Review

Da lebt man jahrelang in dem Glauben, die definitive König-Artus-Verfilmung in John Boormans bewährten zu wissen, ergötzt sich am Soundtrack und als man dann endlich das Endprodukt betrachtet, ist man enttäuscht.
Sicherlich, das fertige Produkt wirkt schon kraftvoll und monumental, aber auch stilistisch uneinheitlich und streckenweise unfreiwillig komisch.

Boorman macht seine Sache recht ordentlich, wenn er den Leitsatz des Films „Ihr seid das Land und das Land seid ihr“ wörtlich nimmt und den Menschen als Figur in einer gigantischen Naturkulisse inszeniert, der sich den Unbillen des Schicksals gemäß mit dergleichen Entsprechung in der Natur auseinandersetzen muß.
Sind es gute Zeiten, blüht und brummt alles, sind es schlechte Zeiten, rottet alles grau, nebelig und unmenschlich vor sich hin.
Wer möchte, darf sich an den Bildern also von vorn bis hinten satt sehen.

Schade nur, daß die Figuren in der bombastischen Kulisse nahezu untergehen. Die monumentale Erzählung hat derart viele Facetten unterzubringen, daß trotz zweieinviertel Stunden Laufzeit die Handlung nur so voran spurtet, daß man kaum hinterherkommt.
Das wird keiner der Figuren gerecht, am allerwenigsten den Hauptfiguren Artus, Guinevra und Lancelot, die hier sichtlich blass abschneiden. Die verbotene Romanze, hier sogar im Bibelzusammenhang montiert, bleibt höchstens angetippt und fade und reduziert sich auf eine Nacktszene im Wald.

Was mit den Figuren wirklich fortschreitend vorgeht, erfährt man meist erst im Nachhinein, stets springt der Plot von einer handelnden Figur zur nächsten.
Der Ton ist immerhin ernst, aber die Dialoge sind so voll des hohlsten Ritterepospathos, daß es im Rüstungsgelenk arg quietscht. Wäre zu ertragen, wenn dann der Style des Films dem entsprochen hätte. Funktionieren tut es aber nur auf der erzählerischen Ebene, die die Endzeit der Magie und Naturverbundenheit postuliert und den Siegeszug von Moderne und Christentum in Gang setzt.

Ansonsten hätte bei den Dia- und Monologen nur noch das volle Dramabrett geholfen, der versierte Overkill, doch hier kann sich keiner der Macher entscheiden.
Zwar knüppelt ein fein geklauter Score in einzelnen Szenen die Greatest Hits von Wagner und Mahler und Orff („Carmina Burana“) raus, ansonsten fehlt der Score aber in entscheidenden Szenen ganz, setzt an falscher Stelle ein oder untergräbt die Dramatik.

Kein Meisterwerk auch die Ausstattung, die den Schrot-und-Korn-Ton des Plots mit den Meister-Propper-gewienerten Superrüstungen den Boden wegzieht, so daß man meint eine Sportpokalsammlung auf Waldwanderung zuzusehen. Nicht weniger albern und übertrieben die Kostüme der Damen, wo sich bisweilen ein unpassend orientalischer Stil reinmischt, wenn viel zu modern wirkende Schleier und Schnitte nicht schon den Effekt abgetötet haben. Von den qualitativ unterschiedlichen Bauten ganz zu schweigen.

Bei den Darstellern tummeln sich die größten Namen in den Nebenrollen: Gabriel Byrne gibt Artus Papi, Liam Neesen kloppt sich ebenso an der Tafelrunde wie Patrick Stewart. Leider kommen da die Hauptrollen nicht mit, samt und sondern vom Drehbuch im Stich gelassel.

Am ehesten in Erinnerung bleibt noch Nicol Williamsons Merlin, der das todernste Sagenspiel ständig mit halbwegs komischen Ausfällen ungewollt kontrakariert, als würde ihn das z.B. vom Machthunger angegeilte Gehampel einer Morgana reichlich belustigen.

Sicherlich findet „Excalibur“ aufgrund einiger wirklich gelungener Sequenzen und Schlachtgemälde seine Fans, mir aber bleibt der stilistische Mischmasch einfach eher als mißlungen in Erinnerung. Das definitive Avalon meets Camelot-Erlebnis ist bis daton noch nicht gefilmt. (5/10)

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