Review

Wenn ich nun schon mit „Terror Eyes!“ (1989) so einen akuten, ultra-raren Anthologie-Schinken aus der Güteklasse für begabte Studenten ausgebuddelt habe, kann ich auch gleich damit weitermachen und nein, besser wird es nicht.
Während sich an den 89er-Film nun wirklich keiner mehr erinnern kann, der dabei war, hat „Escapes“ von 1986 noch einen unschlagbaren Vorteil auf der Pfanne, mit dem er dem Vergessen auf ewig trotzen wird: Vincent Price.

Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie David Steensland den großen Mimen von einer Teilnahme überzeugt hat – möglicherweise war er Vincents Fußpfleger, denn – so höret das vertrauten Raunen des Publikums – „Escapes“ blieb Steenslands einziger Filmcredit. Dieses filmische Plunderstück ist so knorke geworden, dass sich bisher nicht mal auf der (englischen) Wikipedia jemand die Mühe gemacht, ihn einzutragen.

In und um Sacramento gedreht, geriet der Film irgendwo auch noch auf den Science-Fiction-Channel und bekam nachgerade auch noch eine VHS-Verwertung spendiert, auch wenn der Look arg nach Videotechnik müffelt. Vielleicht hab ich aber auch nur eine schlechte Kopie geraucht.

Zur Rahmenhandlung: in einer, wie mir scheint, unglaublichen Hommage an Ed Wood und Bela Lugosi, sieht man ein Paar altersschwere Beine sich über den Bürgersteig schleppen und ja, es handelt sich um Vincent Price in (Post-)Uniform, der eine ominöse VHS abliefert. Matthew, der angebliche Teenager des Hauses (na gut, Twen vielleicht), öffnet das Ding, talkt erstmal mit seinem Kumpel und wirft sich dann mangels anderer Alternativen (hey, sturmfreie Bude) das Band in den Player.

Im Film ist aber noch mal Rahmenhandlung angesagt und in dieser begrüßt Price die Zuschauer noch mal in bizarrer Umgebung einer Räumlichkeit, aus der lauter Körperteile aus den Wänden wachsen zu scheinen. Immerhin darf er jetzt einen Anzug tragen und sieht auch gleich viel würdevoller aus. Er begrüßt uns zu sechs Episoden kurioser Natur und die laufen damit an…

Die erste Nichtigkeit ist ein minimaler Joke namens „A little fishy“, in dem ein Angler bei seinem üblichen Tagewerk angegriffen wird, als ihm selbst ein Köder in den Weg kommt. „Coffee Break“ im Anschluss hat noch ehesten das Prädikat verdient, etwas in der Tradition einer gruseligen Anthologie zu sein. Ins kleinen Kaff Harmony, irgendwo im Wald hinter den 7 Zwergen, verfährt man sich bloß, offensiv hin möchte da keiner. Und alle landen irgendwann bei einem der Anwohner, einem halbtoten, gemütlichen und sehr gesprächigen alten Herrn, der die szenische Route empfiehlt und die Schönheit der Landschaft predigt. Ganz zu schweigen von dem guten Kaffee, den man genießen soll. Ein junges Paar nimmt die Tipps dankbar an, ein etwas ungehobelter Lieferfahrer hat nicht ganz so viel Glück, da ihm die Zeit im Nacken sitzt. Das führt dann dazu, dass er endlos im Kreis fährt, bis er dann doch in besagtes Cafe geht. Doch viel besser wird es auch da nicht für ihn.
Wenn man den Joke erst mal hat, braucht man hier auf eine Pointe nicht mehr zu warten, aber offenbar durfte jeder im örtlichen Seniorenheim als Statist mitwirken.
In der dritten Episode nascht ein moppeliger Jogger Schokoriegel auf fernen Waldwegen und wird fortan von zwei angeblichen Sasquatschs verfolgt. Tatsächlich sind das zwei Typen, die sich eine murksige Halloweenmaske übergezogen haben und frechweg im Film behaupten, die Viecher würden so aussehen. Leider hat auch diese Folge eine Pointe wie ein abgebranntes Streichholz, ist aber auch nur wenige Minuten lang.

Episode 4 dagegen ist ein Fall für „Basil Exposition“, denn der Fall der traurigen Goldsucherwitwe, der die Penunse für die täglich Cräcker langsam ausgeht, die aber immer noch an den großen Fund im Claim glaubt, muss erstmal gut ausgebreitet werden, möglichst von irgendwelchen Stadtbewohnern beim Plausch. Später crasht ihr ein Ufo in die Unterkunft und wird von ihr wieder freigebuddelt. Die Aliens machen daraufhin nen Schuh und lassen dicke Goldklumpen zurück. Sorry, ich war eingeschlafen…
Die fünfte Runde ist noch mal ein Fall für die späten 80er, denn dieses de facto praktisch wortlose Werk hat man in ein oder zwei heruntergekommenen „back streets“ von Sacramento schnell zusammen gehäkelt. Irgendein Futzi läuft halt durch die Straßen und hat einen leuchtenden Stein in der Tasche. Irgendwann will er das Brot für andere Obdachlose brechen, doch ein Straßenräuber reißt ihn nieder und klaut den Karfunkel. Kurz darauf rennt er aber vor ein Auto, woraufhin der Stein ihn verschluckt (jaja, das klingt doof und dämlich, aber anders kann ich mir das inhaltlich nicht erklären). Der Autofahrer schaut eine Weile verblüfft. Dann kommt der Samariter zurück, hebt den Stein auf und lässt den Räuber so wieder heraus.
Ja, so hab ich auch geschaut.

Zurück in die Rahmenhandlung, in der Vincent unserem Matthew persönlich von der VHS begrüßt und da kommt dann noch sowas wie der kleine Zeh einer Pointe hinterher, aber dann ist es auch schon egal.

Ganz klar, selbst mit 73 Minuten ist „Escapes“ eine ganz üble Gurke, die sich dreimal so lang anfühlt wie sie lang ist. Vincent Price war nur einen Tag am Set und seine wenigen Szenen wickelt er mit so viel Routine ab, wie sie nur gestandene Mimen auch für nichtige Aufgaben erübrigen können. Der Rest vom Fest darf natürlich wie immer beim Schauspielfest in Klein Klöpse weiterhin nur den Vorhang bedienen, was allerdings auch schwer fällt, wenn man den einfallslosen Umgang mit Dramaturgie und Plot bedenkt. Pointen fallen aus oder hinken, die Comedy-Inserts sind so lala und richtige Dialoge trimmte man auf eine absolutes Minimum, wenn nicht sowieso alles stumm blieb. Der Film hat einen fiesen Dreh, sonst wohl nur gute Absichten, wie sie in den Herzschmerz-Twilight-Zone-Episoden angesiedelt waren, an die Steensland aber nie im Leben herankommt.

Manchmal streift die Inszenierung sogar den Videoclip- oder Amateurfilmbereich, hat man die Befürchtung und es gibt dann auch keinen Grusel oder Gore zu bestaunen, „Escapes“ ist bestenfalls etwas zickige Fantasy mit Märchenelementen.
Immerhin, das Filmchen geistert dank seines Gaststars immer noch durchs Internet, aber das ist auch schon der maximale Erfolg, der sich aus dem Film ziehen lässt, den man problemlos ab 12 freigeben kann.
Aber von einem Kauf würde ich auch abraten. (2/10)

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