Review

Nadelstreifen & Nachtmahr

Ich stelle schon ewig intern für mich Theorien und eine Liste auf, welche Filme mich als Kind dem Horror- oder zumindest Genrefilm so deutlich zugewandt haben. „The Witches“ kommt da immer zuerst in den Sinn. „Addams Family“, „Gremlins“ und „Ghostbusters“ für ihren Teil sicher auch. Ebenso die Fratellis aus „Goonies“ und das dann doch irgendwie King'sche Gefühl aus „Stand By Me“. Alle haben sicher irgendwie ihren Anteil an meinen/unseren Fetischen und Vorlieben. Doch ein Film darf da nicht vergessen werden, der dieses Jahr sogar eine (zu späte?) Fortsetzung bekommt: Tim Burtons „Beetlejuice“ über ein glücklich verheiratetes Ehepaar, das bei einem Autounfall stirbt und die als Geister ihr ländliches Eigenheim vor den neuen, skurrilen Stadtbewohnern verteidigen wollen, wobei der eklige und doch irgendwie charmante, titelgebende Poltergeist ihnen dabei (eher widerwillig) unter die Arme greifen muss…

Der diskrete Charme der liebenden Untoten

„Beetlejuice“ ist Tim Burton pur. Und das ist unfassbar toll! Noch weit bevor er sein je-ne-sais-quoi scheinbar irgendwie, irgendwo verloren hat. Vielleicht verleiht ihm das in den Startblöcken stehende Sequel „Beetlejuice Beetlejuice“ ja nochmal alte Flügel. Sein Original aus '88 ist und bleibt jedenfalls einer meiner ewigen Favoriten. Als Horroreinstieg. Als Halloweenschmankerl. Als Familienfilm. Als dunkle Komödie. Kurzweilig, speziell, magisch. Voller Energie, Charme, Kreativität und etwas Grusel. Aber vor allem viel Humor und schrägen Einfällen. Die Bauten und Kostüme, die Totenwelt und (deutlich von Dune inspirierte) Wurmwüste, die Miniaturen und die junge Winona Ryder, in die man sich nur verknallen konnte, selbst wenn man nie auf Grufties stand. Der Elfman-Score, die Chemie zwischen Davis und Baldwin, die Laufzeit komplett ohne Fett, die Atmosphäre zwischen Spuk und Schmunzeln. Es greift einfach ansteckend gut gelaunt, selbst im Tod, ein Rädchen in's nächste. Burton nimmt hier alle Bremsen raus. Und dann haben wir noch gar nicht über - the one, the only - Beetlejuice gesprochen. Keaton ist eine totale Ikone! In dieser Rolle, als Batman, als Mensch. Simpel gesagt eine der coolsten Socken, die Hollywood je anhatte. „Beetlejuice“ verbindet Burtons surrealen Frühstil mit einem glamourös-garstigen Hollywoodanstrich. Noch ganz unverfälscht und naiv. Und das macht „Beetlejuice“ zu einem echten Schätzchen! Auf ewig. Egal wie lange man im Jenseits sitzen und auf seine Nummer warten muss… Und der Dinnertanz zum „Banana Boat Song“ bleibt eine der lustigsten Szenen überhaupt. Unkaputtbar. 

Fazit: einer von Tim Burtons besten. Morbide und genial, sympathisch und urkomisch, spritzig und anders. „Beetlejuice“ werde ich zu diesen Lebzeiten nicht mehr aus meinem Herzbereich entfernen! Kindheitserinnerung & Kuriositätenkabinett! Wahnsinnig toll, damals wie heute!

P.S.: Einer der wenigen Klassiker, bei dem ich die späte Fortsetzung funktionieren sehen könnte. Warten wir diesen Sommer ab! 

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