"Das hier sind außergewöhnliche Umstände, Leutnant, die eine Zusammenarbeit erfordern."
"Into the White" ist ein ambitioniertes Kriegsdrama, das einen Teil des 2. Weltkrieges nicht durch große Schlachten oder Strategien dokumentiert. Auf Basis wahrer Begebenheit erzählt der Film die Geschichte um fünf Personen, die in einer unwirtlichen Gegend ihre Überzeugungen niederlegen müssen, um gemeinsam zu überleben.
Im Winter 1940 liefern sich die englische und die deutsche Luftwaffe erbitterte Kämpfe. Über Norwegen wird die deutsche Besatzung Leutnant Horst Schopis (Florian Lukas), Gefreiter Josef Schwartz (David Kross) und Feldwebel Wolfgang Strunk (Stig Henrik Hoff) abgeschossen. Unterschlupf finden sie in einer kleinen Hütte, wo sie sich bis zur Besserung des Wetters niederlassen wollen. Aber auch die englischen Piloten Captain Charles P. Davenport (Lachlan Nieboer) und Robert Smith (Rupert Grint) fielen vom Himmel und suchen Unterschlupf in der gleichen Hütte. Zunächst beäugen sich beide Parteien misstrauisch. Die lebensbedrohliche Kälte und die Nahrungsknappheit zwingt sie allerdings nach kurzer Zeit miteinander zu kooperieren.
Die Grundkonstellation des Kriegsdramas mit der isolierten Begegnung von kleinen Feindesgruppen oder Einzelkämpfern außerhalb der Kriegsroutine wurde schon in so manchem Film variiert. Aber egal wer genau gegen wen kämpft, im Zweifelsfall behält die unbarmherzige Natur die Oberhand. In hierigem Fall zwingt die sich scheinbar endlos ausdehnende Eishölle auch die erbittertsten Kontrahenten dazu, zusammenzurücken. Im Mikrokosmos der Hütte klagen sich die geschundenen Soldaten gegenseitig ihr Leid und dabei stoßen unterschiedlichste Lebenswelten aufeinander. Diese überaus reizvolle Prämisse wird allerdings nur bedingt ausgereizt.
Der Fokus von "Into the White" liegt auf einer entsprechend mentalen und körperlichen Grenzsituation abseits von Gefechten. Action gibt es nur minimal. Selbst der Absturz zu Beginn wird nur angedeutet und mangels eines ordentlichen Budgets nicht bebildert.
Die recht konstruierte Handlung enthält einige Überraschungen, das Tempo bricht dazwischen aber dennoch immer wieder ein. Die Szenen in denen sich Spannungen zwischen den Parteien aufbauen funktionieren. Der Film schafft es aber nicht unter die Oberfläche der Figuren zu gelangen und stellt sie eher klischeehaft dar. Hier geht viel Potential verloren
Die überwiegend bekannten Darsteller harmonieren zwar, hinterlassen aber keinen nachhaltigen Eindruck. Vor allem die Möglichkeiten von Florian Lukas ("Nordwand") und David Kross ("Krabat") werden verspielt während Rupert Grint ("Harry Potter"-Reihe) noch nach einer Orientierung sucht.
Eine vielversprechende Ausgangsidee, eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen und unverkennbar gute Absichten sind nicht genug für einen gänzlich runden Film. Die Geschichte gleicht einem Kammerspiel. Den verfeindeten Fronten bleibt letztendlich nur der Dialog um sich auseinander zu setzen. Überraschende Ereignisse sorgen für Abwechslung. Allerdings mangelt es den Figuren an Charakter und den Darstellern an Freiraum. Dadurch entstehen Längen, die das ambitionierte Kriegsdrama nicht nötig gehabt hätte. Sehr knappe ...
7 / 10