Die sehr erfahrene Regisseurin Doris Dörrie zeigt uns die Geschichte des Zusammenkommens zweier junger Outlaws in Berlin auf Basis der entsprechenden Kurzgeschichte von Ferdinand von Schirach. Sie schafft es aufgrund einiger hypnotisch-intensiven Szenen und dem weithin glaubhaften Spiels der beiden Protagonisten doch ein weitgehend überzeugendes Drama zu präsentieren, welches allerdings nicht ganz ohne diverse Klischees in der Darstellung des Lebens auf der Straße auskommt.
Hier eine kurze Zusammenfassung des Films ohne etwas wesentliches vorwegzunehmen (OHNE SPOILER!): Irina (Alba Rohrwachter) flüchtet illegal vor dem Krieg in Osteuropa ohne Aufenthaltserlaubnis nach Berlin. Sie arbeitet dort als Prostituierte und lernt den Punk Kalle (Vinzenz Kiefer) auf der Straße kennen. Die beiden kommen sich näher aber werden durch ein einschneidendes Ereignis vor existenzielle Probleme gestellt….
Allerdings kommt sowohl das Leben in der Prostitution als auch des Punks ohne festen Wohnsitz sehr romantisch positiv-verklärt daher und deckt sich nur wenig mit den realen Verhältnissen. Auch legt Kalle erstaunlicherweise von heute auf morgen sein Punk Outfit ab und es sind nicht mal Einstichlöcher der Piercings in seinem – für das Leben auf der Straße ziemlich wohlerhaltenen und durchtrainierten – Körper zu sehen.
Ich vermisse somit ein wenig die großartige Erfahrung von Doris Dörrie den Film ein wenig glaubhafter und authentischer wirken zu lassen. Auch wird eine Figur am Anfang gross eingeführt um dann im Laufe des Film komplett bis zum Ende wieder aufzutauchen. Hier wären mehr drin geweisen. Leider wirkt GLÜCK am Ende dadurch teilweise wie eine unreife Abschlußarbeit von Filmstudenten. Dennoch hebt er sich deutlich über Drama Durchschnittskost deutscher Regisseure hinweg und kann somit empfohlen werden.
5,5/10 Piercings....äh,....Punkten