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Mafiaboss Bellavance (Ray Wise) kommt auf Kaution aus dem Gefängnis raus und will sich innerhalb der nächsten Tage mit seinem restlichen Vermögen aus dem Land schaffen. Dass Problem dabei ist, dass gierige Handlanger sich dieses Geld selber unter den Nagel gerissen haben. Seine vierköpfige Killer-Armee zieht daraufhin los um alle in Frage kommenden Personen samt Familie und Anwesenden zu eliminieren. Unter den Zielpersonen befindet sich auch die Patchwork-Familie Rutledge, die gerade in ein neues schickes Anwesen umzieht. Die Halbgeschwister Lauren (Fabianne Therese) und Owen (Ryan Hartwig) kommen nicht miteinander klar, da Owen nur mit Hilfe von Medikamenten seine Aggressionen im Griff hat und in seiner eigenen Welt lebt. Diese bösartige Seite von Owen soll sich aber noch als sehr hilfreich rausstellen, als die Gangster das Haus überfallen...

Schon zu Beginn macht Regisseur Steven C. Miller keine Gefangenen und zeigt mit aller Brutalität, dass ihm das völlig wumpe ist, ab wieviel Jahren sein Film eingestuft wird - bzw. in unserem Fall, ob wir das Teil hier ungeschnitten begutachten dürfen und da kann man nur sagen: Glück gehabt. Auch bei uns ist der Film uncut.
Nach dem brutalen Intro ist erst einmal Tapetenwechsel angesagt und man lernt die Patchwork-Familie kennen. Dies geschieht relativ unterhaltsam, so dass man den brachialen Anfang schon beinahe vergessen hat. Steven C. Miller stellt einen Charakter nach dem anderen vor, gibt ihnen damit etwas Tiefe und auch das neues Zuhause glänzt ganz doll und lässt sich prächtig ansehen.
Bemerkenswert dabei ist, dass ich mir den kleinen aggressiven Owen ganz anders vorgestellt habe. Denn Owen, den sein Vater Bill (Boyd Kestner) aus dem Krankenhaus entführt hat, macht nicht gerade den Eindruck eines Psychopathen.
Natürlich kann man erahnen, wenn man diverse Inhaltsangaben über "Aggression Scale" gelesen hat, dass der Schwerpunkt bei den beiden Geschwistern liegt, als die Gangste die Villa überfallen. Während die heranwachsende Lauren eher durch kreischen, weglaufen und Panik auffällt, dezimiert Owen die Gangster mit trickreichen, tödlichen Fallen. Es wird sozusagen ein surrealer Charakter erschaffen, der nicht jedem Zuschauer in den Kram oder Logik passen dürfte.

Owen präsentiert sich wie ein haushoch überlegener Elitesoldat mit herausragender Intelligenz, der entgegen der Aussagen der Fachärzte auch Gefühle zeigen kann (wobei ich mich frage, warum man überhaupt auf den Atteste-Schwachsinn eingehen muss, wenn scheinbar eh nur Stümper den armen Bub untersucht haben).
Das ist schon harter Tobak, einen zehnjährigen als Superman oder besser gesagt als kleinen Nachwuchs-Rambo darzustellen. Dementsprechend gibt es auch eine Rambo-Gedächtnis-Szene, in der mal schnell die Wunden "verarztet" werden. Ich selber drückte bei dem surrealen Charakter Owen gerne ein Auge zu, auch wenn durch die Ärztemeinungen irgendwie Logiklöcher entstehen.

Wenn man mit dieser Tatsache klar kommt, bekommt man für den Rest des Films ein atemberaubendes Katz- und Mausspiel geboten, das mit einigen derben Gewaltspitzen aufwarten kann und zudem durch abwechslungsreiche Locations glänzt - inklusive einem Finale mit Augenzwinkern.

"Aggression Scale" kann ich Thriller-Freunden empfehlen, die nicht zimperlich sind, wenn es mal blutig zur Sache geht. Der Knackpunkt, ob dieser Film einen gefallen könnte oder eher nicht, liegt bei dem zehnjährigen Jungen, der einen ziemlich übernatürlichen Charakter darstellt. Von mir gibt es Daumen hoch , weil es mal etwas anderes war.

7/10

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