Ich wollte, ich könnte mit Shakespeare sprechen und sagen „Wer hätte gedacht, dass der alte Mann noch so viel Blut in sich hatte!“, nur weil Walter Hill nach gefühlt zwanzigjähriger Pause mal wieder einen guten alten Buddy-Movie dreht, vorzugsweise weil die Retro-80er-Welle dank seines Stars Sylvester Stallone wieder Auftrieb erhalten hatte und gutes Geld für kleines Investment versprach.
Tatsächlich tuten die Fans auch alle kräftig ins Horn, wie gut und nostalgisch der Film ausgefallen ist, wie klassisch konstruiert und von der Kritik auch noch falsch verstanden.
Kann ich leider so nicht unterschreiben, „Bullet to the Head“ aka „Shootout“ ist eigentlich nur ein Dokument dafür, dass dieses Actionsubgenre inzwischen gerechtfertigt in der Direct-to-DVD-Schiene untergekommen ist.
Da geht es Stallone nicht anders als Schwarzenegger, der mit ähnlichen Reminiszenzen an bessere Zeiten nach seiner Politkarriere an der Kasse gescheitert ist.
Hill ist deutlich in die Jahre gekommen, Stallone trotz solidem Workouts auch und die bekannten Mechanismen knirschen deutlich im Uhrwerk vor sich hin.
Inhaltlich hat man sich auf die bewährte Formel verlassen: zwei gegensätzliche Typen, ein gefährlicher Gegner, ein Bösewicht als Drahtzieher, Horden von bewaffneten Gegnern, Korruption, Explosionen und als Bonus ein hübsches Mädel. Feuer frei!
Aber sogar das kann an Altersmüdigkeit leiden. Aus der Not-zur-Tugend-Rivalität der Buddies entsteht hier nie auch nur ein einziger Funke: während Stallone den Brotjob als rachedurstiger Mietkiller so steif und aufgepumpt angeht, wie es nur ein monströses Ego reißen kann (was er hier mühelos und perfekt runterschrubbt), hat seine Antipode, der von Sung Kang dargestellte aufrechte Polizist nichts zu melden. Unglaublich bemüht rekapituliert er immer wieder sein Vorhaben, sich an die Regeln halten zu wollen, muss aber ständig eingestehen, dass Stallone wieder mal Recht hat. Und dann werden die Regeln wieder gebrochen. Und dann zurück auf Anfang.
Das ist besonders ermüdend, weil der Plot kaum noch Malen nach Zahlen ist und nach einer nervtötenden Grundstruktur abläuft: alle außer den beiden Buddies sind korrupt, also arbeitet man sich von unten nach oben durch. Hier ein Attentat, dort ein Angriff. Gemütlich arbeiten sich die beiden an der Gangsterhierarchie ab, holen sich einen, verhören ihn, erschießen ihn, holen sich die nächste Ebene. Zwischendurch zickt man sich drei Sätze oder Sara Shahi (die auch „Person of Interest“ verschönert hat) zeigt Haut und Tattoos.
Der Oberböse hat dann auch noch ein starkes körperliches Gebrechen (zitiert Hill da irgendwie etwa „Spiel mir das Lied vom Tod“?) und eine sehr fragwürdige Philosophie. Besonders helle ist er auch nicht, denn als er Stallone erstmal vor der Flinte hat , geht er auf den überflüssigsten Deal überhaupt ein, den dieser ihm vorschlägt. Dabei hat er in Jason Momoas „Keegan“ (das wiederum wirkt stark bei „Highlander“ entliehen) sowieso schon einen Handlangertitan, den man nicht totkriegen kann. Den aber brüskiert er solange mehrfach, bis ihm die Hutschnur reißt. Ergebnis: die Bösen killen sich dann gegenseitig…
Wem das schon zu doof ist, der verlange bitte nicht um eine sinnvolle Erklärung, warum Killer-Keegan am Ende auf eigene Faust „on the rampage“ geht und einfach nur „tööööööööten“ will, vermutlich sieht er sich in seiner Ehre gekränkt oder sowas. Menschliche Züge scheint er jedenfalls sonst keine zu haben, ist aber schnell genervt und killt bei der kleinsten Verzögerung gleich noch alle verfügbaren Zeugen. Der Killer als „mindless machine“, da wirkt sogar Stallones vordergründig tumber, aber durchaus emotionaler Altkiller geradezu intellektuell.
Nicht viel besser übrigens Christian Slaters Handlanger, der in einem vielleicht zehnminütigen Insert sich einen Lohnscheck verdienen darf: er post, er gibt an, er wimmert und heult und kaum hat er alles verraten (was er vor vier Sekunden nie verraten wollte), da geifert er seine Anführer wieder an, bis ihm Stallone in Vertretung für die genervte Zuschauerschaft endlich in die Fresse schießt.
Also: der alte Action-Buddy-Movie ist endgültig tot, Walter Hill bewegt hier nur noch automatisiert seinen Korpus durch die üblichen Kulissen, aber das Leben ist zumindest aus dieser Variante schon längst gewichen.
Kein Unterbau, kaum Charaktere, null nachvollziehbare Psychologie – alles nur hölzernes Klötzeschieben.
Natürlich, der Schlußkampf mit Feuerwehräxten ist sehr schön geraten, es wird deftig geballert und Stallone sieht noch recht gut aus, wenn der Bizeps sich unter dem Shirt spannt, aber sonst bleibt nicht viel übrig.
Vielleicht sollte man den Film doch nicht von einem Produzenten skripten lassen, vielleicht hatten auch alle nur wegen einer Steuerabschreibung noch Geld übrig und daraus wurde dank der großen Erfahrung sogar ein richtiger Film.
Auf jeden Fall eine weitere Schippe Erde auf den Sarg mit den Filmen, die die 80er groß oder zumindest berüchtigt gemacht haben. (3/10)