Ein mit dem Messer aufgeschnittenes, unebenmäßig zerrissenes Schwarzweißfoto einer jungen, einer attraktiven Frau leitet den Film ein. Blut läuft metaphorisch über ihr abgebildetes Gesicht, ein aggressives Rot, dass jede Schönheit verwirrt und zerstört.
Um die Unmoral, die Gefahr und das Verbotene dreht sich die Handlung ebenso wie um die anrüchige Sexualität, die Begierde zwischen zwei Menschen, die aus Wollust zueinander der Verführung trotz aller Warnungen und Bedenken keinen Widerstand bieten können. Der Einlass in die Privat- und Intimsphäre, der Kampf um die Selbstbeherrschung und Selbstsicherheit im andauernden Geschlechterkrieg und die Kontrolle über die eigenen Instinkte stehen im Mittelpunkt des schwülen Geschehens. Die Behauptung der Frau in der Männerdomäne, in der sie neben einer abgeklärten Zügelung und der jederzeitigen Veränderung der Realität zusätzlich noch lernen muss, wie man das Spiel der Gefühle zum eigenen Gunsten entscheidet.
Zucht und Disziplin sind dabei Fremdwörter für Autor / Regisseur Lo Gin, der sein Werk im Speichern von Abläufen offensichtlich aus gleich mehreren Fundgruben gespeist hat; der Urtext liegt bei Joe Eszterhas, eine Melodienfolge aus Das Messer, Verraten und Basic Instinct, plus addierenden Einzelverweisen auf Kap der Angst [ der nächtliche Angriff der angeheuerten Schlägertruppe ] und Blutmond [ der brennende Rollstuhl ], zuweilen gar in ein und derselben schizophrenen Einstellung. Das Vorgehen in Zyklen beweist eine gut informierte Quelle, ein eingepflanzter Reigen an erinnernden Ideen, aber mit wenig Einfluss auf Lernerfolg, auf dem Bedürfnis nach Herausforderungen und kompetenter Bewältigung. Denn abseits einer ästhetisch ausgewiesenen Umgebung und dem Anschneiden verschiedener Identitäten nicht nur in seinen Figuren, sondern auch in der eigenen volkskundlichen Materialfülle, die schon nahezu eine Retrospektive zusammengestellt, fehlt es neben der Abstraktion vor allem auch an Konkretion und Einfühlung.
Ansätze einer Seelenforschung verblassen in althergebrachter Küchenpsychologie, Freudscher Emulsion und einer immer schwächer werdenden Konstruktion des Bildes mit zunehmend unsubtilen Holzhammer-Analogien. Erstaunlich und bekümmerlich, wenn man bedenkt, dass Lo bei seinem Einstieg in das Filmgeschäft das Buch zu He Lives by Night [ 1982 ] vorweisen konnte, der im identischen sex & crime Milieu bereits präziser sowohl an den Konturen der Taten als auch des Täters gefeilt hat und hier nur auf möglichst stimulierende Erlebnisse in verstärkter Visualisierung ausgerichtet ist. Auch wenn er mit einer guten Portion betörender Unberechenbarkeit, Radikalität und getreu dem Titel auch Fatalität halbwegs ausgleichen kann:
Die Polizeianwärterin Debbie Fung [ Auffälliger Pluspunkt der Besetzung: Ellen Chan ] wird trotz guter Leistungen aus der Akademie geschmissen; eine eifersüchtige Konkurrentin hat ihr einen Diebstahl untergeschoben. Debbie verschweigt den Vorfall ihrer Mutter [ Maria Cordero ] und sieht sich heimlich nach einer neuen Anstellung um, als ihr Officer Ma [ Karel Wong ] und seine beiden Sergeants Michael Chang [ Paul Che ] und Lung Kim Sang [ Si Gaai-Keung ] von der Special Force ein Angebot machen. Debbie soll sich nach einer raschen Ausbildung als Undercover bei dem schwer reichen Geschäftsmann Lau Fuk Tin [ Leichter Abzug in der B-Note: Michael Wong ] einschleusen, um in seinen vier Wänden nach Beweisen für die mutmaßliche Ermordung von acht Frauen ausfindig zu machen; ganz nebenbei auch der anti-narcotics Einheit belastendes Material für Laus vermutete Beteiligung am Drogenhandel zuspielen. Debbie erregt schnell Aufmerksamkeit des Junggesellen, quartiert sich ebenso eilig in sein trautes Heim ein, verfällt aber dessen Charme und wird viel eher von den mysteriösen Hausangestellten und Laus Berater Paul [ Billy Ching ] verängstigt als von dem harmlosen Anzugträger. Und dann fällt ihre Tarnung auf.
Über ein wahrhaft vielfältiges Spannungsverhältnis verfügt der preiswerte, nicht gleich gänzlich billig wirkende Film abseits der Option an vertrauten Reizen und Sachverhalten von Beginn weg an nicht oder nutzt sie abseits einer Häufung von Ausrufezeichen, dem pretty rough der Aggression nicht.
