Manchmal scheinen sich Vorurteile zu bestätigen, denn wenn es darum geht, inwieweit Menschen manipulativ sind, dürften die US-Amerikaner deutlich vorn liegen. Zumindest sind die tatsächlichen Begebenheiten, die sich in den Neunzigern abgespielt haben, nicht von der Hand zu weisen: 70 Vorfälle in 30 US-Bundesstaaten mussten sich erst ereignen, bevor sie den Übeltäter derbster Telefonstreiche dingfest machen konnten.
Einen davon verübte der Mann, der sich als Officer Davis (Pat Healy) ausgab in einem Fastfood-Restaurant, in dem Filialleiterin Sandra (Ann Dowd) einen ohnehin schon stressigen Freitag verbrachte, da jemand vom Personal die Kühltür offen ließ, was mit rund 1500 Dollar Schaden einherging.
Und nun auch noch der Anruf des Cops, der die Angestellte Becky (Dreama Walker) unter Arrest stellt, weil sie einer Kundin das Portemonnaie gestohlen haben soll…
Würde man das Geschehen nicht selbst fassungslos verfolgen und über die wahren Hintergründe Bescheid wissen, könnte man kaum glauben, wie unendlich naiv und dumm manche Menschen sind. Klar und rational denkende Leute würden die Finte nach wenigen Sätzen entlarven können, nach dem Vorgesetzten fragen, sich nach einem Anwalt erkundigen oder spätestens nach einer Viertelstunde wundern, warum kein Cop vor Ort ist und so hätte sich die Geschichte nach drei Minuten erledigt. Hier dauert sie sage und schreibe dreieinhalb Stunden.
Und es ist ein nervenzerreißendes Martyrium, welches Becky über sich ergehen lässt: Von der Durchsuchung ihrer persönlichen Klamotten, über das komplette Entkleiden, bis hin zum nackten Vornüberbeugen gegenüber eines involvierten, im Prinzip völlig fremden Mannes, womit jedoch noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist.
Irgendwann ertappt man sich dabei, selbst zum zynischen Voyeur zu mutieren, der im Verlauf über die Dummheiten der Beteiligten nur noch den Kopf schütteln und schmunzeln kann, - so traurig die Angelegenheit auch für das Opfer ist.
Performt wird das Ganze indes solide bis hervorragend, vor allem Dreama Walker macht eine authentische Wandlung durch, während Telefonpeiniger Pat Healy vor allem durch die süffisanten Nuancen positiv auffällt. Aber auch der Rest der Riege agiert mindestens passabel.
Recht gut sind überdies einige Metaphern ausgefallen, wie beim Leertrinken eines Getränks aus dem Plastikbecher oder beim Zurücklassen eines benutzten Bestecks. Die Kamera ist stets nah am Geschehen, während der zurückhaltende Score die bedrückende Atmosphäre adäquat untermauert.
Am Ende hätte sich Autor und Regisseur Craig Zobel vielleicht nicht unbedingt den eklatantesten Fall der Anrufreihe herauspicken sollen, denn er unterstreicht relativ unreflektiert, wie leicht manche Menschen, vielleicht auch stressbedingt manipulierbar sind. Ohne gehöriges Kopfschütteln kann die Chose definitiv nicht verdaut werden, doch man ist anderweitig mit großer Aufmerksamkeit bei der Sache bei den zahlreichen hanebüchenen Aufforderungen des so genannten Polizisten, dem zumindest auf jede Frage eine Antwort einfällt. Interessant, zuweilen packend und erdrückend und im weitesten Sinne die Maxi-Version von „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“…
6,5 von 10