"Man wird nicht Tänzerin. Man ist Tänzerin!"
Diese ZDF-Weihnachtsserie von vor fast 40 Jahren hat nichts von ihrem Zauber verloren. Anna Pelzer (Silvia Seidel) tanzt leidenschaftlich im Kinderballett, doch nach einem (von ihrem Bruder) verursachten Unfall liegt sie plötzlich mit schweren Wirbelverletzungen im Krankenhaus, ohne Gefühl in den Beinen. Anna bläst Trübsal & lässt sich erstmal hängen, bis ihr der gelähmte Rainer (Patrick Bach), der mit seinem Rollstuhl die Gänge unsicher macht, neuen Lebensmut einhaucht. Dennoch ist fraglich, ob das aufgeweckte Mädel je wieder tanzen wird können...
Es dauert etwas, bis Anna mit dem sich fröhlich & übermütig gebenden Rainer warm wird & sie auf seine Versuche, ihr zu helfen, einsteigt. Erst nachdem sie einen nassen Schwamm reflexartig fängt (den ersten Wurf bekam sie voll in die Fresse) & für einige Momente zum Kinski mutiert ("Du dumme Sau!"), ist das Eis endlich gebrochen & es geht wieder aufwärts. Was diese sechsteilige Serie so toll macht, ist einerseits die schöne Steh-auf-&-geh-deinen-Weg-Geschichte, andererseits sind es die wunderbaren Figuren, welche diese Geschichte bevölkern.
Aber alle werden sie überstrahlt von Anna, diesem liebenswerten Sturschädel, entzückend verkörpert von Silvia Seidel. Leider Gottes war für sie diese Rolle mehr Fluch als Segen, sie haderte vor allem damit, dass sie in den Augen der Menschen nicht Silvia, sondern Anna war. Außerdem kam sie mit der ständigen Sensationslust der Presse nicht klar, der ausbleibende Erfolg machte ihr ebenfalls zu schaffen & nach dem Selbstmord ihrer Mutter litt sie an Depressionen. Sie schied im Alter von 42 Jahren viel zu früh aus dem Leben.
Anna ist einfach ein kuschelig wohlfühliger Evergreen, so gemütlich wie die Pink-Panther-Bluse, die die Protagonistin manchmal trägt. Regisseur Frank Strecker setzte die Serie nach der Vorlage von Justus Pfaue mit viel Gefühl & Herz in Szene, bisweilen zwar etwas melodramatisch & nicht unbedingt realistisch, doch im Zentrum stets positiv & meist humorvoll, trotz der phasenweise "Schwere" des Geschehens (eine Figur stirbt sogar). Ein rührendes & zauberhaftes (& vielleicht auch etwas nostalgisch verklärtes) Wiedersehen, auf das Silvias unglückliches Leben einen melancholischen Schatten wirft.