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Wenn es in amerikanischen Filmen um den Abstieg eines Mannes geht, dann denkt man schnell an die großen Scorseses "Hexenkessel" oder auch "Wie ein wilder Stier". Die Story eines Mannes, der ebenso die Steine sich selbst in den legt, wie Travis Bickle in Scorseses "Taxi Driver", ist die von "Mord an einem chinesischen Buchmacher" von John Cassavetes.

Cassavetes, der einzige hochdekorierte Regisseur, der nie einen seiner Filme mit Studiogeld produzierte, erzählt eine traurige, wahre Geschichte: Cosmo Vitelli (großartig: Ben Gazzara) ist ein selbstzerstörerischer Mann, der in fast jedem Fall immer die falsche Entscheidung trifft. Er leitet ein buntes Striplokal, dessen absurde Show eher wie eine Freakshow mit nackten Mädels wirkt, als eine sexy Stripshow. Seine Spielschulden bezahlt er gleich in der Eröffnungsszene des Films. Doch eine halbe Stunde später, steht er mit 23,000 Dollar bei dem zwiespältigen Gangster Mort Weil (Seymour Cassel) in der Kreide. Aus Spielsucht hat Cosmo die kompletten 23,000 Dollar verpokert, ohne nur einen Penny auf der Bank zu haben. Da Weil trotzdem eine entsprechende Entschädigung für die Moneten haben möchte, verlangt er Cosmo einen Mord ab. Er soll den titelgebenden chinesischen Buchmacher umbringen.

Cassavetes inszeniert dabei ganz typisch. Die Kamera fährt flüssig, viele Schnitte vermeidend über die Akteure, scheint den Ereignissen aber immer ein wenig hinterherzuhinken. Jeder fahrigen Geste schaut die Kamera zu spät hinterher. Die wackelige Handkamera wirkt spontan, dadurch wiederum wirken die Bilder authentisch und realistisch. Das Fehlen eines Soundtrackscores unterstreicht die ungekünstelte Atmo. Die Dialoge werden von den superben Darstellern schnell gezischt, teilweise, ganz im Cassavetes-Style, improvisiert. Die stärksten Szenen sind bei dem Psychodrama allerdings nicht die actionreichen, sondern die, in denen man Vitelli bei der Arbeit mit seinen Stripperinnen sieht. Familiär, gütig und vertraut gehen die Kollegen miteinander um. Aber doch kann er es ihnen nicht recht machen, und seine große Liebe auch nicht in seinem Ensemble halten. Vitelli meint sogar, mit einer Pistolenkugel im Bauch besser leben zu können, als zum Arzt zu gehen, und seinen Klub zu vernachlässigen.

Der Film verurteilt die falschen Abzweigungen im Leben des Cosmo Vitellis nicht. Sondern dokumentiert sie eher auf fabelhafte Weise. Cassavetes nimmt seinen tragischen Protagonisten ernst, ohne sich über seine missliche Lage zu amüsieren. Somit ist "Mord an einem chinesischen Buchmacher" ein wahrer, ehrlicher Thriller über den Abstieg eines Mannes, der dazu verurteilt ist, sein Glück nicht selber bestimmen zu können.

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