Ein ungeschriebenes Gesetz der Berufswelt lautet: "Wer im Job versagt, oder nicht die gewünschten Ergebnisse bringt, muss wieder die Schulbank drücken, um diese Defizite möglichst schnell auszugleichen." In der Praxis heißt das dann meist Aktenablage, Theoriebüffeln und/oder diverse ungeliebte Handlangerdienste.
Ähnliche Befürchtungen quälen auch die beiden Nachwuchs-Cops Schmidt (Jonah Hill) und Jenko (Channing Tatum). Schließlich haben sie gerade ihre erste potentielle Verhaftung gnadenlos vermasselt. So haben sie nicht nur 90% einer öffentlich Drogen konsumierenden Motorradgang entkommen lassen, sondern obendrein auch noch vergessen, dem einzigen gefassten Übeltäter seine Rechte vorzulesen, woraufhin dieser wieder frei gelassen werden muss.
Was die beiden allerdings nicht ahnen, ist die wenig verheißungsvolle Tatsache, dass die eingangs beschriebene Binsenweisheit in ihrem Fall absolut wörtlich zu verstehen ist. Ehe sie sich versehen, werden sie zum Undercovereinsatz an einer Highschool - sie sollen dort Dealer und Quelle der gefährlichen Designerdroge ermitteln - verdonnert, zu dem sie neben ihrem jugendlichen Aussehen vor allem deutliche Unreife, ausgeprägter Dilettantismus und mangelhafte Selbstkritik qualifizieren.
Bei den in den späten 1980er Jahren Aufgewachsenen dürften spätestens jetzt mehr oder weniger wehmütige TV-Erinnerungen aus der Versenkung bzw. Verdrängung auftauchen. Ja, Hollywood hat mal wieder in der Serien-Mottenkiste unserer Jugendzeit gekramt und siehe da, 21 Jump Street gefunden. Die Strategie dabei ist so simpel wie plausibel.
Was damals bereits ein (vornehmlich weibliches) Teenagerpublikum begeistert hat, hat auch heute - insofern man dem Ganzen einen modernen Anstrich verpasst - durchaus Potential die entsprechende Zielgruppe anzusprechen. Zudem profitiert die Neuauflage von Bekanntheitsgrad und Popularität des Urspungsmaterials und kann sich berechtigte Hoffnungen machen, auch die „alten Fans" ins Boot zu holen. Bei genauerem Hinsehen hat die glänzende Medaille allerdings auch eine trübe Kehrseite. Vielen sind die einst verehrten TV-Highlights der Kindheit bei erneuter Sichtung eher peinlich, so dass eine exakte Kopie kaum in Frage kommt. Dazu kommt, dass sich die Sehgewohnheiten der heutigen Jugendlichen ganz erheblich von denen früherer Generationen unterscheiden.
Trotz dieses nicht zu unterschätzenden Gefahrenpotentials gehört das Recycling alter Serienhits inzwischen unbestreitbar zum Standartrepertoire der großen Studios. Gleich nach den Sequels zählen Remakes bekannter Stoffe bei den verantwortlichen Erbsenzählern zu den vermeintlich sichersten weil kalkulierbarsten Investitionen. Selbst so laue Aufgüsse wie die beiden 3 Engel für Charlie-Blödeleien fuhren schließlich ordentliche Gewinne ein. Eher ernüchternde Gewinnmargen bei den Kinoversionen von Miami Vice oder Das A-Team werden da gern verdrängt.
Im Fall von 21 Jump Street ist die Rechnung jedenfalls mal wieder aufgegangen. Und das nicht nur monetär. Mit einem erstaunlichen Maß an Selbstironie und allerlei bissigen Seitenhieben auf gängige Klischees von Teenagerdasein und Jugendkultur macht der Film auch (bzw. gerade) jenseits des vollendeten 14. Lebensjahres mächtig Spaß.
Ein in dieser Hinsicht besonders gelungener Running Gag, besteht darin, dass der einstige Highschool-King Jenko - gutaussehend, muskelbepackt, aber dämlich - mit der bewährten Hoppla-jetzt-komm-ich-Masche gnadenlos durchfällt und sich am Ende im Lager der verachteten Wissenschaftsnerds wiederfindet, während es den einst gemobbten Schmidt - dicklich, unsicher, aber intelligent - plötzlich auf die Sonnenseite der gnadenlosen Schul-Hierarchie verschlägt.
Aber auch das Grundkonzept des Films bekommt wiederholt launig sein Fett weg. So begrüßt der dauerfluchende Captain Dickson (Ice Cube) die beiden unfreiwilligen verdeckten Ermittler sinngemäß mit den wenig motivierenden Worten: „Denen da oben fällt absolut nichts Neues mehr ein. Also recyceln sie den alten Scheiß wieder und wieder und bauen darauf, dass keiner was merkt!" Zudem wird Jenko permanent auf sein Alter angesprochen und damit die reichlich absurde und natürlich unglaubwürdige Idee, dass 20-30-jährige Cops sich unerkannt unter High-School-Kids bewegen genüsslich durch den Kakao gezogen.
Ähnlich wie bei der Kinoversion von Starsky und Hutch wurde im Vergleich mit dem TV-Original die Humorschraube ordentlich angezogen und der Kriminalplot direkt proportional heruntergefahren. Dass dieses durchaus gewagte Konzept so prächtig funktioniert liegt in beiden Fällen sicherlich am gelungenen Gagtiming, vor allem aber an dem perfekt harmonierenden Hauptdarstellerduo. Der mit liebenswert-derben Komödien bestens vertraute Jonah Hill und der bisher hauptsächlich als Actionheld aufgetretene Channing Tatum gebend ein brüllend komisches Antagonistenpaar ab, dem man auch gerne noch länger zusehen würde. Situationskomik und verbaler Schlagabtausch glänzen jedenfalls über weite Strecken durch Treffsicherheit, da kann man schon mal über den ein oder anderen Rohrkrepierer (zumindest in der Synchronfassung) und ein paar Humorentgleisungen hinweg sehen.
21 Jump Street gehört zweifellos zu den erfreulichen Auswüchsen des häufig eher durch Redundanz und Überflüssigkeit gekennzeichneten Recyclings angestaubter Fernsehserien. Schnoddrig, anarchisch und erfrischend selbstironisch wird das Original vor allem humoristisch aufgepeppt, ohne dabei - und das ist keine Selbstverständlichkeit - der Lächerlichkeit preisgegeben zu werden. So oder ähnlich sahen das wohl auch Johnny Depp und Peter de Luise, die ihren früheren TV-Rollen in einem knalligen Cameo die Referenz erweisen.
Die Regisseure Phil Lord und Chris Miller haben definitiv Einiges richtig gemacht, so dass die „Zurück-auf-die-Schulbank"-Maßnahme hier reichlich unangebracht wäre.
Kurz: Mission erfüllt und Empfehlung für mögliche Folgeaufträge souverän abgegeben. Nach der (erfolgreich absolvierten) Pflicht folgt ja bekanntermaßen die Kür, übersetzt ins US-amerikanische Schulwesen bedeutet das den Eintritt ins College. Auf diese am Ende bereits angedeutete neue Mission der beiden Undercover-Helden kann man sich jedenfalls uneingeschränkt freuen.