Crime Drama von Johnnie To, der sich die Produktionsmittel für derlei lokal und mit eher unangenehmen Themen gesetzte, nicht gerade die Zuschauer in Scharen lockenden Arbeiten vor allem mit Romantischen Komödien um Mann und Frau und ihren Anziehungskräften zueinander verdient. Hierbei steht allerdings das Geld und damit auch die Gier bzw. der Mangel an Barem und Werten im Vordergrund, sind sämtliche Gefühle und damit auch das gesamte betrachtete Leben nur danach ausgerichtet, am Ende des Tages entweder mehr, oder zumindest nicht weniger an Materiellen auf der hohen Kante als noch am Morgen zu haben. Gefeilscht, gehandelt und verhandelt und letzten Endes auch mit gewalttätigen Mitteln genommen wird dabei quer durch alle Bevölkerungs- und Altersschichten; eine unangenehme Aktualität mit zeitgenössischen Zusätzen, in denen die andauernde Finanzkrise ebenso seine Rolle spielt wie Immobilienblasen und um sich greifende Arbeitsplatzverlust. Die Gewinner und die Verlierer vom Hang Seng Index:
Um seinen ständig in Schwierigkeiten geratenen Boss Ng Yin-wah [ Eddie Cheung ] zumindest auf Kaution vom drohenden Gefängnis freizukaufen, beschließt der Kleinkriminelle Panther [ Lau Ching-wan ] vorübergehend beim zwielichtigen Buchmacher Law Siu-lung [ Patrick Keung ] auszuhelfen, was sich bald als nächster Schritt in die Misere auszuweiten droht. Denn Law gerät bei der um sich schlagenden Krise des Aktienkurses schnell selber in die Bredouille, vor allem durch Schulden beim nicht mit sich Spassen lassenden Mr. Sung [ Terence Yin ], der vor Drohung und Gewalt nicht zurückschreckt. Um rasch an möglichst viel Geld heranzukommen, beschliessen Panther und Law einen Überfall auf den Kredithai Chung Yuen [ Lo Hoi-pang ], der als Art private Bank mit hohen Einsatz, aber auch hohen Zinsen fungiert. Doch der Überfall geht aus mehreren Gründen schief und hinterlässt einen Toten, was den sowieso die Triaden überwachenden Polizisten Inspector Cheung Ching-fong [ Richie Ren ] von der West Kowloon Crime Unit auf den Plan ruft. Nicht zu vergessen die von einer Kündigung in Aussicht und Schrecken versetzte Kundenberater der MT Bank, Teresa Chan [ Denise Ho ], bei der ohne Wissen Anderer noch ganze 5 Millionen des Verstorbenen gelagert sind. Das Geld zur Anzeige bringen, oder doch mit heim und für höchstwahrscheinlich kommenden harte Zeiten nehmen?
Entstanden ursprünglich als Death of a Hostage, was nunmehr nur noch die Relevanz durch die ursprüngliche Besetzung, aber trotz verbuchten Alternativtitel keinerlei Bezug mehr zum fertigen Werk hat. (Diese Arbeit wurde schließlich und zeitnah letztjährig durch Law Chi-leung mit Punished in Zufriedenheit vollendet.) Filmemacher To griff stattdessen die um sich schlagenden Veränderungen in Politik, Finanzmarkt und so auch Gesellschaft für seine Betrachtungen auf, lässt immer wieder die Nachrichten von sackenden Kursen, platzenden Träumen und auch die Entwicklungen in USA, den BRIC - Staaten und gerade auch Europa mit Griechenland in den Alltag der hier observierten Menschen mit einfließen. Letztlich dient dies als Stimmungsbarometer für alle Menschen, als ungefähr gleicher Zustand der gesamten Population, und so als zwar auch augenblickliche, aber ebenso zum Charakter gewordene Sondierung.
Nicht umsonst ist der Hauptschauplatz eine Bank, wird dort das Verfahren der Kundenbetreuung auch gleichsam quälend langsam bis frappierend demaskierend dargelegt; finden gerade in diesem Umfeld nicht nur die Hebel von Druck und Macht und Angst, sondern auch der Verrat eigener Überzeugungen aufgrund dessen und die Beeinflussung des im Grunde daran gar nicht so unschuldigen Kunden statt. Denn die Warnhinweise für eine Spekulation hoher Risiken sind mehrmals da, gleichfalls wie jede Schranke zu dem Luftschloss übermäßig hoher Renditen und des Traumes von den in den Schoß fliegenden Geldscheinen mehrmals überwunden werden muss. Ein Gut und ein Böse gibt es hierbei nicht, zeigt die gewohnt zurückhaltende, alles im Blick habende und dem Zuschauer die Details mal mitzeigend, mal im Hintergrund lassende Regie gleich mehrere Perspektiven mit unterschiedlichen und wechselnden Sympathien. So stehen anfangs, mittig und final jeweils eine Gewalttat in der Aufmerksamkeit, ist das Drumherum und nicht die Ermittlungen der Polizei aber entscheidend. Die Kamera hat Kleinigkeiten in der Masse an Einzelposten genauso im Blick wie auch Viel in Wenig gezeigt und gesagt wird.
Denn nach außen hin handelt es sich dabei tatsächlich um die Konkurrenz von Polizei zu Gangster, spielen die Hak se wui, die Triaden hier immer noch, nur eine gänzlich andere als die gewohnte Bestimmer-Rolle. Viel- und nunmehr sind sie genauso von den Umstürzungen am Aktienmarkt betroffen, müssen sich genauso Geld bei Kredithaien borgen und genauso mit dem wenigen Vorhandenen an Barem hantieren. Die Zeiten für allesamt nicht rosig, ein im Grunde für sonstige Triadenepen, auch die aus der Handschrift von Johnnie To selber stammenden, doch schon richtig peinliches und besonders entblößendes Verfahren, dass durch die gewohnt edle, klar-kühle Darstellung des Filmes und seinem erneut ästhetischen Schaffen und Handeln noch weiter entlarvt wird.
Tatsächliche Neuigkeiten gibt es dabei natürlich nicht zu sehen, wird vielmehr Bekanntes und Gewohntes in Aufsätzen gespalten und zusätzlich in unterschiedliche Zeitebenen und Mikrokosmos und Makrokosmos sowie Realität und Absurdität zerlegt. Die Überlegungen oder eine erweiterte Nachfrage nach persönlichen Verhalten finden nicht vom Milkyway Creative Team, einschließlich noch der Vielzahl der Autoren Au Kin-yee, Ben Wong King-fai, Yau Nai-hoi, Yip Tin-shing und Jeff Cheung Ka-kit, sondern vom mehr oder weniger Mit-Betroffenen Zuschauer statt; der sich, trotz oder auch wegen der Betrachtung für einen entscheidenden Moment ohne umfassende Herkunft und Charakterisierung, bei nahezu jeder der hiesigen Figuren in die selbe erst lockende, dann brisante Lage versetzen kann. Das schnöde Geld ? Oder doch lieber das gute Gewissen ?