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Es war nicht unbedingt die glücklichste Zeit für die Bondfilme: Harry Saltzman steckte in einer finanziellen Krise, Kevin McClory konnte gerichtlich erwirken, dass er der alleinige Besitzer an den Rechten des "Spectre"-Konzepts ist (was eine Rückkehr von Blofeld unmöglich macht), und dazu auch noch ein schlichtwege enttäuschender Bondfilm mit "Der Mann mit dem goldenen Colt". Sollte es besser werden? Ja, es wurde besser! Und wie! "Der Spion, der mich liebte", Moores dritter Auftritt als 007, wurde zu einem der besten Filme der Reihe überhaupt.

Die Geschichte bietet alles, was die bisherigen großen Klassiker der Reihe so beliebt gemacht hatten: Einen überlebensgroßen, schwerreichen Gegner, diesmal, der "Goldfinger"-Tradition folgend, wieder von einem Deutschen gespielt, nämlich Curd Jürgens, eine wunderhübsche Bondine, die nicht nur fantastisch gut aussieht, sondern auch eine starke Figur innerhalb des Plots ist, und eine Story, die den Kalten Krieg mit Leichtigkeit auf die Schippe nimmt. Um die Vernichtung der Zivilisation durch Ozeanfetischist Karl Stromberg (Jürgens) zu verhindern, müssen in dem Fall nämlich sowohl der britische, als auch de sowjetische Geheimdienst kooperieren. Beide Organisationen schicken ihre jeweils besten Agenten ins Rennen: James Bond alias 007 wird die Entführung eines britischen Atom-U-Boots rächen, und Major Anya Amasova (Barbara Bach), alias Triple X (eine schamlose Anspielung auf die amerikanische Abkürzung XXX) wird für die Sowjets das Verschwinden ihre U-Bootes vergelten. Natürlich funkt es zwischen den beiden Geheimagenten, während sie in Ägypten und Sardinien versuchen, Strombergs Helfer unschädlich zu machen.

Und auch hier hat der Film ein Highlight zu bieten: Waren Tee-Hee ("Leben und sterben lassen") und Schnick-Schnack ("Der Mann mit dem goldenen Colt") schon ganz amüsante Helfershelfer, besitzt "Der Spion, der mich liebte", den ultimativen Handlanger: Jaws, zu deutsch: Der Beißer. "Jaws" ist eine Anspielung auf den Spielberg-Film "Der weiße Hai" - liegt daran, dass der von Richard Kiel gespielte Hühne ein Stahlgebiß im Mund hat, mit dem er seine Opfer schlichtweg totbeisst. Jaws ist der düsterste und beste Helfershelfer der Bondreihe. Er war derart beliebt, dass man ihn sogar für den nächsten Bondfilm reaktivierte.

Aber nicht nur tolle Darsteller hat "Spion" zu bieten: Was der Aston Martin für "Goldfinger" war, ist der weiße Lotus Esprit für "Der Spion, der mich liebte". Das schnittige Wunderauto, das sogar unter Wasser mobil ist. Dementsprechend ist die Action in diesem Abenteuer groß, größer am größten. Allein schon die Einganzsequenz, die atemberaubende Ski-Stunts in der Schweiz bietet, oder die gigantische Schlacht innerhalb von Strombergs Liparius sind echte Action-Highlights der Reihe. Für die aufwendige Schlacht innerhalb des riesigen, mehrere U-Boote fassenden Tankers, eilte sogar Regie-Legende Stanley Kubrick zu Hilfe, um die Szene korrekt auszuleuchten! Die Gigantomanie wird nur noch von Strombergs Meeresfestung, der Atlantis, übertroffen. Dieses wuchtige, faszinierende Set ist wahrlich eines der besten Villain-Verstecke der Reihe. Und der darin thronende Jürgens wertet das fantasievolle Gebilde noch einmal stark auf. Wer bei diesem perfekt gefilmten und geschnittenen Bondfilm noch atmen kann, der muss blind sein.

Natürlich, so ist es Roger Moores Markenzeichen, kommt auch hier der Humor nicht zu knapp. Selbst vor malerischer Kulisse, den Pyramiden von Gizeh, reißt Bond seine Agentenschoten - aber bei weitem nicht so unangebracht unbeholfen, wie im Vorgänger. Moore ist in diesem Film deutlich gelassener, cooler, smarter, als im vorigen Abenteuer. Barbara Bach ist glücklicherweise das erste Bondgirl mit Gleichberechtigung, und nicht mehr das unbeholfene, schwache Mädchen, das 007 eher noch im Wege steht á la Tiffany Case oder Mary Goodnight. Und wir hören zum ersten und einzigen Mal den echten Namen von "M" - also gut hinhören!

"Der Spion, der mich liebte" ist ein Fest für alle Sinne. Die wunderbare Musik von Marvin Hamlisch, die hart gedrehten Actionsequenzen von Kameramann Claude Renoir, der auch wunderbare Landschaften und die verführerisch-hübsche Barbara Bach fantastisch einzufangen wusste. Moore hat damit seinen "Goldfinger" gedreht! "Der Spion, der mich liebte" ist definitiv sein bester Film, und gehört neben "Im Geheimdienst ihrer Majestät" zu den besten Bondfilmen überhaupt!

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