Das Kammerspiel des Ordinären kann auch der kolportierten Großmannssucht nicht viel entgegen setzen; Lau heizt zwar in einigen Szenen den Porsche durch die Gegend, seine "Villa" ist seitens der Ausstatter aber nur das bessere Einfamilienhaus, Marke Fertigbau. Eine belanglos durchgestylte Butze statt dem feuchtwarmen Salon D'Amour, die obgleich begehbarer Anziehkammer den banalen Charme einer schwülstigen Soapkulisse aufweist. Das Esszimmer, zu dem beim Kerzenschein und Klaviergeklimper die frivolen Blicke und Dialoge geworfen und die Weinflaschen geleert werden, gehört sichtlich schon gar nicht mehr dazu und macht ebenso die phone-ins wie auch der cholerische Officer Ma, der in heikleren Situationen immer mal den Ratschlags- und Rettungsanruf bekommt.
Doch weder, ob die Bedrohung denn nun tatsächlich besteht, noch woher sie denn genau kommt und inwiefern sie Einfluss auf die Heranwachsende Debbie ausübt kann die Lust an der Angst und Verstörung derartig anfachen, dass ein beklemmender Nutzeffekt von Erotik mit Thrill aufkeimt. Die coming attractions Eingangszene, ein albtraumhafter Fernblick in die Notaufnahme des örtlichen Krankenhauses stellt zwar schon die Vorkenntnis bereit und gibt die dräuende Ahnung bei auf das, was ihr noch bevorstehen wird, wenn sie es nicht schaffen sollte, ihre persönliche Entwicklung mit sich und der Umwelt in Einklang zu bringen, und somit auch das eigene (Über)Leben zu sichern.
Es wird nie angerissen oder gar ausgesprochen, aber innerhalb des vollmundigen Setting ist die physisch ausgereifte, ihre Reize betonende, ja auf dem ersten Höhepunkt der rauschhaften Passion befindliche Debbie evidenterweise noch Jungfrau, hat sich ihre greifbar anatomische Sinnlichkeit zugunsten der Karriere noch aufgespart und außer dem Verdächtigen Lau auch keinen anderen Mann im Leben. Es wird kein Vater erwähnt, Officer Ma und seine beiden Hanseln versprühen keinerlei Triebhaftigkeit, ein ehemaliges Teammitglied [ Charlie Ng ] würde zwar gerne mit der fleischlich Omnipotenten, wird aber nur als Kumpel und nie etwas Anderes betrachtet. Trotz der ersten Hinweise, dass sie sich nicht nur körperlich im Kampf gegenüber ihren Kollegen beweisen kann und dass sie zumindest im Berufsleben über weitaus genug Selbstvertrauen und Durchsetzungsvermögen, sei es auch aus Trotz, falschem Stolz und Unbeteiligtsein verfügt, wird beizeiten deutlich, dass die leiblich noch unversehrte Sicherheit nur trügerisch ist und sie den Anforderungen des Kommenden nur Wenig entgegensetzen kann. Bzw. ihr die diskriminierend vereinfachende, wenn auch schematisch einprägsame Regie im appetitanregenden Weichzeichner kaum Möglichkeiten dazu gibt.
Weder existieren in der delikaten Tag-und-Nacht Observation eine konventionelle Anbahnung noch Verlauf noch Aussöhnung zwischen den vorgeblich geschlechterspezifischen Beteiligten, die auch von Grund auf eine bessere bzw. in ihrem Fall schlechtere Ausgangsposition und nicht annähernd ein Gleichgewichtsmodell besitzen. Sie arm, Er Multimillionär. Sie wohnte noch bei der [natürlich geldgierigen] Mutter, er besitzt eine Villa und hat das Leben als Frühwaise allein gemeistert, schuldet Niemand und Nichts eine Rechenschaft.
In all der groben Eindeutigkeit, die die Regie mit holprigem Szenenanschluss, bemüht dramatischen Wendungen, vermeintlich großromantischen Gefühlen, oftmals verfehltem Timing und missratener Kameraführung im Übermaß vermittelt, schlägt sie sich unzweifelhaft auf die Seite des Mannes: Er ist in der finanziellen, der intellektuellen, der emotionalen und auch der sexuellen Machtposition und kontrolliert somit in überaus dominanter Weise ihren Gemütszustand. Für ihn ist die Gelegenheit immer günstig. Das alte Klischee von "Er will immer, Sie kann immer."
Ein beharrlich machohafter Blick, für den die Frau an sich nur Objekt der Begierde und ansonsten vollkommen unbekanntes Wesen ist, dem keine Erneuerung einer bestehenden Anpassung zugestanden wird. Denn eigentlich wäre ihre Mission bald zu Ende, macht sie im Denken, Fühlen, Verhalten und Umgehen mit der Außenwelt doch Alles falsch, was man nur falsch machen kann, kennt nichts und weiß nichts, läuft blindlings in jede Falle und unterliegt ständig einem Irrtum. Und bekommt im Gegenzug in diversen Sport- und Duschszenen noch abträglich bewilligt, dass sie sich bloß, aber dann umso mehr über ihren einladend wohlgeformten Körper und seiner full frontal nudity Entblößung definiert. Ein Spielzeug von Neugierde und Appetenz, vom Mann mit entsprechend verschwenderischem Imponiergehabe ausgekostet.