Mit „Beetlejuice“ lebt Tim Burton seine Phantasien optisch im Stile des Expressionismus von Caligari und Co. aus.
Am Anfang steht jedoch noch Idylle, die das Ehepaar Adam (Alec Baldwin) und Barbara Maitland (Geena Davis) genießt. Das kinderlose Ehepaar bewohnt ein großes Haus, gibt sich Hobbys wie Modellbau hin – und kommt bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Davon merken sie jedoch vorerst nichts, erst als sie zu Hause keine Spiegelbilder haben und ein Handbuch für die kürzlich Verstorbenen finden, wird ihnen das Ausmaß der Sache klar. Geister also mal nicht als rachsüchtige Ruhelose, sondern arme Schweine, die einfach eine Wartezeit von 125 Jahren bis zur Aufnahme ins Jenseits überbrücken müssen.
Es kommt jedoch hart: Die neuen Besitzer des Hauses, Delia (Catherine O’Hara) und Charles (Jeffrey Jones), sind echte Nervensägen, nur ihre Tochter Lydia (Winona Ryder) gefällt den Geistern. Zu allem Überfluss lässt sich keiner von diesen durch Spuk beeindrucken oder ängstigen…
Rein vom Konzept her ist „Beetlejuice“ eine ziemlich durchdachte Parodie auf das Horrorgenre, vor allem auf die Geisterhausfilme. So verkehrt sich deren Konzept ruckzuck ins Komische, wenn die Yuppies den Spuk nicht bemerken, gelangweilt abtun oder sogar kommerziell nutzen wollen. Auch etwas gezieltere Parodien werden verteilt, wenn Sandwürmer im Stile von „Dune“ auftauchen oder auf dem Dachboden eine Tür zur Zwischenwelt ist, so wie in Clive Barkers „Hellraiser“. Hinzu kommt noch der Betelgeuse (Michael Keaton), der sich selbst als Bio-Exorzist bezeichnet und nicht wie normale Exorzisten Menschen von Geistern, sondern Geistern von Menschen befreien will.
Dafür, dass sein Name (bzw. eine vereinfachte Version, die Lydia erraten muss) aber den Titel des Films bildet, lässt Burton ihn selten von der Leine. In diesem Momenten beherrscht Betelgeuse dann auch die Leinwand, treibt urkomischen Schabernack (spielt Hau-den-Lukas mit nervigen Investoren usw.) und sorgt für einige Lacher. Ebenso witzig sind auch die Besuche im Büro für kürzlich Verstorbene, wo die Maitlands auf Tote verschiedenster Sorten treffen, oder die Musicalnummer, welche die Maitlands den Yuppies aufzwingen.
Leider sind diese sehr komischen Momente von diversen Durststrecken gerahmt, in denen „Beetlejuice“ witzig sein möchte, aber es nicht ist. Der Gag, dass jeder Schreckversuch der Maitlands nicht gewürdigt wird, läuft sich schnell tot, wird aber doch weiterhin verwendet und die Darstellung von Klischee-Yuppies (fetter, gieriger Dekorateur, geldgeiler Immobilienhai usw.) aus dem Umkreis der neuen Mieter sorgt bestenfalls für müdes Lächeln. Zudem besitzt „Beetlejuice“ etwas zu wenig Drive: Lediglich der Versuch den entfesselten Betelgeuse zu stoppen gibt den Protagonisten ein Ziel, der Mensch-Geist-Konflikt endet bald mit einem Patt, der aber eine lustige Endszene zu bieten hat (in welcher die Geister sich wie Lydias Eltern benehmen).
Optisch ist „Beetlejuice“ dafür eine Wucht, wie fast alle Burtonfilme. Vor allem in den Paralleldimensionen dominieren expressionistische Formen im Stile von Caligari (schräge Türen, Karomuster usw.), doch auch die bizarren Sandwümer und Betelgeuses Verwandlungen bieten einiges fürs Auge. Stellenweise verwendet man derartige Effekte leider nur um des Effektes willen (z.B. in der Endszene), doch schick anzusehen sind die FX und die Optik auf jeden Fall.
Großartiges leisten Alec Baldwin und Geena Davis zwar nicht, doch als biederes Ehepaar mit ungeahnten Problemen sind sie doch ganz gut. Noch etwas besser kommen Winona Ryder, Jeffrey Jones und Catherine O’Hara als neurotische Kleinfamilie daher, doch Michael Keaton spielt den Rest hier ganz klar an die Wand: Er grimassiert, prollt und witzelt mit totaler Hingabe bis die Fetzen fliegen.
Doch trotz Keatons Elan, cleverer Horrorparodien und einiger guter Gags ist „Beetlejuice“ nur ganz nett geworden, denn es mangelt an Stringenz und zwischen den gelungenen Gags liegen einige Durststrecken.