdarstellung weiß zu gefallen. Atmosphärisch setzt man wieder auf einen ausdruckslosen Myers mit Maske, der sich ab und zu mal kurz sehen lässt, beim nächsten Hinschauen aber wieder irgendwohin verschwunden ist, sowie auf ein Haddonfielder Kleinstadtumfeld mit schrägen, wenn auch ziemlich stereotypen Charakteren. Leider versteht man es nicht, diese Atmosphäre vernünftig auszubauen und setzt stattdessen ärgerlicherweise auf das Gewitter-Horror-Klischee, so dass, wann immer Myers irgendwen abmurkst oder es sonstwie gerade besonders spannend sein soll, es blitzt und donnert, in der nächsten Einstellung aber keine Regenwolke mehr am Himmel ist. Billig und überflüssig und einer meiner Hauptkritikpunkte.

Der zweite große Kritikpunkt besteht darin, dass man die Hintergründe um die Sekte kaum beleuchtete. Dadurch verpasste man nicht nur die Chance, dem Tempo und den guten Splattereffekten inhaltlichen Tiefgang zur Seite zu stellen, sondern ließ auch die Möglichkeit aus, Ungereimtheiten und Logikfehler der Vorgänger auszumerzen bzw. zu relativieren. Dieser neue Aspekt der Halloween-Saga hätte das Zeug dazu gehabt, ihr ein völlig neues, interessantes Story-Fundament zu verpassen und den Kreis, der mit Halloween I begann, zu schließen. Stattdessen wird alles irgendwie nur angerissen und bereits nach 81 Minuten (ohne Abspann) endet der Film mit einem unspektakulären Ende und der Zuschauer fragt sich, ob es das jetzt wirklich schon gewesen sein kann... aber: Es gibt einen sog. "Producer's Cut", erhältlich als ausländische Bootlegs. Möglicherweise war dieser Film also ursprünglich anders gedacht, musste letztlich aber als arg zusammengeschnittene, leichter konsumierbare Version das Licht der Kinowelt erblicken, weil irgendwer an verantwortlicher Position der Meinung war, dem Halloween-Publikum würde eine gorige, aber unausgeGOREne Fassung besser gefallen und man den Horror-Fan mal wieder auf einen gewaltgeilen Idioten reduzierte...

Unterm Strich bleibt aber ein meiner Meinung nach guter und spannender Horrorfilm, der für mich ein würdiger Abschluss der Halloween-Reihe ist. Die Filme, die danach noch heruntergekurbelt wurden und ohne einen Donald Pleasence auskommen müssen, interessieren mich nun wirklich nicht mehr. Jener macht seine Sache übrigens auch hier gut und trägt zum "Halloween-Feeling" maßgeblich bei, wenn er auch weniger im Vordergrund der Geschichte steht als in anderen Teilen. Ruhe in Frieden! Überhaupt konnte ich hier keine wirklich SCHLECHTE schauspielerische Leistung ausmachen. Mir scheint dies ohnehin oftmals ein Standardargument zum Aufzählen zu sein, wenn man einen Film niedermachen will.

Solide 7/10 Punkten.

P.S.:
Ich bekam heute das Vergnügen, den zwölf Minuten längeren Producer's Cut sehen zu können und meine Annahme hat sich bestätigt: Zwar fallen einzelne Mordszenen harmloser aus als in der normalen Fassung, dafür sind die Storyparts länger und das letzte Drittel des Films komplett anders. Dadurch wirkt der Film tatsächlich viel stimmiger und ergibt mehr Sinn. (Laut der Fassungsübersicht gibt es sogar noch einen über 40 Minuten längeren Producer's Cut - das ist aber Quatsch, oder?)

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