Review
von lambs
The Tall Man(2012)
!!!Achtung Spoiler!!!
Pascal Laugier's Hollywood Debut nach seinem Überfilm Martyrs von 2008 überrascht und ist aber zugleich seltsam brav und könnte soviel mehr sein. Dabei ist The Tall Man genauso wenig ein 08/15 US Geister Flick, wie Martyrs eben keine sinnlose Schlachtgurke war.
Julia(Jessica Biel) ist eine junge Ärztin in einem verschlafenen Waldstädtchen namens Cold Rock. Einst blühte hier Wirtschaft und deren Einwohner. Diese Zeiten sind aber lange vorbei und ein behäbiger Trott hat Einzug in die idyllische Gemeinde gehalten. Von Zeit zu Zeit verschwinden allerdings auf höchst geheimnisvolle Art und Weise die Kinder einiger Einwohner. Auch Julia's Sohn wird entführt. Die Legende vom großen bösen Mann macht die Runde...
Die Formel für sein neustes Werk ist genau die Selbe wie bei Martyrs. Das ist erfrischend für Nichtkenner seines düsteren Erstlings und bildet auch einen schönen Kontrast zum gegenwärtigen US Horror. Kenner des französischen Kult Schocker's werden spätestens nach der Hälfte des Rätsels wissen, wo der Hase hin hoppelt. Das mag immer noch gut unterhalten, ist zum Teil sehr spannend und wirklich edel gefilmt. Soundtrack, Kamera, Schnittabfolge...alles erste Güte.
Aber wenn die Handlung schon derart viele Haken und Wendungen schlägt, die allesamt zwar befriedigend und stimmig erläutert werden und nur wenige Fragen offen lassen, dann möchte ich das mit mehr AHA, WOW und TAMTAM sehen. Das ist einfach alles eine Spur zu subtil. Die Botschaft am Ende kommt an, hallt nach, aber der Mega Mind F*ck ist das halt leider nicht geworden. Gerade die Gewichtung der etwas zu vielen Figuren, schadet dem Twist Regen. Einige Figuren werden gar nicht beleuchtet, andere hingegen strecken die Handlung unnötig. Das da anfangs erstmal wenig Empathie aufkommt, liegt im Nachhinein zwar an der Auflösung des Ganzen, wurde aber eben in Martyrs viel ergreifender gestaltet.
Schuld daran haben aber nicht die Schauspieler, sondern die Zügel hinter der Kamera. Sogar Jessica Biel kommt weit über ihre sonstige Neandertaler Mimik hinaus, spielt sehr glaubhaft und zeigt auch etwas Mut zur Hässlichkeit. Aber auch hier muss man den jungen Französinnen aus Martyrs noch mehr zugestehen...da kommt Mrs. Biel einfach nicht heran. Der Rest des Castes erfüllt die Storyecken und fällt nicht weiter ins Gewicht.
Es bleibt ein guter Film in Erinnerung, der gerade in Hinsicht auf Figurenzeichnung und etwas mehr Kontroverse bei der Spannungsschraube in ungeahnte höhen geflattert wäre.
Beim nächsten mal bitte wieder etwas mehr Mut zum Außergewöhnlichen...7/10