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Die Nazis haben ihre Niederlage im zweiten Weltkrieg überstanden und sich auf dem Mond verschanzt. Als sie einen Astronauten, der auf dem Mond gelandet ist, gefangen nehmen, planen sie einen Ausflug zur Erde, um sich dort möglichst viele Smartphones besorgen zu können. Diese benötigen sie, um damit ihr größtes Raumschiff zu betreiben. In den USA angekommen, leisten sie erst einmal Wahlkampfhilfe für die Republikaner und bereiten schon einmal die Invasion vor.

Der Hype war groß und wurde über Jahre angeheizt. Man hat sich ausgesprochen kreative Möglichkeiten einfallen lassen, Geld für das Projekt einzutreiben und schließlich die Berlinale aufgemischt. An Bekanntheit hat die Nazi-Groteske die übrigen Teilnehmer bei Weitem übertroffen, auch den Gewinner. Damit stiegen natürlich auch die Erwartungen, die dann teilweise nicht erfüllt werden konnten. So handelt es sich bei “Iron Sky“ sicherlich nicht um die hintergründige Satire, die manch einer möglicherweise erwartet hatte, sondern mehr um Trash und Klamauk, aber in diesem Fall um solchen der ausgesprochen unterhaltsamen Art.

Satirische Ansätze sind zwar durchaus vorhanden, so werden wesentliche Eckpunkte der Nazi-Ideologie immer mal wieder demontiert und der Lächerlichkeit preisgegeben, ebenso wie ein Sarah-Palin-Verschnitt, der in den USA Wahlkampf für die Republikaner führt. Auch auf die internationale Politik wird ein ironischer Blick geworfen, etwa, wenn so ziemlich alle Länder ungeniert gestehen, gegen bestimmte Waffenabkommen verstoßen zu haben. Aber “Iron Sky“ ist dennoch keine Satire, das gibt er auch gar nicht vor.

Stattdessen bietet “Iron Sky“ Sci-fi und Trash, womit er überzeugt. Die Story ist bei der Grundidee angefangen herrlich abstrus, aber auch sehr einfallsreich und das allein macht schon einmal einen Großteil des Reizes dieses Films aus. Hinzu kommen zahlreiche skurrile und amüsante Einfälle, angefangen beim Albinisierungsmittel, das der dunkelhäutige Astronaut gespritzt bekommt, über die Mondbasis in Hakenkreuzform, bis hin zur Massenschlägerei der Regierungschefs bei der UNO. Dabei ist “Iron Sky“ frech und schnell erzählt und damit durchweg ausgesprochen kurzweilig. Zwischendurch werden bestimmte Personen und Ideologien durch den Kakao gezogen und auch hier überzeugt der Film auf ganzer Linie und scheut weder den Schlag unter die Gürtellinie, noch den überzogenen Gag.

Dazu gibt es viele Action-Szenen, die man sich aus verschiedenen Sci-fi-Filmen zusammengeklaut hat, die angesichts des Budgets aber ausgesprochen gut aussehen. Nebenbei parodiert man dann noch einige Genrefilme und so hat “Iron Sky“ auch ohne höheren Anspruch einen wirklich gelungenen Unterhaltungswert, auch wenn er viele seiner Ansätze nicht weiter verfolgt und sich in der einen oder anderen Idee ein wenig verrennt. Inszenatorisch und vor allem darstellerisch wird zudem gute Arbeit geleistet.

Fazit:
Eine bissige Satire ist “Iron Sky“ zwar nicht geworden, aber er ist Trash der besten Sorte. Er zieht Personen und Ideologien, auf die er anspielt, durch den Dreck, parodiert den einen oder anderen Sci-fi-Film, ist herrlich abstrus und amüsant. Ein Film für einen ausgesprochen unterhaltsamen Kinoabend.

80%

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