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Die Spannung war sehr groß auf das neue Werk von Regisseur Pacal Laugier, denn er hat viele von uns mit MARTYRS einen kompromisslosen Mindfuck-Film präsentiert. Dementsprechend sollte man offen an THE TALL MAN herangehen, weil er alles andere als eine Weiterführung der reinen Horrorschiene ist. Daraus resultiert auch die nachvollziehbare Enttäuschung bei einigen Sehern. THE TALL MAN ist mehr Thriller und vielschichtiger und auch von der Story irritierender als MARTYRS und auch ähnliche Genrebeiträge.

Getragen wird der Film vor allem von der soliden Leistung von Jessica-Botoxface-Biel, die hier für mich ihre Reloaded 2.0-Biel Performance abliefert. Mich hat sie durchweg überzeugt, denn sie konnte gut vom sanften Engel- auf das eher gegenteilige Gesicht umschalten wenn nötig. Überhaupt wechselt THE TALL MAN drei Mal die Hauptfigur, was vor allem im Mittelteil mit einem gewaltigen Twist erst einmal für Verwirrung sorgt. Hier hängt der Film leicht durch und verliert sicher einige Zuschauer um sich dann langsam wieder zu fangen.

"Straight-to-the-face-Horrorliebhaber", die klare Ansagen in der Genreabgrenzung brauchen, eine mehr schwarz-weiße Verteilung von Gut und Böse und offene Enden in Filmen unterbewusst als unangenehm empfinden, werden THE TALL MAN ablehnen. Ich kann diese Meinung durchaus nachvollziehen. Der Film fordert tatsächlich die Geduld und das Durchhaltevermögen des Zuschauers im letzten Drittel. Um dann aber wieder Gas zu geben und vor allem für das leicht hass-geliebte Verstörungsgefühl nach dem Film zu sorgen.

Die Geschichte der verschwindenden Kinder in einem Dorf liefert bewusst alle natürlichen und übernatürlichen Erklärungen frei Haus und lässt uns als Zuschauer erfolgreich im Erklärungsnest zappeln. THE TALL MAN ist voller guter Atmosphäre, die Spannung gerade in der ersten Hälfte ist oft wirklich sessellehnenumklammernd und Suspense liegt oft in der Luft, weil eben bewusst keine klare Richtung vorgeben wird. THE TALL MAN hat nicht viele, aber auch schön explizite Gorehound-Blut-Brötchen-Effekte im Angebot.

Der Film schafft es trotz gewisser Logik- und Konsistenzprobleme, die klar auf der Hand liegen, dennoch zum Nachdenken anzuregen. Vielleicht nicht so existenziell wie in MARTYRS, aber dennoch ist er ein guter mentaler Nachbrenner was durchaus ein relevantes Qualitätsmerkmal eines Genrefilms sein sollte. Auch die letzten 10 Sekunden von THE TALL MAN lassen einem mit Gänsehaut zurück und so gebe ich mit einigem Abstand, der dem Film in der Nachwirkung und Bewertung zumindest bei mir gut getan hat, sehr solide

6,5/10 Punkten

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