Wen dieser Film nicht berührt, der hat kein Herz
Es gibt Filme die berühren einfach. Das mehrfach preisgekrönte Drama BEASTS OF THE SOUTHERN WILD (im Folgenden kurz: BEATS genannt) lebt von der Verbindung mit der Natur und seiner märchenhaften Geschichte und der kleinen Hushpuppy, die das Ganze aus ihrer einerseits kindlichen, aber dafür auch umso philosophisch-radikalen Sicht kommentiert. Die Aussage des Films ist auch in mehrfacher Hinsicht als Parabel auf unsere Industriegesellschaft zu interpretieren.
Die Kritik an der Umweltverschmutzung, globaler Erwärmung, Klimawandel usw. ist deutlich, aber nicht mit dem Dampfhammer aufgetragen. Die Geschichte in den Sümpfen in der Nähe von New Orleans, ein Gebiet genannt "die Badewanne", und wie die 6-jährige Hushpuppy (Quvenzhané Wallis) dort den Alltag in der Armut erlebt, ihren Umgang mit den Tieren begeistert von den ersten Minuten an. Doch dann zieht ein Sturm auf…BEATS lebt von der starken Kameraführung, die immer ganz dicht bei den Protagonisten an den Gesichtern ist wenn nötig.
Trotz relativ viel Handkamera-Einsatz beeindruckt der Film von seinen starken Bildern der Natur und des Alltags der Menschen. Die Visualisierung generell ist außergewöhnlich zu bezeichnen. Die berührenden Bilder erzielen oft in geradezu hypnotischer Weise ihre Wirkung. Der Grundtenor insgesamt ist in mehrerer Hinsicht als magisch zu bezeichnen, und auch die fantastischen Bilder sind gelungen und nicht übertrieben und erfahren am Ende sogar ein mythologisch/metaphysische Überhöhung, die sogar ohne übertriebene Klischees und Tränendrüsen auskommt.
Man könnte so viel über BEATS schreiben und interpretieren, aber ich will mich hier relativ kurz fassen um den Interessierten Seher nicht die Erwartung zu hoch zu schrauben und auch Überraschungen zulassen. Jedenfalls hält BEATS das Niveau auch bis zum Schluss aufrecht, als Hushpuppy vor ganz andere Herausforderungen gestellt wird. Die Leistung der 9-jährigen zwischen Instinkt, Überlebenswillen, Selbstbewusstsein, kindlicher Naivität, Egozentrik und Natürlichkeit sollte jeden Menschen berühren.
Sicherlich ist einiges geschönt im Film und die die romantische Überbetonung des Slums verdeckt einiges von dem wirklichen Leid und der tatsächlichen Armut die dort normalerweise herrscht. Aber für ein Erstlingswerk von Regisseur Benh Zeitlin ist BEATS umso erstaunlicher gelungen und deswegen gibt’s von mir eine große Empfehlung aufgrund des doch insgesamt sehr außergewöhnlichen und einmaligen Charakters von BEASTS.
8,5/10 Punkten