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Cosmo Vitelli (Ben Gazzara) betreibt das drittklassige Striplokal Crazy Horse West. Auf Einladung eines Mafioso begibt er sich mit 3 Stripperinnen in die Spielhölle Chip Ahoi und verliert prompt 23.000 Dollar. Will er seine Schulden nicht bezahlen kann, fordern ich die Gangster auf einen chinesischen Buchmacher zu ermorden. Zuerst sträubt sich Cosmo…
Der viel zu früh verstorbene Schauspieler, Drehbuchautor, Produzent und Regisseur John Cassavetes (1929-1989, eig. Ioannis Kassavetes ), als Sohn griechischer Einwanderer in New York geboren, gilt als wichtiger Wegbereiter des amerikanischen Independentfilms. Lange vor seine großen Erfolgen als Darsteller in „Das Dreckige Dutzend“ (1967) und „Rosemaries Baby“ (1969) gründet er 1956 einen Workshop für arbeitslose Schauspieler, mit denen er seine in Venedig prämierte erste Regiearbeit „Shadows“ (1959) verwirklicht. Enttäuscht von den Arbeitsbedingungen seiner erste Hollywood-Inszenierungen beschließt er 1968 nur noch unabhängig produzierte Filme zu drehen.
Auch sein 1975 entstandener erster Gangsterfilm ist im typischen Cassavetes-Stil gedreht: bereits 20 Jahre vor den Dogma-Manifest von Vinterberg, von Trier und Co. dreht der große Regisseur ausschließlich an Originalschauplätzen und ohne künstliche Beleuchtung. Die Handkamera zeigt in ¾ der gut 2 Stunden Spieldauer ausschließlich Porträtaufnahmen, so dass eine denkbar tiefe, Spannung erzeugende Intimität entsteht. Im Mittelpunkt des Geschehens sehen wir eine herausragende Leistung von Ben Gazzara (1930-2012, „Anatomie eines Mordes“ 1959, „Sie haben alle gelacht“ 1981, „Control“ 1987) als hoffnungsloser Idealist, der auch nach einem Bauchschuss versucht die Würde zu bewahren. „Ich kann Dich nicht in meinem Haus haben, weil ich nicht stark genug für Dich bin“, schleudert ihm deshalb die Mutter seiner Stripperfreundin entgegen, doch Cosmo Vitelli weiß, „Eure Wahrheit ist meine Unwahrheit… und umgekehrt“. „The Killing of a Chinese Bookie“ ist frühes Arthouse-Kino, das den Filmfreund in seinen Bann zieht. Ben Gazzara sagt nach John Cassavetes Tod „Niemand konnte arbeiten wie er. Niemand hat auch nur eine Ahnung, wie man so arbeiten kann wie er.“ (9/10)

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