Ein Internetjoke ist ein Internetjoke und ein Film ist ein Film.
Und manchmal sollte es auch so bleiben.
Fiebrige Erregung hatte sich seit Jahren im Fandom breitgemacht, schließlich geisterte da ja dieser unglaubliche Teaser durchs Web, mit dem Timo Vuorensola, der Macher der beliebten "Star Wreck"-Veralberungen, seinen Plan anpries, ein revolutionäres Werk wie "Iron Sky" zu inszenieren. Der Pitch, so brachial wie mitreißend: die Nazis haben in den letzten Kriegsjahren ein paar ihrer Truppen zum Mond geschossen und dort auf der dunklen Seite ein ganz neues Reich erschaffen. Diese neue, alte Macht strebt nun die Weltherrschaft mittels ihrer lethalen Hakenkreuzuntertassen an, mit der sie die Erde anno 2018 invasieren. Absolute Bombe - und so ein heikles Thema. Darf man darüber lachen?
Hätte man vielleicht gern.
2012 ist es endlich soweit, lange genug hatte es ja gedauert. Überhaupt Geldgeber für so ein Projekt ranzukarren, war so schwierig (immerhin lag der Reiz ja auch in den Spezialeffekten), daß schließlich das Fandom aufgefordert wurde, sich monetär zu beteiligen und da ließen sich die Fans in aller Herren Länder natürlich nicht lange lumpen. Das Monumentalwerk mußte schließlich fertig werden. Es fertigzustellen ist da schon die halbe Ostfront.
Aber, ach, auch die ward in der Realität stark überdehnt und als sie dann endlich stand, waren ganz viele Löcher drin, durch die man glatt die halbe rote Armee in Panzern schieben konnte. Hat man dann ja auch. Genauso geht es leider Vuorensolas Film, denn außer zu konstatieren, daß er und ein enthusiastisches Team einen abendfüllenden Film vollgekriegt haben, ist da nicht wirklich viel.
Gar nichts übrig geblieben ist zuallererst von dem sensationellen Hype der ursprünglichen Idee, die so abgefahren war, daß man sie eigentlich nur toternst oder als totale Farce inszenieren konnte. Erwartungsgemäß hätte man bei der Vorgeschichte der Finnen für die Farce votiert, aber einen grimmig-schrägen Invasionsfilm hätte man auch noch genießen können, schließlich leben wir seit Jahren mit Leuten wie Rodriguez oder Tarantino.
Leider steckt der fertige "Iron Sky" irgendwo dazwischen, in Sachen Inszenierungsart, im Genre, im Tonfall und vor allem im bemühten Witz. Letzterer fährt auf Teufel komm raus auf der "Hoho, die trauen sich aber was!"-Schiene, nur bieten weder Regie noch Drehbuch irgendein Talent auf, um sowas auch absurd genug auf Film zu bannen.
Stattdessen bewegen man sich mittelprächtig bis platt irgendwo im Niemandsland von "Wir trauen uns, aber wir kriegen es leider nicht besser hin!", was vorzugsweise den fehlenden Drehbuchautoren oder noch schlimmer den fehlenden Gagschreibern angelastet werden kann, wenn man denn eine Komödie erwartet.
Anfangs hofft man da noch inständig auf ein wenig Biss: eine Mondexpedition, seit Jahren die erste, weil die amtierende Präsidentin (die schon mal einfallsarm ein Sarah-Palin-Lookalike ist), ein paar bessere Werte für die Wiederwahl benötigt.
Ausnahmsweise hat man auch gleich einen Farbigen hochgeschickt, der allerdings eher aus PR-Gründen dabei ist und normalerweise eher modelt. Der fällt den Gasmaskenträgern aus dem hakenkreuzförmigen Mondgermania prompt in die Hände und damit vor die Füße, der dahinvegetierenden arischen Gesellschaft: Hitler ist gar nicht mehr angesagt, der neue Führer heißt "Kortzfleisch", ein Name, den Till Lindemann nicht besser als Filmtitel hätte wählen können. Doch der Kommunikationsfutzi Klaus Adler hat andere Pläne, will selbst Führer anstelle des Führers werden und mit dem blonden Lehrerinnenhaschmich Renate Richter blonde Kinder zeugen. Die wiederum ist so naiv wie idealistisch und scharf und präsentiert ungewollt an der nächsten Luftschleuse dem "Neger" erstmal die Strapse, als versehentlich der letzte Hauch von Atmosphäre flöten geht. Humor im luftleeren Raum!
Wenn schon die Invasoren so schlecht organisiert und uneinig sind, dann müssen es die Helden der Erde natürlich auch sein und neben dem schreckhaften Model (den man zwischendurch per "Albinisierer" mal eben von dunkelheutig auf schneeweiß strickt, was natürlich einen absoluten Bombengag abgibt, weil der "Schwatte" offenbar so deppert ist, dies stundenlang nicht zu bemerken, obwohl ein Blick auf seine eigenen Hände genügt hätte), laufen bei den Vereinten Nationen nur hirnamputierte Volldeppen rum, die zumindest halbgar realistisch alle auf den eigenen Vorteil bedacht sind.
Mit im Topf eine hyperagressive PR-Beraterin und viele, viele Mißverständnisse, von Chaplins Grundaussage aus dem "Great Dictator" bis zur der humoristisch-mongoloid ausgerichteten Idee, mit dem Ufo in einer Kifferplantage zu landen. Wer will, darf jetzt ne Tüte rauchen, bis der Sternenkrieg endlich losgeht, die SDI-Flotte gegen das Flottenschlachtschiff "Tannhäuser", denn um "5 Uhr 45 wird zurückgeschossen!". Ja, auf etwa diesem Humorniveau angedröhnter Achtjähriger geht es hier ständig zu.
