Vergleichsweise ungewöhnlicher Thriller mit krud violenter Serienkillerthematik nach außen hin, die sich allerdings schnell und dann auch umso eruptiver in die Vorgeschichte dessen und damit ein Kindheitsdrama umwandelt. Mehrere Jahrzehnte umspannend, gefangen mehr im Gestern als im Heute, wobei das Springen zwischen den Zeiten vor und nach den Morden auch den eigentlichen Koeffizienten der Handlung und ihrer Dramaturgie ergibt. Der Wechsel erfolgt dabei öfters vom scheinbar offensichtlichen, so auch zuerst mit aller Kraft ausgespielten Genre der Erzeugung von Angst, Nervenkitzel und Brutalität hinweg zu einem mehr der Psychologie und Tragik verpflichteten Tiefe, auch wenn dies trotz oder auch wegen der erbitterten Versuche von Regisseur und Autor Kongkiai Komesiri, nach einer Idee von Wisit Sasanatieng, nicht immer vollständig erreicht und zuweilen auch ein wenig wiederholend im Kreise wirkt.
Die Kunst angestrengter Bemühungen und des zeitweiligen Erreichens ähnelt dabei fast mehr seinem gleichfalls emotional und weitschweifig intendierten Muay Thai Chayia als den reinen Horror - Versatzstücken Art of the Devil 2 und 3, an dessen Mitwirkung Sasanatieng ebenfalls beteiligt war. Hier wie dort steht eine Freundschaft im Mittelpunkt des Geschehens, die über viele Widerstände und Widrigkeiten und einhergehenden Veränderungen der Figuren hinweg sich unwillkürlich mitändert, und an dessen Ende die Personen zwar noch die Herkunft und das Einstmalige in sich spüren, nach dem Laufe der Jahre aber auch andere Faktoren ihre Eingriffe und Einschnitte in das Denken und Tun gemacht haben. Von Manhunter zu Fear Street zu Stand by Me, auf die böse Art. Und zurück:
Vollständig mit einem roten Regenmantel samt Kapuze verkleidet, wütet seit längerem ein umtriebiger Mörder in Bangkok, der seine vermeintlich wahllosen Opfer auf verschiedene Art und Weise tötet, sie mit Gegenständen vergewaltigt, entmannt, entweidet und danach in einem Reisekoffer verstaut. Spätestens als auch der Sohn des Premierministers dem Treiben zum Opfer fällt und zusätzlich zur Bloßstellung öffentlich ausgegangen wird, bekommt der ermittelnde Polizist Lieutenant Chin [ Chatchai Plengpanich ] mächtig Druck von oben und eine Frist zur Klärung vorgesetzt. Sein einziger Ausweg besteht in der Freilassung des ehemaligen Undercover-Cops und dabei auch zum Mörder gewordenen Tai [ Arak Amornsupasiri ], der in dem bestialisch Vorgehenden einen Bekannten aus seiner Jugend wiederzuerkennen glaubt. Während er mit Pistole, Spesen, einem Handy und der Vorgabe von 15 Tagen in seine Heimat zur Spuren- und Motivsuche zurückreist, gerät seine Frau Noi [ Jessica Pasaphan ] selber in die Kreise des Kriminellen. Und in das Visier des korrupten Cops.
Aufgeteilt wird dies im Grunde in drei gleiche Drittel, die jeweils an einem anderen Ort und mittig auf dem Lande, dem Platz der Provenienz, der schon damals alles andere als unbeschwerten, vergleichsweise aber noch belebten, da die Zukunft und das Jetzt noch nicht vollständig bestimmenden Kindheit darstellt. Der Anfang aller Dinge, hier in dem Fall quasi auch die Wurzel allen Übels, die später dann mit teils drastischen Mitteln mythisiert und gleichzeitig stilisiert und somit einer wieder gattungsaffinen Instrumentalisierung zugeführt wird, fällt in das unkonkrete Jugendalter, zwischen Pubertät als Beginn der Sexualität und dem beginnenden Erwachsenen. Zugleich in das Bekenntnishafte und das Unausweichliche, in das Neugierige, das noch Unbekümmerte, als auch das Verstörende, Quälende und Leidende. Die Adoleszenz hierbei nicht bloß als Beginn und Ende von Freundschaften, die erstmals als richtig und falsch identifiziert werden müssen, und als großes Abenteuer, sondern bald und damit alles anderes überschattend als andauernde Tour und Tortur von allgegenwärtigen Missbrauch. Sei es psychisch und physisch und sexuell durch die Gleichaltrigen als auch die Erwachsenen.
Ein alles Andere als publikumsfreundlicher Weg, in der das Elend auch nur wenige Ausdrücke und Wendungen, und somit noch weniger Trost, nur eine und immer wieder dieselbe Erklärung für die späteren, sowohl abstrakt verfremdeten und konkret schmerzhaften Mordtaten und nur die Metamorphose des Schicksals bereithält. Die Befreiung nach außen erfolgt über den Rahmen der Geschichte, die Ermittlungen von Tai und seinen ihn überwachenden, gleichzeitig befehlenden und in der Hand habenden Polizisten und die immer wieder mal eingespielten Mordtaten von Nat, der wie weiland Gevatter Tod, nur in knalligem Rot statt schwarz und so auch die spektakuläre und spekulative Öffentlichkeit suchend durch die Gesellschaft watet. Angereichert wird dies oft sinnlich wahrnehmbar, mit offenherzigen symbolischen Andeutungen, angefangen über die credit-Gestaltung in blutroten Rohrschachbildern bis hin zu einem grellen, da fast opernhaft im Giallo-Stil inszenierten Massaker während einer angesetzten Privatorgie, in der in einem Umfeld aus Theaterbühne, Karneval und Maskenball die mit sich selbst und ihrer Libido Beschäftigten vom hereinplatzenden Serienkiller mit Pistole und Shotgun hingerichtet werden.
Eine Mischung aus Aufführung, sadistischer Sexualakt und Kugelballett, aus Thesenkino, Sozialstudie und Exploitation, die albtraum- und verwunschen gleich den eigentlich barbarischen Akt prall in die rhythmische Ästhetik, bis hin zum Überlappen in das gotisch Groteske visualisiert. Als Vermehrung der Pracht, die im krassen Gegensatz zu den gezeigten, teils wahrlich exzessiven Gewaltaktionen ent- und eine absonderliche Verbindung aus privaten Schmerzen und sich daraus ergebenden Leidenschaften ersteht.