"Scandal" war die zweite große Serie von Shonda Rhimes neben "Grey's Anatomy". Nicht ganz so erfolgreich im Hinblick auf die Anzahl der Staffeln, denn nach der siebten war Schluss. Andererseits konnte man nicht mehr viel erzählen, während es an Patienten nie mangelt. Dass sich die Geschichte ein wenig im Kreis dreht und die Figuren zunehmend unglaubhafter handelten, war dann auch gegen Ende ein großes Ärgernis. Vielleicht hätte man schon früher den Stecker ziehen sollen.
Worum gehts? Eigentlich genau das gleiche wie in der Ärztesoap, nur dass der Schauplatz gleich das Weisse Haus ist und von Anfang an eine durchgehende Handlung präsentiert wird. Es geht um Liebe und Intrigen und damit es nicht langweilig wird, dann auch um Mord, Geheimdienst und Verschwörung. Die Handlung ist dabei ziemlich unglaubwürdig, macht aber Spass, zumal es schon einige interessante Figuren gibt.
Als da wären:
Kerry Washington als Olivia Pope, ehemalige Wahlkampfmanagerin des amtierenden Präsidenten und seine heimliche Geliebte. Jetzt führt sie ein Büro, dass Skandale vertuscht. Ähnlich wie Ray Donovan in der gleichnamigen Serie. Zu ihrem Team gehört Huck, der Mann für Alles. Ziemlicher Psychopath, der auch mal zu Foltermethoden greift. Katie Lowes spielt Quinn, die als Mordverdächtige gleich zu Beginn zum Team stößt und sowas wie die Unschuld repräsentiert. Aber auch sie bringt dunkle Geheimnisse mit. Darby Stanchfield spielt Abby, das Organisationstalent, nervige Figur mit wenig Moral.
Der Präsident wird von Tony Goldwyn gespielt, welcher sehr charismatisch herüberkommt, seine Frau von Bellamy Young, die im Grunde weiss, was ihr Mann so treibt und auch ihre eigenen Spielchen treibt.
Den Teufel in Menschengestalt und somit eine der interessantesten Figuren der Fernsehgeschichte spielt Jeff Perry, nämlich den Stabschef, eine intrigante Sau, bei der man nie weiss, woran man gerade ist.
Im Laufe der Serie geht es zunehmend um Mord und Totschlag, Auftragskiller, mächtige supergeheime Geheimdienste und immer neue Allianzen, die geschlossen werden müssen. Also quasi ein "Dallas" im Zentrum der Macht, nur halt mit Gewalt. Im späteren Verlauf stoßen noch Scott Foley als supercharismatischer Geheimdienst-Offizier, Joe Morton als Geheimdienstchef (nicht der gute, sondern mehr Deep State) und George Newbern als Profikiller, der seine weiche Seite entdeckt, zum Hauptcast. Dann wird es auch immer brutaler und mysteriöser. Wenig glaubhaft, aber immer spannend.
Obwohl manche Kameratricks manchmal tierisch nerven (Spiegelszenen sind das Steckenpferd der Serie), entwickelt die Serie Suchtpotential. Und das ist auch gut so, denn man muss aufgrund der komplexen Handlung schon dranbleiben. Man muss sicher auch ein wenig Fan von Soaps sein, aber auch wenn man das nicht ist, wird man gut unterhalten.
Handwerklich ist alles super, man wähnt sich wirklich im weissen Haus und alles wirkt sehr real. Dazu eine komplexe spannende Story und wirklich interessante Figuren. Hat mir gefallen!