Review

Absolut harmlos, absolut vorhersehbar und dennoch grundsolide sympathisch - so könnte man "Kochen ist Chefsache" umschreiben, sofern man sich von allen Erwartungen bezüglich bekannter französischer Komikvorbilder und modernen Humors verabschiedet.
Ein Film für die Betagteren unter uns und selbst die stellen gewisse Ansprüche, was Plotentwicklungen und Überraschungen in der Handlung angeht, die über diesen braven Spaß hinausgehen.

Das Grundgerüst ist so solide wie berechenbar: ein manisches Talent, das keinen (ihm unangemessenen) Job lange behalten kann und ein Drei-Sterne-Chef, der sich um den dritten Stern dringend Gedanken machen muß, weil sein Chef ihn rausekeln will und er keine echten Ideen mehr hat.
Will man dafür ein Attribut an die Tür hängen, dann ist "Comme un Chef" nett und putzig, denn seine Figuren sind es auch.
Michael Youn als der aufstrebende, aber ungeschickte Aufsteiger kann seine Ambitionen auch nicht in der Fernfahrerkneipe unterdrücken, Jean Reno ist das Arbeitstier unter Druck, der sich plötzlich mit einer sensationellen Unterstützung konfrontiert sieht, die sich mehr und mehr emanzipiert und schließlich den Meister selbst verbessern will, weil er diesen besser kennt als der sich selbst.
Mit in den Top müssen: Renos vor der Prüfung stehende Tochter samt familiärer Vernachlässigungsproblematik; Youns schwangere Frau, die ihm die Beziehung kündigt, der Ekelvorgesetzte aus dem Baukasten, ein paar windige Molekularköche, die für den Untergang der französischen Küche stehen (etwas was sich seit den Zeiten von "Brust oder Keule" nicht wirklich geändert hat) und drei Hilfsköche aus dem Alterheim, die zu Assistenten geraten.

Ablaufen muß das dann natürlich nach bewährtem Schema: Vorstellung - Problemerfassung - Zusammenführung - Verkomplizierung - innere Konflikte - persönliche Weiterentwicklung - Rettung in letzter Sekunde: ein Prinzip, daß es schon tausendfach gegeben hat und das sich auf ewig wiederholen wird, weil es eben so bewährt ist. Da man das hier mit zahlreichen frischen Lebensmitteln, leckeren Gerichten und spezifischen Delikatessen anrichtet, sieht alles ganz appetitlich aus, die Macher können jedoch nicht verhehlen, daß es ihnen selbst bei 84 Minuten fröhlicher Laufzeit und entspannter Atmosphäre deutlich an Ideen und Überraschungen mangelt.
Am ehesten stört noch das Fehlen jeglicher Überspitzungen und das gemütliche Tempo, daß trotz akuter Zeitnot hier angeschlagen wird. Natürlich erwartet niemand einen Uptempo-Film a la Louis de Funes, aber immer wenn man meint, jetzt könnte sich das Drama mal zuspitzen oder die Figuren abheben (etwa beim spanischen Molekularkoch oder den drei Hilfsköchen), zieht man wieder den Stecker und kehrt fügsam zum Plot zurück, dessen Ausgang man lange vorher schon erahnen kann.
Nichts gegen etwas Lebensweisheit zwischen Lamm, Brioches und Entenwürfeln, aber sympathische Figuren allein machen nur den wirklich versöhnlichen Zuschauern einen unbeschwerten Abend, allen anderen fehlt es im Skript vermutlich an flotten Ideen, witzigen Dialogen und zündenderen Schlagabtauschen. Na klar, sympathisch ist und bleibt das alles und die Sequenz im Molekularrestaurant, in das sich unsere Protagonisten als japanisches Samurai- und Geisha-Pärchen schmuggeln, hat echtes Potential, aber gerade hier hetzt das Skript die Figuren durch die kulinarischen Absurditäten mit einer Eile, die sonst nicht aufkommt und den Witz der präsentierten Mutationen gar nicht erst aufkommen läßt.
Wenn also Witz, dann stimmt das Timing nicht und wenn denn Schwelgen in Delikatessen angesagt wäre, läßt der Film dramaturgische Lücken - jetzt ahnt man, wie wichtig für eine Komödie nicht nur der Ton, sondern auch gut zugehauene Nebenfiguren sein könnten.

"Mäßig" wird wohl das überwiegende Urteil der Beteiligten sein, insgesamt bewerte ich den Film aber vor allem wegen Renos Ausstrahlung als gemütlich leichte Kost, von der man sich apart berieseln lassen kann, ohne jedoch einen echten Wiedersehensfaktor zu produzieren, dazu fehlt es einfach an erinnerungswerten Sequenzen. Wäre es ein Soufflé, wäre es wohl eingefallen, aber noch genießbar. (5/10)

Details
Ähnliche Filme