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Das ohnehin schon meist komödiantische Genre des Buddy Cop Movies zu persiflieren ist keine leichte Aufgabe, die aber in den letzten Jahren sowohl „Hot Fuzz“ als auch „The Other Guys“ und „21 Jump Street“ gelang.
Mit grandiosem Comedy-Timing hakt „21 Jump Street“ die Vorgeschichte ab: Schmidt (Jonah Hill) war in der Schule der schlaue Außenseiter, der von Jocks wie Jenko (Channing Tatum) gehänselt wurde. Auf der Polizeischule treffen die beiden einander wieder, Jenko hilft Schmidt in Sachen körperlicher Fitness, Schmidt Jenko bei den Aufgaben, die mehr Hirnschmalz fordern, woraufhin die beiden nach bestandener Prüfung zu Partnern werden. Eine Montage, die auch den Vorbildern aus den 1980ern und 1990ern gut gestanden hätte, gleichzeitig aber auch Klischees liebevoll aufgreift, überhöht und parodiert.
Danach aber die (erneut köstlich inszenierte) Ernüchterung: Als Fahrradcops müssen die beiden durch den Park eiern und als sie nach frustrierenden Aufgaben tatsächlich einen Drogendeal beobachten, entkommen alle Täter außer einem, der allerdings wieder freikommt, weil Jenko vergaß ihm die Rechte vorzulesen. Eine wunderschöne Visualisierung des Gegensatzes von Selbst- und Außenansicht: Aus der eigenen Perspektive ist die Verfolgungsjagd mit dynamischer Musik untermalt und schnell geschnitten, von außen sieht man zwei sich abstrampelnde Gesetzeshüter auf lächerlichen Rädern, und wenn die beiden zum Abschluss den Verbrecher noch demütigen und die Knarren in die Luft feuern, dann ist die Parodie auf Männlichkeitsklischees perfekt.

Weniger perfekt macht sich der Vorfall allerdings im Lebenslauf der beiden, die zum Projekt 21 Jump Street versetzt werden und aufgrund ihres jugendlichen Aussehens undercover an einer Schule nach den Herstellern einer neuen Designerdroge suchen sollen…
Vom Tonfall liegt „21 Jump Street“ irgendwo zwischen „Hot Fuzz“ und den Apatow-Produktionen und stellt amüsant das Verhalten des Kindes im Manne heraus. Hier sogar wortwörtlich, werden die beiden doch als Erwachsene mit den Pflichten und Freiheiten des Schüler-Daseins konfrontiert, wobei beide an eine neue Form der Highschool geraten: Toleranz, Pflichtbewusstsein und Umweltschutz sind in, Bullying und der dicke Spritschlucker, mit dem Schmidt und Jenko am ersten Schultag demonstrativ einen Behindertenparkplatz belegen, sind out. Diese Tatsache und eine Verwechslung Jenkos bei den Tarnidentitäten führen dazu, dass nun Schmidt der Jock ist und Jenko der Nerd im Labor, womit beide nun mal die andere Seiten des früheren Highschool-Lebens mitbekommen, was natürlich zum (im Buddy Cop Movie unerlässlichen) Krach unter Partnern führt, der freilich zum Finale beigelegt wird.
Bis dahin haut „21 Jump Street“ aber ordentlich auf die Pauke und zeigt famosen Slapstick, etwa wenn die Jungermittler von einem Dealer gezwungen werden Drogen zu schlucken und danach high in der Schule marodieren oder später eine Theateraufführung platzen lassen, lustige Wortgefechte und ein pointiertes Spiel mit Stereotypen. Etwa wenn der schwarze, dauernd fluchende Captain Dickson (Ice Cube) über das Klischee des schwarzen, dauernd fluchenden Captains philosophiert und erklärt, warum Klischees gut sind, wenn er das Projekt 21 Jump Street mit den Worten „They just revive some bullshit from the 80es and think that no one will notice“ und dabei natürlich auf die extradiegetische Praxis des Remakens Bezug nimmt, wenn die Männerfreundschaft aus den Buddy Cop Movies hier fast wie eine Beziehung (inklusive der Aufzeigung sonst latenter homoerotischer Tendenzen und einem Streit im Stile eines Ehekrachs) inszeniert wird.

Zu einem Buddy Cop Movie gehört allerdings auch Action und davon gibt es in „21 Jump Street“ ebenfalls eine Packung. Neben kleineren Actionszenen sind hier in erster Linie eine Verfolgungsjagd zu nennen, die pointiert den Explosionsfimmel des Actionkinos auf die Schippe nimmt (und gleichzeitig irgendwie bedient), und das überraschend harte Finale, bei dem die Kugeln fliegen, sich eine weitere Verfolgungsjagd und in einer schicken Explosion gipfelt. Die Comedy überwiegt, doch auch Spektakelfreunde kommen auf ihre Kosten, vor allem im letzten Drittel.
Vorm Finale hängt „21 Jump Street“ leider ein wenig durch, da der Streit zwischen Jenko und Schmidt absehbar ist und weil die Pointen nicht mehr ganz so pfiffig sind wie in der schlicht und einfach grandiosen Anfangsphase, da trösten auch diverse Filmzitate und -referenzen wie das „Kneel before Zod“ aus „Superman II“ nicht drüber hinweg, was schade ist.
Die Besetzung ist dafür ein Glücksgriff. Jonah Hill als Moppel, der zum Jock wird, kann sein ganzes komödiantisches Talent in die Waagschale werfen, der von Channing Tatum wunderbar ergänzt. Tatum, zuvor öfter als Actiondarsteller unterwegs und mit viel Gabe zur Selbstironie gesegnet, spielt herrlich beschränkt als Jenko. Dave Franco als Wortführer der High-School-Kids liefert ebenfalls eine tolle Performance ab, Brie Larson ist ein überzeugendes, nie auf Schwache-Frau-Klischees reduziertes Love Interest, während Ice Cube und Rob Riggle in ihren Nebenrollen vollends aufgehen. Ergänzt wird die launige Nummer noch durch Cameos fast aller Mitglieder der Original-„21 Jump Street“-Serie, teilweise sogar auf echt unerwartete Weise.

„21 Jump Street“ mag gegen Ende nachlassen, aber angesichts des traumhaften Anfangsdrittels, der cleveren Anspielungen auf das Buddy Cop Movie und der tollen Selbstveräppelung, die „21 Jump Street“ aufbietet, überwiegt der Spaß eindeutig. Einige knallige Actionszenen bedienen dann auch die Anforderungen an das Buddy Cop Movie, doch meist spielt „21 Jump Street“ mit seiner Form – und das auf sehr charmante Weise.

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