Belohnung für die fleißige Arbeit des Dante Lam, welcher sich seit 2008 als Eifrigster um die Belange urbaner kantonesischer cop-and-crime dramas mit auch medialer Präsenz und Erfolg im Ausland verdient gemacht hat. Against War [ Alternativtitel ] ist dabei nicht etwa die Summe diesen Schaffens, sondern die Abkehr auf die massenkompatiblen Bezüge, vornehmlich handsome und vor allem bankable Stars mit schwerem Geschütz und in internationalen Gewässern. Anders als zuvor und üblich zielt man dabei, nicht zuletzt auch aufgrund des deutlich gesteigerten Budgets von 25 Mio. USD, sowohl auf den Chinesischen und schließlich auch den Westlichen Markt; ein Bemühen um Weltoffenheit im kommerziellen Sinne, was zuletzt im verstärkten Ausmaß um die Jahrtausendwende und dort mit teils verheerenden Ergebnissen geschah.
Aus den Fehlern der Vergangenheit und dem persönlichen Zugewinn der letzten Jahre hat man hier offensichtlich nicht im Extrem gelernt, ist das Geschehen als Action(-Thriller) erneut von zuweilen vielen Zufällen und in der Hinsicht auch comicartigen Intensität bestimmt, und deuten gerade die Bilder eine sonst eher amerikanische (oder ebenfalls seit der Jahrtausendwende auch von den Franzosen um Produzent Luc Besson gehandhabte) Sprache an. Mehr Hardware und Krawall als üblich, und dafür von allem Anderen wie Schauspiel und Dramaturgie weniger. Wirft man sich aber trotzdem mit Arbeitsfreude und Tatendrang in die Bresche und vergisst im treffsicheren Gelegenheitsblockbuster auch die eigenen Wurzeln und Kompetenzen nicht. Gefangen zwischen Routine und physischem Bombast:
Jordanien.
Eine Kommandoeinheit der International Defence Commission unter Führung von Sean Wong [ Andy On ] soll den Wissenschaftler Dr. Mohammad Osama Kannar [ Rassam ], einen Spezialisten für Biochemische Waffenführung, samt Familie aus dem Land hinaus und in Sicherheit eskortieren. Durch Verrat von Wong und einer hinterhältigen Attacke wird das Team allerdings bald darauf aufgerieben, Kannar samt Wissen entführt und einzig Teammitglied Jon Wan Fei [ Jay Chou ] als schwerverletzt Überlebender und mit einer Kugel im Kopf zurückgelassen. Da ihm die Ärzte nur noch wenig Zeit geben, offenbart ihm seine in Beijing wohnende Mutter [ Elaine Jin ] im Angesicht des Todes die frühe Trennung von der Familie und das Vorhandensein eines Bruders. Auf der Suche nach dem Verschollenen Wan Yang [ Nicholas Tse ], einem Schwerverbrecher, samt Vater [ Man Tian ] gerät Jon in Malaysia durch eine weitere Schicksalsfügung erneut auf die Spur von Wong, der zusammen mit dem Auftrageber Tyler [ Jared Robinson ] und henchman Mark [ Sammy Hung ] die Entwicklung eines tödlichen Virus plant, und dafür die Forscherin Dr. Rachel Kan Lai-shan [ Lin Peng ], Angestellte des Asia Centre for Disease Prevention & Control kidnappt. Da die örtlichen Offiziellen Ross [ Carl Ng ] und Russell [ Philip Keung ] entweder bürokratisch untätig oder gleich korrupt und mit in die Sache verstrickt sind, bricht bald ein privater Kleinkrieg in und um Kuala Lumpur aus.
Mission Briefing mit erläuterndem Hintergrund.
Eine Hetzjagd durch mehrere Länder, mit unterschiedlichen Interessen und jeweils begrenzter Zeit. Theoretisch hangelt man sich durch verschiedene Actionszenen, die mit emotionalen Zwischenstücken, dankenswerterweise aber nicht dem befürchteten emotionalen Ballast und an der Rückseite von Shootout und Explosion mit einer dünnen Geschichte um tödliche Viren und dem skrupellosen Streben nach Geld versehen sind. Materiell ist dabei durchaus ein Holpern zu bemerken, ein Hin und Her von Zufälligkeit und Gelegenheit macht Diebe, in der sich für ein schnelles Vorankommen innerhalb der zwei Stunden Filmlänge auch gerne mal die absurde Unwahrscheinlichkeit oder eben das pure Glück ausgeborgt wird. Unterwegs zu Fuss, in der Luft, per Auto und per Zug wird sich eher wie im ausdehnenden statt enger ziehenden Kreis und in der Wahl der Waffen abwechslungsreich bewegt, steht die wuchtige Präsentation flächendeckender Zerstörung und nicht die Deklamation, und die Allgemeinheit statt der Individualität auf jeden Fall im Vordergrund.
Wie auch zuvor im Lamschen Œuvre, zumindest in den Genrewerken, seit dem Debüt Option Zero (1997) über Hit Team (2001) bis zum versuchten Comeback The Sniper (2009, ist dabei die gleichzeitige Ähnlichkeit und ihr Widerstreben zweier Männer im Vordergrund. Das gegenseitige Täuschen und Tarnen im Kampf um ein sich gegenseitig ausschließendes Ziel, die Parallelität im Leben und Sein trotz unterschiedlicher Herkunft, und das Messen in der Auseinandersetzung wird durch hiesige Verwandtschaft und der Bedrohung für die gesamte Menschheit weiterhin betrieben. Der Streit mit quasi sich selbst weiterhin gezeigt, aber entsprechend vergrößert und sicherlich nicht automatisch intensiviert. Dramaturgisch sind die Szenen von spät versuchter Zusammenführung von Bruder zu Bruder und der Familie insgesamt allerdings annehmbar gelöst, für die Verhältnisse sogar mit einer wohltuenden, da aneinander gerade nicht um den Hals fallenden, sondern eher eisig und fremd bleibenden Plausibilität.
Wichtiger und Verkaufsargument überhaupt sind sowieso die wohlfallend übersichtlich eingefangenen Stunt-, Sturz und Schussszenen, die technische Kompetenz, die Schau von Material- und Personalgroßaufgebot in sonnendurchflutenden Panoramen. Front and bravado. Bereits der Einstieg legt mit Detonationen, Panzerabwehr- und anderen Handwaffen im engen Krisengebiet die zünftige Meßlatte an; ein Sturm der Affekte mit Schwerpunkt auf Schießereien samt Kollateralschäden bei Gesetzeshütern wie Spezialeinheit, Polizei, Wachmannschaft und zusätzlich noch herben Verlusten selbst bei Zivilisten. Auch im Ballungszentrum der Metropole Kuala Lumpur gehorcht man von Beginn dem Moment von Gewalt und Schnelligkeit, werden Verfolgungsjagden unterschiedlichster Coleur durch Einkaufs- und Fußgängerzonen geboten und Verkehrsstaus mit Karambolagen und dem Zündeln von Propangas-Tanklastern ausgelöst. Sämtliche kinetische Lebensgeister und ihre Nehmer- und Geberqualitäten erweckt, wobei es in der Gesamtheit an Einwirkung schon mehr die Masse und nicht wie gewohnt die einzelne Klasse macht und eine strengere Auswahl an Priorität vielleicht tatsächlich Wunder gewirkt hätte.