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Anfängliche dunkle Bildtafeln stellen die Fakten der dem Film zugrundeliegenden Kriegssituation in nüchterner Form dar, und es darf auch nicht das berühmte "Nach einer wahren Begebenheit" fehlen, welches gerne gezogen wird, um einem Film noch einen weiteren dramaturgisch-spannungstechnischen Kick zu geben. Dem Film hat das leider nicht viel genützt. Zwar verfügt er über eine schöne versöhnliche Geschichte mit guten moralischen Zügen, aber INTO THE WHITE fehlt durchgängig eine packende Dramatik und wirkliche Spannungshöhepunkte, obwohl es dazu bei der einfachen, aber potentiell berührenden Geschichte genügend Gelegenheit gegeben hätte.

Die Geschichte der notgelandeten deutschen und englischen Kampfpiloten in der Schneewüste Norwegens, die in der gleichen Hütte eine Notunterkunft suchen, stellt eine eigentlich sehr gutes Szenario für Beispiele von Menschlichkeit in einem unmenschlichen Krieg dar. Aber weder geht das Drehbuch und die Charakterzeichnung in die Tiefe, noch kann sich INTO THE WHITE von diversen Klischees losreißen und präsentiert auch gerade in den wichtigsten Momenten der ersten Gegenüberstellung der eigentlich feindlichen Piloten grandios einfältige Dialoge, wie auch in der restlichen Spielzeit. In welcher Sprache sich die Parteien von der ersten Sekunde an perfekt und ohne Akzent unterhalten, soll natürlich auch als Nebensächlichkeit gewertet werden.

Auch formal sind das oft verschleppte Tempo und der holperige Schnitt, die biedere Kamera die meist aus der Halbtotal agiert und diverse dramaturgischen Schwächen bestimmend für die Beurteilung von INTO THE WHITE. Anfängliche Abgrenzungen der Parteien, insbesondere der Deutschen Soldaten, die sofort das Sagen im Hause mit Gewalt durchsetzen, verkommen deswegen aufgrund ihrer gespielten Ernsthaftigkeit, unrealistischen und wenig glaubhaften Mimik und Gestik der britischen Soldaten und der starken schwarz-weiß Darstellung der Deutschen leider zu einer großen Parade der Klischees. Die Begrenzung der Handlung fast ausschließlich auf die Hütte kann auch ohne weiteres als "Kammerspiel im Schnee" bezeichnet werden.

Stichwort Schnee. Auf der positiven Seiten von INTO THE WHITE sind die schönen bis bedrohlichen Schneelandschaften zu nennen und die wenigen durchaus besinnlichen Momente innerhalb der Geschichte. Auch den relativ erfahrenen Darstellern merkt man ihre Leidenschaft für den Film an und die Leistungen sind durchweg solide. Dennoch wirkt alles aufgrund der anderen Faktoren nicht wirklich glaubhaft. Auch die deutsche Synchronisation hat ihre Tücken und wirkt bei einigen Mimen suboptimal. Aber leider aufgrund der oben genannten formalen Schwächen und man merkt INTO THE WHITE die starken Budgetbeschränkungen schon an.

Daraus resultieren einige Längen und man sollte weder auf Action oder spektakuläre Szenen warten, die gibt es nämlich nicht wirklich. Diese braucht es auch nicht. INTO THE WHITE setzt mehr auf Atmosphäre und seinen authentischen Hintergrund. Sollte also jemand ein Kriegsdrama Komplettist und in der Lage sein, die genannten filmischen Rahmenbedingungen zu akzeptieren, könnte durchaus ein veritabler individueller Unterhaltungsfaktor entstehen. Der norwegische Regisseur Petter Næss dürfte aufgrund seiner bislang gedrehten Filme bei uns noch nicht so bekannt sein. Zumindest bei mir wird sich das leider nach INTO THE WHITE auch nicht ändern, auch wenn ich nicht so weit gehen würde und vermessen das Gesehene als eine verpasste Chance zu bezeichnen.

4,5/10 Äxten….äh,….Punkten

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