TOKYO RAIDERS
Eine Kamerafahrt samt Zoom, über die ultimative Großstadtmetropole "Tokio", dann taucht sie hinab in die unendlichen Tiefen, dieses einzigartigen Labyrinths, um in den Menschenmassen ihres und somit auch das Augenmerk des geneigten Zuschauers auf einen Mann zu richten. Bei seinem Kleidungsstil sticht besonders der lange Mantel (Matrix lässt grüßen) und ein Hut hervor. Er läuft einen Schirm schwingend, eine der vielen Strassen entlang und obwohl er weiß -er wird beobachtet- lässt er sich dies nicht anmerken. Der kleine Kerl entpuppt sich als eine Art Inspektor Gadget, welcher mit Hilfe von diversen Spezialutensilien wie z.B. Rauchgranaten oder Geleebomben und seinem Schirm, sowie seiner Kung Fu-Künste zu einem durchaus ernstzunehmenden Gegner für Jedermann/Frau werden könnte. Natürlich kann er die Angreifer in die Flucht bzw. zu Boden schlagen und im weiteren Filmverlauf gesellen sich zu Lin (Tony Leung) noch Macy (Kelly Chen) die bei ihrer eigenen Hochzeit vom Zukünftigen versetzt wurde und Yung (Ekin Cheng) der Designer/Innenarchitekt von Macy's Nobelapartment. (!?!)
Oder sollte ich besser sagen Lin gesellt sich zu ihnen!? Egal, im Grunde war ihr Aufeinander treffen nur eine Frage der Zeit, denn Macy's Verlobter (Takahashi) hat es Faustdick hinter den Ohren, ist er doch in illegale Geschäfte mit der Yakuza (Handel mit gefälschten Geldscheinen) verstrickt. Macy soll nun Lin helfen Takahashi zu finden, da dieser untergetaucht ist und aus diesem Grund wohl auch nicht bei der Hochzeit erscheinen konnte. Somit ist die nötige Geschichte erzählt und man hat noch genug Zeit, um dieses Dreamteam von einer Verfolgungsjagd zur nächsten zu hetzen. Für noch mehr Verwirrungen sorgt der CIA, hat dieser doch ebenfalls seine Finger im Spiel.
Wahnsinn!
Wahnsinn zum einen, dass solch ein bescheuertes Drehbuch die Grundlage für einen Film ist und Wahnsinn zum anderen wie dieser Film dann trotzdem funktioniert.
Was hier mal wieder in Sachen Action + funktionierender Gag-Unterhaltung geboten wird ist einfach der Hammer. Das Quartett setzt sich aus Tony Leung, Ekin Cheng, Kelly Chen und Cecillia Cheung (als Edelbitch in Leder), welche die rechte Hand von Lin verkörpert, zusammen. Eine Traumbesetzung also, und damit diese den Film nicht allein tragen muss, was selbstverständlich auch gar nicht vorgesehen war, schneiderte man ihnen einfach ein Action-Highlight nach dem anderen auf bzw. um den Leib. Herausgekommen ist ein Film wie er NUR aus Hongkong kommen kann.
Regisseur Jingle Ma lässt es Krachen und schaffte es mit einem Minimum an Story und dem Maximum an optischer Präsentation bzw. mit dem physischen Einsatz der Darsteller einen Blockbusterfilm der Superlative auf Zelluloid zu bahnen. Langweilig wird es nie, da nur wenig Zeit zum pausieren bleibt. Allerdings wurde der Actionreigen ein wenig übertrieben und läuft Gefahr eine Art Übersättigung zu erreichen, weshalb Nichterprobte Zuschauer solcher HK-Produktionen schnell auch mal gelangweilt das Handtuch werfen könnten.
Overkill.
Diesmal trieb man den Matrix-Stil auf die Spitze. Das Bild friert ein und doch fuhrwerkt die Kamera wie ein Berserker, dann wieder läuft die Sequenz mit doppelter Geschwindigkeit ab, irgendwie eine Abart von Slow- und Fastmotion, und doch, in optischer Hinsicht, ziemlich flashige High-Gloss-Dynamik. Was das heißen soll? Keine Ahnung bzw. ich finde es schweinegeil!
In Hong Kong wurde dieser Mainstream-Mix aus rasanten Verfolgungsjagden, Martial Arts-Kämpfen und Shootouts am laufenden Meter ein riesiger Erfolg und sollte, alle Fans, zutiefst befriedigen! Immerhin hat’s für ne Fortsetzung „Seoul Raiders“ gereicht. Ach ja die Musikuntermalung ist mal sehr untypisch für einen HK-Film, aber solltet ihr mal auf den Karnevals-Umzügen in Rio De Janeiro sein, wird euch diese bekannt vorkommen.
Bekommt 7 von möglichen 10 Punkten.