In dem Kleinstadtnest Cold Rock verschwinden seit geraumer Zeit Kinder spurlos ohne wieder aufgefunden zu werden. Gerüchte machen die Runde, „der Schwarze Mann“, hier genannt: „Tall Man“, würde die Kinder verschleppen. Ein paar Dorfbewohner schwören darauf, ihn in den Wäldern gesehen zu haben. Krankenschwester Julia (Jessica Biel) dagegen tut die Gerüchte als dummes Gewäsch ab. Bis ihr eigenes Kind verschwindet…
Sollte die erste US-Produktion von Pascal Laugier, dem Regisseur von MARTYRS, doch eigentlich das HELLRAISER-Remake sein, führten unüberbrückbare Interessenskonflikte zwischen Produktionsfirma „Dimenson“ und dem Franzosen dazu, dass das Projekt auf Eis gelegt wurde und Laugier sich anderweitig betätigte. Dieses „anderweitig“ können wir uns nun in filmischer Form zu Gemüte führen. THE TALL MAN heißt er und, gleich mal vorweg, ist kein komabrutaler Foltermarathon wie es MARTYRS war.
THE TALL MAN ist eher Horror…, eigentlich nicht Horror, sondern eher Thriller der dezenten Klänge, bei dem man bis zum Schluss nicht genau weiß, woran man eigentlich ist. Zentrale Figur ist jedenfalls Krankenschwester Julie, gespielt von einer nicht nur bildhübschen, sondern sogar schauspielerisch überzeugenden Jessica Biel (TOTAL RECALL-Remake, TCM-Remake, VALENTINSTAG). Man vermutet einen Schizo-Horror im Stile von HIGH TENSION oder Carpenters THE WARD. Dann wieder meint man, die ganze Stadt habe sich gegen Julia verschworen und hängt in den Kindesentführungen mit drin. Dann wiederum – ACHTUNG: SPOILER! – erfährt man, dass Julia mit dem „Tall Man“ im Bunde steht (SPOILER ENDE!). Doch welcher Art ist dieses Bündnis? Gibt es den „Tall Man“ überhaupt wirklich? Und was macht er mit all den entführten Kindern?
Fragen über Fragen, die der Film nur nach und nach und unter dem Druck der voranschreitenden Zeit beantwortet. Filme über Menschen, die auf unerklärliche, überaus phantastische oder gar gruselige Weise verschwinden gab es ja schon des Öfteren, siehe z.B. SPURLOS oder PULSE. In THE TALL MAN spürt man nie die Macht des Übersinnlichen. Auch auf Schocks und Hochspannung wird verzichtet. Der Film konzentriert sich eher auf die verschiedenen Frauen-Schicksale. Frauen standen auch in MARTYRS im Mittelpunkt, auch wenn ihr Leiden hauptsächlich körperlicher Natur war. In THE TALL MAN widmet sich Regisseur Laugier nun weltlicheren weiblichen Seelenqualen, z.B. dem Verlust des Kindes, dem Tode des Ehemannes, Unterdrückung durch den prügelnden Ehemann. Der Film ist irgendwann mehr Psychostudie und Frauendrama als Horrorfilm. Wer also einen packenden Schocker mit Kapuze tragenden JEEPERS CREEPERS- oder REEKER-Killer erwartet hat, guckt hier ganz schön in die Röhre. Der Plot schlägt zwar Haken wie ein Hase auf der Flucht, dennoch ist THE TALL MAN als Horrorfilm nur mangelhaft überzeugend.
Neben (der hier eigentlich ganz erträglichen) Modelfresse Jessica Biel, sind noch weitere bekannte Gesichter unter den Akteuren, wie z.B. Stephen McHattie (WATCHMEN, 2012, KRIEG DER GÖTTER) und William B. Davis (bekannt als der „Krebskandidat“ aus AKTE X).
Ich weiß nicht so recht, was ich von THE TALL MAN halten soll. Nur soviel: Ich fand ihn nicht sonderlich berauschend. Weder in spannungs- noch storytechnischer Hinsicht. Titelmonster „Tall Man“ verkommt fast zur Nebensache und Gore wird gar keiner geboten. Wirklich gar keiner. Und das vom Macher von MARTYRS. …Vielleicht besser, dass das mit dem HELLRAISER-Remake jetzt wer anders erledigt.
Beil: (-)(-)(-)(-)(-)
Biel: (+)(+)(+)(+)(-) – wie immer: geil!
Fazit:
Der einzig wahre „Tall Man“ ist und bleibt eben Angus Scrimm.