Mit der Satire ist es also Essig in diesem Werk, das durchaus prädestiniert gewesen wäre, einige Spitzen in Richtung Weltpolitik und noch mehr Bösartigkeiten in Richtung NS-Zeit und Ideologie auszuteilen, doch der Witz bleibt so platt wie Flundern. Immer schön den einfachsten Weg wählen, den auch Grundschüler nachvollziehen können, Bezüge zur Realität mit dem dicken Edding markieren und jeden noch so gewollten Joke endlos lange ankündigen, um ihn dann noch qualvoll in die Länge zu ziehen.
Dieses Martyrium müssen leider die Darsteller vollziehen, die anstelle von absurden Abgedrehtheiten das Ganze in Form eines wortreichen Heimatfilmspektakels angehen, umständlich erzählt, abysmal zersabbelt und erfrischend witzlos präsentiert. Da kann ein gestandener Kunstmime wie Udo Kier noch so gut geeignet für den neuen Führer sein, was er hier halbkomatös vor sich hin ächzt, kann nur unter Drogen entstanden sein. Als Gegenstück (der Adler zum Kopf, hihi!) fungiert unser aller Vorzeigearier Götz Otto (warum hat man dem eigentlich einen eigenen Rollennamen gegeben?), der zwar vor Spielfreude und Augenrollen nur so platzt, aber dazu geschwurbelte Monologe aufsagen muß, für die man sogar in den Sissi-Filmen gesteinigt worden wäre. Das blauäugige Trio komplett macht Julia Dietze, die zwar hinreichend gut ausschaut und in Korsage und Stiefeln dem beliebten Nazi-Chic wieder das Lechzen beibringt, sich aber offenbar unter Gewaltandrohung selbst synchronisieren mußte. Egal ob Kinderstunde oder Weltuntergang, sie klingt in jeder Szene wie eine mitleidige Kindergärtnerin kurz nach dem hysterischen Ende des kollektiven Mittagsschlafs.
Dagegen wir Peta Sergeant als walkürig schnaubende PR-Beraterin geradezu hyperaktiv, als hätte sie 200 Folge Joan Collins im "Denver-Clan" eingepfiffen, um sich in Stimmung zu bringen - nur Talent hat sie leider kein besonderes.
Und so plätschern die Szenen dahin, eine nach der anderen, eine flacher als die vorherige. Aus der Invasion wird erstmal nichts, denn für die Energievesorgung des Superschlachtschiffes müssen ein paar I-Phones geklaut werden oder am besten gleich ein Notebook, die Anschlüsse sind seit Kriegsende wohl die gleichen geblieben. Doch nachdem man vollen allen Autoklaus der Welt (einfach, supereinfach, kinderleicht) unbedingt ein paar harten Rap-Brüdern den VW-Bus geklaut hat ("Wieso?" ist die vorherrschende Frage in diesem Film.), schwenkt man bald zur patenten Nazi-Ideologie, die man auch im Occupy-Zeitalter gut als präsidiale Werbekampagne verwenden kann.
Inzwischen ist dann eine Filmstunde um und wer jetzt nicht minimum döst, bewegt sich vermutlich sowieso auf dem Humorniveau des Tiefparterre und eiert sich auch beim letzten Nazi-Bezug noch von links nach quer, weil dat ja so originell ist. Man kann es aber auch Zeitschinden nennen, denn der Erbfolgekrieg auf Luna zum Schluß, der zur großen Raumschlacht führt, füllt eben nur das letzte Viertel. Da ziehen die Finnen dann ordentlich blank und haben für das schmale Budget auch ordentlich was auf die Beine gestellt, es kracht und bummst nach Herzenslust, nur einen patenten Endkampf kriegt man mit diesem Cast aus grenzdebilen Vollnieten natürlich nicht hin, da es außer dem GröGötz leider keinen kampffähigen 21th-Century-Herrenmenschen gibt.
Am Ende packt man dann noch für 5 Sekunden die "Nie, nie wieder"-Moralkeule aus und alles endet in der erfolgreich geklauten T3-Pointe (höhö!) und das Publikum darf dann endlich dem unbeugsamen Willen der Finnen applaudieren, die 90 Minuten vollbekommen zu haben oder sich zu grausen, wie man so etwas Sülziges und Unlustiges überhaupt auf einen Kinosaal loslassen konnte.
Frei von jeder scharfsinnigen Ironie herrscht hier der totale Dumpfsinn, kein Witz ist zu flach, um nicht dreimal betont zu werden und man überlebt die Attacke nur, weil zwischen den Witzen immer 10 Minuten Pause ist, in der meistens so gut wie nichts passiert. Gemahnt werden soll nicht und nachgedacht werden muß nicht, außer man bewegt sich auf sehr überschaubarem Stammtischniveau, wo offensichtlicher auch immer besser ist.
Die Chance, eine bahnbrechende Farce runterzureißen, bei der man geschmacklich angegriffen mal eben alle Poren öffnet, hat man schnöde versemmelt, stattdessen präsentiert sich die gute Idee als gut getarnter Geländewitz, den man ein ganzes Wochenende suchen darf.
Ja, über Nazis darf man hier lachen - will man aber wahrscheinlich nicht. Dann doch lieber Bruno im "Untergang" vor seinem Teller Spaghetti - Lachtränen für ein tausendjähriges Reich. (2/10)